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Warum tue ich manchmal so, als hätte ich jemanden nicht gesehen?

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Leser · HtbluVA Villach
2 Kommentare
28.09.2026
3 Min.

Manchmal sieht man jemanden, den man kennt, und tut trotzdem so, als hätte man ihn nicht gesehen. Ich habe mich letztens selbst dabei erwischt und mich danach gefragt: Warum macht man das eigentlich? Was ist so schlimm daran, kurz „Servus“ zu sagen?

eine junge Frau geht mit Hund spazieren! (Foto: Image by wal_172619 from Pixabay)

Letztens war ich in Villach unterwegs und habe auf der anderen Straßenseite plötzlich einen ehemaligen Schulkollegen gesehen. Ich habe ihn sofort erkannt. Wir waren früher gemeinsam in der Klasse und haben uns eigentlich immer gut verstanden.

Für einen kurzen Moment habe ich überlegt, ob ich ihn einfach grüßen soll. Irgendwie hatte ich aber gerade keine Lust auf ein Gespräch. Also habe ich auf mein Handy geschaut und bin einfach weitergegangen.

Ein paar Sekunden später habe ich mich gefragt, warum ich das eigentlich gemacht habe. Ich hätte doch einfach kurz „Servus“ sagen können und wäre danach weitergegangen.

Ein paar Tage später habe ich ihn wieder gesehen. Diesmal haben wir uns ganz normal begrüßt und kurz geredet. Es war überhaupt nicht unangenehm. Genau das hat mich noch mehr darüber nachdenken lassen, warum ich beim ersten Mal lieber so getan habe, als hätte ich ihn nicht gesehen.

Warum macht man sowas?

Das ist mir danach öfter aufgefallen. Manchmal sehe ich jemanden, den ich kenne, und wenn ich gerade keine Lust auf ein Gespräch habe, tue ich so, als hätte ich ihn nicht gesehen. Obwohl die Person vielleicht genauso wenig Lust auf ein Gespräch hat.

Eigentlich ist es ja eine ziemlich komische Situation. Man kennt sich, sieht sich und entscheidet sich trotzdem bewusst dafür, so zu tun, als wäre die andere Person nicht da.

Vielleicht liegt es daran, dass man in dem Moment einfach seine Ruhe haben will. Wenn ich alleine unterwegs bin, habe ich manchmal keine Lust, stehen zu bleiben und ein Gespräch anzufangen. Gerade wenn ich in Gedanken bin oder schnell irgendwohin muss, kommt mir ein „Hallo“ schon wie eine kleine Verpflichtung vor.

Andererseits könnte ich auch einfach kurz Hallo sagen und weitergehen. Es dauert vielleicht fünf Sekunden.

Trotzdem fühlt es sich manchmal einfacher an, wegzuschauen.

Und was denkt die andere Person?

Das Interessante daran ist, dass ich eigentlich gar nicht weiß, was die andere Person in diesem Moment denkt. Vielleicht hat sie mich auch gesehen und denkt sich genau dasselbe. Vielleicht wollte sie selbst nicht reden und war sogar froh, dass ich nichts gesagt habe.

Oder sie denkt sich: „Warum ignoriert der mich?“

Genau das finde ich an solchen Situationen interessant. Man macht sich oft Gedanken darüber, wie man auf andere wirkt, obwohl man gar nicht wissen kann, was die andere Person wirklich denkt.

Seitdem mir das aufgefallen ist, achte ich mehr darauf. Wenn ich jemanden sehe, den ich kenne, überlege ich manchmal kurz, ob ich wirklich keine Lust auf ein Gespräch habe oder ob ich einfach nur nicht weiß, was ich sagen soll.

Vielleicht geht es also gar nicht darum, dass man die andere Person nicht sehen will. Manchmal will man einfach nur vermeiden, dass aus einem kurzen „Hallo“ plötzlich ein längeres Gespräch wird.

Und trotzdem ist es irgendwie lustig, wie viele Gedanken man sich wegen fünf Sekunden „Servus“ machen kann.




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