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Warum schmeckt fremdes Essen besser?

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Leser · HtbluVA Villach
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04.09.2026
3 Min.

Manchmal schmeckt etwas bei anderen einfach besser. Ein Bissen vom Essen eines Freundes, ein Keks, den man angeboten bekommt, oder etwas, das man eigentlich gar nicht haben wollte. Kauft man sich genau dasselbe später selbst, ist die Begeisterung plötzlich weg. Aber warum eigentlich?

Essen schmeckt nicht nur nach dem, was auf dem Teller liegt – auch die Situation und der Moment können beeinflussen, wie wir es wahrnehmen. (Foto: Image by Vitaly Kobzun from Pixabay)

„Gib mir mal einen Keks.“ Diesen Satz habe ich wahrscheinlich schon hundertmal gesagt. Jemand hat etwas zu essen dabei, ich probiere davon und denke mir sofort: Das schmeckt richtig gut. Kaufe ich mir genau denselben Keks später selbst, ist er plötzlich irgendwie nichts Besonderes mehr.

Dabei liegt es wahrscheinlich gar nicht am Keks.

Mir ist das nämlich auch bei anderen Sachen aufgefallen. Wenn Freunde etwas bestellen und ich nur einen Bissen davon probiere, schmeckt es oft besser, als wenn ich mir genau dasselbe selbst bestelle. Und manchmal ist es gerade der Bissen, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat, der am besten schmeckt.

Wenn Erwartung auf Überraschung trifft

Wenn ich mir etwas selbst kaufe, ist die Sache ziemlich vorhersehbar. Ich sehe das Produkt im Supermarkt, entscheide mich dafür, bezahle es und nehme es mit nach Hause. Wenn ich dann die Packung aufmache, bekomme ich genau das, was ich erwartet habe.

Anders ist es, wenn mir jemand etwas anbietet. „Willst du mal probieren?“ Plötzlich kommt etwas, das ich gar nicht geplant hatte. Vielleicht sitzt man gerade mit Freunden zusammen, unterhält sich und bekommt nebenbei etwas zu essen. Der Geschmack wird dadurch mit der Situation verbunden.

Dass Erwartungen beeinflussen können, wie wir Geschmack wahrnehmen, ist auch wissenschaftlich bekannt. Piqueras-Fiszman und Spence fassen in einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2015 verschiedene Forschungsergebnisse dazu zusammen. Dabei wird deutlich, dass Erwartungen, die zum Beispiel durch die Verpackung oder andere Informationen über ein Lebensmittel entstehen, beeinflussen können, wie Menschen den Geschmack und die Qualität anschließend bewerten. Wir beurteilen Essen also nicht nur danach, was tatsächlich auf der Zunge ankommt, sondern auch danach, was unser Kopf vorher erwartet hat.

Um herauszufinden, ob das bei meinem Keks tatsächlich eine Rolle spielt, habe ich es mit fünf Freunden ausprobiert. Wir haben denselben Keks zweimal gegessen: Einmal habe ich ihn angeboten bekommen, ohne zu wissen, welchen Keks es gibt, und einmal habe ich genau denselben Keks selbst ausgewählt. Das Ergebnis war ziemlich eindeutig: Vier von fünf fanden den angebotenen Keks besser beziehungsweise interessanter, obwohl es exakt dasselbe Produkt war. Die Überraschung und die Situation schienen also tatsächlich einen Unterschied zu machen.

Nicht nur der Keks entscheidet

Das Essen selbst hat sich dabei natürlich nicht verändert. Die Zutaten sind dieselben und wahrscheinlich schmeckt der Keks sogar exakt gleich. Trotzdem nehmen wir ihn anders wahr.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum Essen im Urlaub oft besonders gut schmeckt. Zu Hause könnte man dasselbe Gericht essen, aber irgendwie fehlt etwas. Die Umgebung, die Menschen oder einfach die Tatsache, dass man gerade etwas Besonderes erlebt, spielen dabei eine Rolle.

Am Ende schmeckt Essen also vielleicht nicht nur nach dem, was auf dem Teller liegt. Auch der Moment, in dem wir es essen, beeinflusst, wie wir es wahrnehmen.

Vielleicht hat der Keks von meinem Freund deshalb gar nicht besser geschmeckt. Ich hatte einfach mehr Freude daran, weil ich ihn nicht erwartet habe.


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