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Warum wir den Klimawandel noch in den Griff bekommen können

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
24.07.2026
4 Min.

Hitzerekorde, Kipppunkte, verpasste Ziele: Die Nachrichtenlage klingt oft nach Endstation. Doch wer sich anschaut, was Klimaforscher*innen tatsächlich sagen und welche Zahlen hinter den Schlagzeilen stehen, findet etwas anderes: Nüchterne Belege dafür, dass Handeln sich lohnt und Aufgeben unbegründet wäre.

Historische Beispiele zeigen: Wir können das mit dem Klimawandel noch schaffen. (Foto: Privat)

Wer die Nachrichten verfolgt, kennt das Gefühl: Hitzerekorde, Überschwemmungen, Waldbrände, dazu Berichte über Kipppunkte und verpasste Ziele. Es wäre leicht, daraus zu schließen, dass wir längst zu spät dran sind. Ich teile dieses Gefühl gelegentlich selbst. Aber ich halte es für falsch und, was wichtiger ist, es widerspricht dem, was Klimaforscher*innen tatsächlich sagen, wenn man ihnen genau zuhört.

„Es stimmt einfach nicht, dass man nichts mehr ändern kann"

Die Physikerin Friederike Otto, Mitbegründerin der World Weather Attribution Initiative und Leitautorin des Weltklimarates, sagt dazu in einem Interviw mit dem Tagesspiegel: „Es stimmt einfach nicht, dass man nichts mehr ändern kann." Natürlich lasse sich die bisherige Erwärmung nicht rückgängig machen, und es seien bereits Menschen gestorben, Ökosysteme zerstört worden. Aber, so Otto weiter: „Wir haben unglaublich viele Möglichkeiten, das Schlimme zu verhindern." Und: „Es lohnt sich also, für jedes Zehntelgrad zu kämpfen."

Das ist kein naiver Optimismus, sondern eine nüchterne physikalische Feststellung: Beim Extremwetter gibt es - anders als oft befürchtet - keine bekannten Kippelemente, die automatisch zu einer Selbstverstärkung führen. Das ändert nichts daran, dass im Klimasystem selbst rund zwei Dutzend Kippelemente beschrieben sind, einige davon bereits nah am oder über dem kritischen Punkt: Der Global Tipping Points Report vom Oktober 2025 hält etwa fest, dass die Korallenriffe ihren Kipppunkt bereits überschritten haben. Doch beim Extremwetter gilt: Jedes Zehntelgrad, das wir vermeiden, macht real einen Unterschied. Aufgeben wäre also nicht nur pessimistisch, sondern schlicht unbegründet.

Der Trend zeigt tatsächlich in die richtige Richtung

Auch wenn man nüchtern auf Zahlen schaut, ist die Entwicklung besser als noch vor zehn Jahren. Der Klimawissenschaftler Zeke Hausfather von Berkeley Earth verglich kürzlich die heutigen Emissionsprognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) mit denen von 2014 - und der Unterschied ist erheblich: Damals erwartete man bis Mitte des Jahrhunderts einen Anstieg auf rund 50 Gigatonnen CO₂ jährlich, heutige Prognosen liegen deutlich darunter. Im Gespräch mit Axios relativierte Hausfather diesen Optimismus selbst gleich wieder: Eine Garantie für stärkeres Klimahandeln in der Zukunft gebe es nicht - er hoffe darauf und glaube auch daran, „weil das der Trend der letzten Jahrzehnte war". Sollte das 21. Jahrhundert aber von Führungsfiguren geprägt sein, deren Ideologie jener der Trump-Administration nahesteht, werde genau das nicht eintreten.

Diese Entwicklung zeigt sich auch sehr konkret im Energiesektor: 2025 war laut Internationaler Energieagentur ein Rekordjahr für erneuerbare Energien - mit rund 800 Gigawatt neu installierter Kapazität weltweit. Photovoltaik allein steuerte mehr zum globalen Energiewachstum bei als jede andere Quelle. Nach Berechnungen des Thinktanks Ember wurde zudem erstmals in der ersten Jahreshälfte 2025 weltweit mehr Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt als aus Kohle. Das ist keine Zukunftsvision, sondern bereits Realität.

Der Mensch ist die größte Unsicherheit - und das ist eine gute Nachricht

Was mich persönlich am meisten überzeugt, ist ein Gedanke der US-Klimaforscherin Katharine Hayhoe. Im Podcast „Shocked", zitiert von Axios, sagt sie: "Die größte Unsicherheit bei allen Klimaprognosen sind nicht Naturgesetze, sondern wir selbst - unsere Entscheidungen, unsere Politik, unser Konsum." Das klingt zunächst bedrohlich, ist aber genau umgekehrt gemeint: Wenn wir selbst der entscheidende Faktor sind, dann liegt es auch an uns, die Richtung zu ändern. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Naturereignis, das über uns hereinbricht, und einer Krise, die wir mitgestalten können.

Hayhoe beschreibt in ihren Texten auch offen, dass sie oft als „Hopium-Dealerin" verspottet wird - als jemand, der falschen Trost verkauft. Ihre Antwort darauf: Reine Panikmache lähmt Menschen eher, als sie zu aktivieren; Hoffnung, die auf Handlungsfähigkeit beruht, sei der wirksamere Antrieb. Ich finde, das trifft etwas Wichtiges: Verzweiflung führt selten zu Veränderung, das Wissen um eigenen Einfluss dagegen schon.

Ein historisches Vorbild: die Ozonschicht

Ein Beispiel, das mir persönlich Mut macht, weil es zeigt, dass internationale Klimapolitik tatsächlich funktionieren kann, ist das Ozonloch. Durch das Montrealer Protokoll von 1987 wurde der Ausstoß ozonschädigender Chemikalien weltweit reguliert - mit Erfolg: Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bestätigte 2025, dass sich die Ozonschicht kontinuierlich erholt und sich das Ozonloch bis in die 2060er-Jahre vollständig schließen könnte. Nebenbei hat dieses Abkommen auch mehr Treibhausgase eingespart als das Kyoto-Protokoll. Das zeigt: Wenn Wissenschaft, Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen, lassen sich selbst globale atmosphärische Probleme lösen - auch wenn es Jahrzehnte dauert.

Meine eigene Einschätzung

Ich will nichts beschönigen: Die 1,5-Grad-Grenze ist nach heutigem Stand kaum noch zu halten, und jedes Jahr der Verzögerung kostet uns Optionen. Aber „nicht mehr 1,5 Grad schaffen" bedeutet nicht „gescheitert". Der Unterschied zwischen zwei und drei Grad Erwärmung, zwischen drei und vier Grad, ist für Millionen Menschen und ganze Ökosysteme enorm. Jedes Zehntelgrad, das vermieden wird, jedes Kohlekraftwerk, das durch Solarenergie ersetzt wird, jede Anpassungsmaßnahme, die Städte hitzeresistenter macht, zählt real.

Was mir am meisten Hoffnung macht, ist nicht ein einzelnes Ereignis, sondern die Kombination aus drei Dingen: Die Technologie ist da und wird günstiger, nicht teurer. Die Kurve der Emissionsprognosen zeigt seit einem Jahrzehnt nach unten, nicht nach oben. Und die Wissenschaft selbst - die uns vor der Krise gewarnt hat - sagt nicht „es ist vorbei", sondern „wir haben noch Möglichkeiten". Wer das ernst nimmt, hat keinen Grund zu resignieren. Wohl aber jeden Grund, weiterzumachen.

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