Wenn ich in eine neue Stadt reise, suche ich nicht nur nach Sehenswürdigkeiten. Ich schaue auch, ob es dort interessante Secondhand-Läden gibt.
Mittlerweile habe ich aus mehreren Ländern ein Kleidungsstück mitgenommen. Aus Budapest, Stockholm, Granada und Prag ist jeweils etwas in meinem Koffer gelandet. Jedes Teil erinnert mich später an die Reise und ist gleichzeitig etwas, das nicht extra für mich neu produziert wurde.
Genau das gefällt mir an Secondhand. Die Kleidung hat schon eine Geschichte, bevor sie bei mir landet. Und manchmal ist es viel spannender, ein einzigartiges Teil zu finden, als in einem Geschäft fünf fast gleiche T-Shirts zu sehen.
In Wien habe ich meinen Lieblingsladen
Auch zu Hause kaufe ich gerne gebraucht. Wenn ich in Wien Kleidung suche, gehe ich am liebsten zu Humana in der Döblinger Hauptstraße.
Dort weiß ich nie genau, was ich finden werde. Genau das macht den Unterschied zu einem normalen Einkauf aus. Bei einer neuen Kollektion kann ich ungefähr einschätzen, welche Schnitte und Farben es gibt. Im Secondhand-Laden muss ich suchen.
Manchmal finde ich gar nichts. Manchmal entdecke ich plötzlich ein Teil, das ich überhaupt nicht gesucht habe und trotzdem unbedingt haben möchte.
Für mich macht genau dieses Suchen einen Teil des Reizes aus.
Secondhand ist nicht automatisch nachhaltig
Trotzdem würde ich nicht sagen, dass jedes Secondhand-Kleidungsstück automatisch nachhaltig ist.
Wenn ich zehn Sachen kaufe, nur weil sie billig sind, und die Hälfte davon nach kurzer Zeit nicht mehr trage, bringt mir der Secondhand-Stempel wenig.
Für mich kommt es deshalb darauf an, was ich kaufe und ob ich es wirklich tragen werde.
Das ist auch der Grund, warum ich nicht versuche, meinen gesamten Kleiderschrank nur mit Secondhand-Sachen zu füllen. Ich kaufe etwas, wenn es mir gefällt und ich weiß, dass ich es auch wirklich anziehen werde.
Warum kaufen wir überhaupt ständig neu?
Genau hier wird das Thema für unsere Generation interessant.
Auf TikTok und Instagram tauchen ständig neue Trends auf. Ein bestimmter Pullover oder eine bestimmte Hose ist plötzlich überall zu sehen. Kurz darauf kommt schon der nächste Trend.
Wenn man jedes Mal etwas Neues kaufen möchte, kann der Kleiderschrank ziemlich schnell wachsen.
Ich kenne das Gefühl selbst: Man sieht etwas online und denkt sich, dass man es unbedingt braucht. Gleichzeitig weiß man eigentlich, dass zu Hause schon genug Kleidung liegt.
Secondhand bietet für mich eine andere Möglichkeit. Ich muss nicht auf Mode verzichten. Ich kann meinen Stil ausprobieren, ohne jedes Mal nach der neuesten Kollektion zu suchen.
Mehr als nur ein Trend
Natürlich ist auch Secondhand selbst inzwischen ein Trend. Auf Social Media werden Vintage-Läden empfohlen, bestimmte Kleidungsstücke werden plötzlich gesucht und Secondhand-Plattformen sind längst Teil unseres Alltags.
Das finde ich nicht schlimm. Im Gegenteil: Wenn dadurch mehr Menschen gebrauchte Kleidung ausprobieren, kann daraus etwas Positives entstehen.
Für mich ist Secondhand aber mehr als ein Trend, weil es sich mit meinen persönlichen Erlebnissen verbindet.
Wenn ich ein Kleidungsstück aus Prag trage, denke ich nicht nur an das Kleidungsstück. Ich denke an die Reise. Bei einem Teil aus Stockholm ist es genauso.
So wird Kleidung für mich zu einer Erinnerung.
Ein anderes Verhältnis zu Kleidung
Vielleicht verändert genau das auch meinen Umgang mit Mode.
Wenn ich ein Teil aus einem Urlaub mitbringe, überlege ich genauer, ob es wirklich zu mir passt. Ich möchte schließlich nicht mit irgendeinem Kleidungsstück im Koffer nach Hause kommen, nur damit ich sagen kann, dass ich etwas gekauft habe.
Ich möchte etwas finden, das ich später noch gerne trage.
Dadurch bekommt Kleidung für mich einen anderen Wert. Sie ist nicht nur etwas, das man kauft, trägt und irgendwann wieder wegwirft.
Ein Pullover kann an eine Reise erinnern. Eine Jacke kann jahrelang im Schrank bleiben. Und ein Kleidungsstück aus einem Secondhand-Laden kann sogar besonderer sein als etwas, das gerade in jedem Geschäft hängt.
Vielleicht ist genau das der Punkt
Ich glaube deshalb nicht, dass nachhaltige Mode bedeutet, plötzlich alles richtig machen zu müssen.
Für mich beginnt sie viel einfacher: mit der Frage, ob ich etwas wirklich brauche und ob ich es lange tragen werde.
Secondhand passt für mich genau dazu. Ich kann meinen eigenen Stil haben, neue Sachen entdecken und gleichzeitig bereits vorhandene Kleidung weiterverwenden.
Und jedes Mal, wenn ich ein Teil aus Budapest, Stockholm, Granada oder Prag anziehe, habe ich noch einen anderen Grund, es nicht einfach wieder auszusortieren: Es erinnert mich an einen Ort, an dem ich selbst war.
Vielleicht ist Vintage deshalb für mich mehr als ein Trend. Nicht weil Secondhand automatisch perfekt nachhaltig ist, sondern weil Kleidung dadurch eine Geschichte bekommen kann.
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