Ich stehe in der Küche, es ist später Nachmittag. Meine Schwester sagt irgendwas, ich weiß nicht mal mehr genau was. Irgendwas mit „Du hast das schon wieder nicht weggeräumt“. Eigentlich nichts Großes.
Ich antworte sofort. Ein bisschen zu schnell. „Stimmt doch gar nicht.“ Sie schaut mich an, sagt wieder was zurück. Und plötzlich sind wir mitten in einer Diskussion.
Streit mit meiner Schwester wird immer zu extrem
Ich merke, wie meine Stimme lauter wird. Wie ich anfange, Sachen aufzuzählen, die gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Thema zu tun haben. „Du machst das doch auch nie“, sag ich. In meinem Kopf weiß ich schon, dass das jetzt unnötig ist. Dass es eigentlich egal ist. Aber ich höre nicht auf.
Mit anderen Leuten würde ich das nicht so machen. In der Schule hätte ich wahrscheinlich einfach kurz genervt geschaut und es dabei gelassen. Aber bei ihr geht das nicht. Da wird aus einer Kleinigkeit sofort mehr.
Fünf Minuten später sitze ich wieder in meinem Zimmer. Es ist ruhig. Und ich denke mir: Warum eigentlich? Warum ist das gerade so eskaliert, obwohl es eigentlich um nichts ging?
Ich höre zu, aber bin nicht aufmerksam
Ich sitze mit jemandem draußen auf einer Bank. Es ist warm, man hört irgendwo Leute reden, ein Fahrrad fährt vorbei. Die Person erzählt mir etwas, schaut mich an, erwartet eine Reaktion. Ich nicke. „Ja“, sag ich. „Echt?“
Aber in meinem Kopf läuft was anderes. Ich denke darüber nach, was ich später noch machen muss. Oder was ich gleich antworten könnte. Ich bin schon halb bei mir selbst. Irgendwann hört die Person auf zu reden. Es entsteht diese kurze Pause. Und genau in dem Moment merke ich: Ich hab nicht alles mitbekommen.
Ein komisches Gefühl. So ein kurzer Stress im Kopf. Habe ich was Wichtiges verpasst? Ich sag trotzdem irgendwas, das halbwegs passt. Aber es fühlt sich nicht richtig an. Danach denke ich noch länger darüber nach. Warum höre ich nicht richtig zu, obwohl ich es eigentlich will? Und wie oft passiert mir das, ohne dass ich es merke?
Gedanken, die plötzlich viel zu groß werden
Ein paar Tage davor in der Schule. Ich erfahre, dass eine andere Klasse ihre Lateinschularbeit schon zurückbekommen hat. Einige aus meiner Klasse haben sie gesehen, aber sie zeigen sie uns nicht. In dem Moment passiert noch nicht viel. Aber später denke ich wieder daran. „Warum zeigen sie die nicht einfach?“ „Die andere Klasse hätte das sicher erlaubt.“
Ich erzähle es jemandem, dann noch jemandem. Jedes Mal rege ich mich ein bisschen mehr darüber auf. In meinem Kopf wird die Sache größer, wichtiger. Obwohl ich gleichzeitig weiß: Es ist nur eine Schularbeit.
Trotzdem komme ich nicht raus aus dem Gedanken. Es beschäftigt mich länger, als es eigentlich sollte. Erst später, als ein bisschen Zeit vergangen ist, wirkt alles plötzlich klein. Fast egal. Und genau das bleibt hängen: Wie schnell mein Kopf aus etwas Kleinem etwas Großes macht.
Was dahinter steckt
Diese drei Situationen haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Eine Diskussion, ein Gespräch, ein Gedanke. Aber irgendwie zeigen sie alle das Gleiche: Dass ich oft stärker reagiere, als ich eigentlich müsste. Dass ich Dinge weiter denke, als sie sind. Und dass ich manchmal gar nicht so bewusst handle, wie ich glaube.
Vielleicht geht es nicht nur mir so. Vielleicht passiert das vielen. Kleine Dinge werden größer, man hört nicht richtig zu oder verliert sich in Situationen. Was hängen bleibt, ist weniger die einzelne Situation, sondern eher die Frage dahinter:
Wie viel von dem, was wir jeden Tag denken und machen, passiert eigentlich automatisch? Und was würde sich ändern, wenn man es früher merkt?
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