„Niche“ – diesen Begriff hört man gerade sehr oft, wenn man sich in bestimmten Bubbles auf TikTok oder Instagram bewegt. Jeder möchte „niche“ und „anders als die anderen“ sein. Gemeint sind Dinge, die sich abseits des Mainstreams bewegen und nur einer kleinen Gruppe bekannt sind. Doch wird der Wunsch, „niche“ zu sein, nicht langsam selbst zum Trend? Und wieso sehen dann trotzdem so viele Menschen erstaunlich ähnlich aus? Eigentlich ist es paradox: Wir wollen uns von der Masse abheben, suchen aber gleichzeitig nach Vorbildern, die uns zeigen, wie wir uns von ihr abheben können. Der Wunsch nach Individualität ist dabei keineswegs etwas Schlechtes. Aber vielleicht verstehen wir Individualität inzwischen ein wenig falsch.
Eine Anleitung zum Ich-Selbst sein
Individualität heißt doch einzigartig zu sein. Wieso kann man diese dann in Wörtern beschreiben und sogar Kategorien dafür verwenden? „ Clean Girl Aestethic“, „Grunge Aestethic“ oder „Y2K“. All diese Begriffe sollen einem ein bestimmtes Bild vermitteln. Ein Bild davon, wie eine Person sich in der Welt darstellt und fühlt. Man kann sich einfach eine Art der Individalität aussuchen. Also eigentlich genau das Gegenteil von Individualität. „How to look more…..“ oder „Clothes you need to look….“, unzählige solche Videos findet man auf Social-Media. Die Perönlichkeit wird zu einem Konsumprodukt. Es gibt ganz klare Regeln und Kennzeichen. Und diese werden uns von anderen vorgegeben. Eine andere Person, zeigt uns wie wir selbst individuell seon können. Jedoch ist es dann nicht mehr wirklich unsere Persönlichkeit, sondern eine übernommene, die wir zu unserer machen wollen.
Wollen wir wirklich anders sein, oder nur so wirken?
Besonders sein bringt Aufmerksamkeit. Aber nicht zu besonders. Die Aufmerksamkeit ist meistens nur gewollt, wenn sie positiv ist. Negative Aufmerksamkeit wird dadurch vermieden, dass man darauf achtet, was die gerade gesellschaftlich als cool und speziell gilt. Man will sozusagen für die Anderen anders wirken, nicht für einen selbst anders sein. Es ist egal, ob wir selbst etwas besonders finden. Es geht darum, dass die Öffentlichkeit es besonders findet. Als ich mit Freunden über dieses Phänomen gesprochen habe, ist mir aufgefallen, dass sobald man online sieht, dass beispielsweise ein bestimmtes Muster „gehatet“ wird und als hässlich bezeichnet wird, einem selbst es auch immer weniger und weniger gefällt. Und das nicht weil sich unsere persönliche Meinung oder das Kleidungsstück verändert hat, sondern weil die öffentliche Meinung dazu verändert hat. Und diese Meinung beeinflusst dann unsere Wahrnehmung.
Wie „niche“ kann niche sein überhaupt noch sein?
Unter Begriffen wie „Niche“ oder „ Alternative“ konnte sich eigentlich jeder selbst etwas vorstellen. Nicht jeder hatte die gleiche Vorstellung und auch nicht jeder war eines dieser Wörter. Heute ist es im Trend diese Eigenschaften zu haben, gerade weil es nicht jeder ist. Und da geht die Besonderheit, und das was Alle wahrscheinlich daran fasziniert, verloren. Wenn jeder „niche“ ist wird es zum Mainstream. Und sobald es im Mainstream angekommen ist, ist es nicht mehr cool. Wenn alle versuchen so besonders einzigartig und unbekannt zu sein, dann kann es ja nicht mehr so unbekannt sein.
Gibt es Individualität überhaupt?
Ist überhaupt irgendwas noch von uns, wenn alles von irgendwo her in unserem Kopf gekommen ist? Niemand ist völlig unabhängig in seinen Gedanken. Wir bekommen ständig und überall verschiedenste Einflüsse. Es beginnt ja schon in der Kindheit. Wir wachsen vielleicht mit der Musik von Papa auf oder mit den Lieblingsfilmem von Mama. Diese Momente prägen uns stark. Also nein, nicht nut Social-Media ist daran „Schuld“. Unsere Umgebung ha enormen Einfluss. Man merkt es nur vielleicht weniger, da es laufend und schleichend passiert. Social-Media ist da eher präsenter und schreit: „ Entscheide dich für eine Persönlichkeit“. Vielleicht ist Individualiät ja nicht der Zustand des komplett „Eigen-Seins“ und etwas zu finden was niemand anderes hat oder ist. Vielleicht ist es die Fähigkeit, aus bereits vorhandenen Dingen, die einem mitgegeben wurden, etwas was zu machen das für uns eigen und besonders ist.
Wäre gleich sein wirklich ein Problem?
Beeinflusst wird jeder von jedem. Und das ist auch völlig normal und nicht automatisch etwas Schlechtes. Gemeinsam anders beziehungsweise man kann auch sagen, Gemeinsam gleich sein, ist etwas positives. Die gleichen Sachen zu mögen ist völlig okay. Es wird nur kritisch wenn man die gleichen Sachen mag, um eben die gleichen Sachen zu mögen. Wir sollten uns nicht krampfhaft dazu bewegen, anders zu sein. Genauso sollten wir uns nicht dazu zwingen gleich zu sein.
Vielleicht ist der Rock am Ende nicht das Problem. Das Problem ist auch nicht, dass ihn viele Leute nun kennen und tragen. Die Individualität geht damit nicht verloren. Sie geht nicht verloren, wenn man gleich ist wie Andere, sondern dann wenn man das Anderssein zum eigentlichen Ziel macht. Selbsz zu entscheiden ist das wirkliche „Anders sein“. Wir müssen gar nicht versuchen anders oder gleich zu sein, wir müssen einfach wir selbst sein.
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