Am Wochenende treffe ich meine Freunde Alex, Diego und Johannes, auch andere sind dabei. Eigentlich passt der Abend ziemlich gut zu unserem Thema: Keiner von uns will in einen Club. Alex war zuletzt vor ungefähr zwei Monaten dort, Johannes vor ein paar Monaten. Nur Diego geht mit ein- bis zweimal im Monat regelmäßiger. „Wenn die richtige Gruppe dabei ist, bin ich meistens dabei“, sagt Diego. „Nur wegen des Clubs selbst würde ich aber nicht unbedingt gehen.“
Ungewöhnlich ist diese Einstellung nicht. Rund 13.500 junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren nahmen an der Ö3-Jugendstudie 2026 teil. 77 Prozent glauben, dass Clubs und Discos in den kommenden Jahren an Bedeutung verlieren werden. Die drei vor mir wollen Clubs trotzdem nicht abschreiben. Sie brauchen nur offenbar einen besseren Grund hinzugehen als: Es ist Samstagabend.
Bis zu 100 Euro für eine Nacht
Bei Diego spielt Geld eine Rolle. Für einen Clubabend gibt er nach eigener Schätzung 60 bis 100 Euro aus. Eintritt, Garderobe, Getränke und die Fahrt nach Hause summieren sich. „Man unterschätzt vor allem die Getränke und die Heimfahrt“, sagt er. Wenn Eintritt und Getränke teuer sind, überlegt er mit seinen Freunden, ob sie nicht lieber woanders hingehen.
Alex rechnet mit 50 bis 80 Euro, Johannes mit 50 bis 70. Johannes entscheidet sich manchmal schon vor dem Fortgehen dagegen. „Manchmal denke ich mir schon vorher, dass ich keine 60 oder 70 Euro für einen einzigen Abend ausgeben möchte.“ Alex geht es ähnlich. Für ein paar Stunden so viel Geld auszugeben, ist es ihm nicht immer wert.
Auch die Clubs selbst kämpfen mit steigenden Kosten und veränderten Gewohnheiten. In St. Pölten schloss Anfang Mai mit dem „La Boom“ nach 24 Jahren die letzte Disco der Stadt. In Wien gab es vor der Pandemie rund 670 Nachtbetriebe. Während der Pandemie sank die Zahl auf etwa 600. Danach erholte sie sich zwar, erreichte das frühere Niveau aber nicht mehr.
Lieber Hausparty als Warteschlange
Nur am Geld liegt es bei den drei nicht. Johannes nerven volle Räume, Warteschlangen und teure Getränke. Alex stört, dass Gespräche im Lärm kaum möglich sind. Auch Diego nennt das Anstehen und überfüllte Räume als Gründe.
Ihre Alternativen ähneln sich dafür auffällig. Alex trifft Freunde lieber privat oder geht in eine Bar. Johannes bevorzugt private Treffen und Hauspartys. Diego ebenfalls: „Man kennt die Leute, Getränke kosten weniger und man kann tatsächlich miteinander reden.“
Das bedeutet nicht, dass unsere Generation plötzlich am Samstagabend zu Hause sitzt. Ö1 berichtete im Juni über das österreichische Discosterben und darüber, wie sich das Fortgehen auf private Treffen, Vereinslokale und einzelne Veranstaltungen wie Zeltfeste verlagert. In Europa sind laut ORF in den vergangenen zehn Jahren über 30 Prozent der Clubs verschwunden. Gleichzeitig entstehen neue Formen des Fortgehens, darunter Pop-up-Veranstaltungen und Partys am Tag.
Wenn morgen Training ist
Beim Gespräch kommt noch ein Grund dazu, der bei allen drei eine Rolle spielt: Sport. Alex hat weniger Lust, bis vier oder fünf Uhr morgens unterwegs zu sein, wenn er am nächsten Tag trainieren möchte. Johannes geht manchmal früher nach Hause oder gar nicht erst mit, weil er nicht völlig übermüdet Sport machen will.
Auch Diego merkt Alkohol nach eigener Aussage teilweise beim Training. „Wenn ich am nächsten Tag trainieren möchte, überlege ich schon zweimal, ob ich bis spät fortgehe.“
Alkohol ist unter Jugendlichen trotzdem keineswegs verschwunden. Bei der österreichischen ESPAD-Erhebung wurden 7.735 Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 17 Jahren befragt. Sechs von zehn hatten in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken. Rund jeder Fünfte berichtete von mindestens einem starken Rausch in diesem Zeitraum. Bei Alex, Diego und Johannes gehört Alkohol manchmal zum Fortgehen, ist aber für keinen der Grund, überhaupt in einen Club zu gehen.
Für irgendeinen Clubabend reicht es nicht mehr
Je länger wir darüber sprechen, desto weniger klingt es danach, als hätten Alex, Diego und Johannes grundsätzlich etwas gegen Clubs. Alle drei erzählen auch von dem, was ihnen dort gefällt: gute Musik, Stimmung und gemeinsam mit einer größeren Gruppe feiern.
Nur reicht das offenbar nicht mehr automatisch für jeden Freitag- oder Samstagabend. Johannes würde für ein besonderes Event eher in einen Club gehen als für einen gewöhnlichen Abend. Diego wünscht sich ebenfalls mehr besondere Veranstaltungen, günstigere Getränke und weniger Anstehen. Alex hätte gerne niedrigere Preise, weniger Gedränge und Bereiche, in denen Gespräche möglich sind.
Keiner der drei glaubt deshalb an das völlige Verschwinden der Clubs. Johannes erwartet eher eine Veränderung: Besondere Events könnten wichtiger werden, während das klassische Fortgehen jedes Wochenende seltener wird.
Unser Treffen geht währenddessen weiter. Wir sitzen noch immer mit Freunden zusammen, reden miteinander und brauchen dafür weder Garderobe noch Eintritt.
Vielleicht beantwortet unser eigener Samstagabend die Frage besser als jede Umfrage.
Kommentare