ch gehe in die Küche. Eigentlich nicht einmal, weil ich richtig Hunger habe. Eher so nebenbei. Vielleicht weil mir langweilig ist, vielleicht weil ich gerade nicht weiß, was ich sonst machen soll. Ich ziehe die Kühlschranktür auf und schaue hinein, obwohl ich ziemlich genau weiß, was drin ist. Der Joghurt steht noch links. Die Trauben liegen unten im Fach. Irgendwo ist noch eine halbe Tafel Schokolade. Vielleicht auch irgendein Getränk, das ich schon vorhin gesehen habe.
Trotzdem schaue ich so hinein, als könnte mich diesmal plötzlich etwas ganz Neues erwarten. Mein Blick bleibt kurz an allem hängen. Vielleicht doch der Joghurt. Oder nein, eigentlich eher nicht. Die Trauben schauen zwar gut aus, aber auch nicht so, dass ich sie jetzt sofort essen will. Dann bleibt mein Blick wieder an der Schokolade hängen und für einen kurzen Moment denke ich, vielleicht einfach ein Stück davon.
Als hätte sich heimlich etwas verändert
Das Komische ist, dass ich oft gar nichts nehme. Ich stehe einfach nur da, schaue hinein, überlege kurz und mache den Kühlschrank wieder zu. Ein paar Minuten später passiert manchmal genau dasselbe nochmal. Nicht, weil sich in der Zwischenzeit etwas verändert hätte. Es liegt ja immer noch genau dasselbe drin. Und trotzdem gehe ich wieder hin, als hätte ich beim ersten Mal vielleicht etwas übersehen.
Gerade abends fällt mir das oft auf. Wenn es ruhig ist, ich schon in bequemen Sachen zuhause bin und nicht mehr viel passiert. Dann ist dieser Gang in die Küche fast schon eine eigene kleine Beschäftigung. Ich mache die Tür auf, lasse meinen Blick kurz durch alles wandern und merke eigentlich sofort, dass ich gar nicht wirklich Hunger habe. Ich suche eher nach etwas anderem. Vielleicht nach Ablenkung. Vielleicht nach einem kleinen guten Gefühl. Vielleicht einfach nach dem Gedanken, dass gerade doch noch irgendetwas passen könnte.
Der Kühlschrank als Abendprogramm
Genau das finde ich im Nachhinein fast interessanter als den Kühlschrank selbst. Es geht oft gar nicht darum, dass ich etwas essen will. Es geht mehr um dieses kurze Schauen. Dieses kleine Hoffen auf einen Impuls. Auf etwas, das mich anspricht. Als würde zwischen Joghurt, Trauben und Schokolade vielleicht doch noch genau das liegen, worauf ich gerade Lust habe, auch wenn ich tief drinnen längst weiß, dass dort nichts Neues auf mich wartet.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Beobachtung. Wie oft man im Alltag Dinge nicht macht, weil man sie wirklich braucht, sondern weil man für einen Moment etwas sucht, das die Leere füllt. Einen kleinen Reiz. Eine kurze Beschäftigung. Irgendetwas, das den Moment angenehmer macht. Bei mir zeigt sich das manchmal einfach daran, dass ich wieder vor dem offenen Kühlschrank stehe und hineinschaue, als hätte sich in den letzten zehn Minuten heimlich etwas verändert.
Hunger ist das nicht mehr
Eigentlich ist das eine winzige Szene. Aber gerade deshalb bleibt sie mir hängen. Weil sie ziemlich ehrlich zeigt, wie schnell man aus Langeweile, Gewohnheit oder innerer Unruhe etwas tut, das gar keinen richtigen Grund braucht. Und vielleicht geht es genau darum öfter. Nicht nur bei mir. Dass man nicht wirklich etwas sucht, aber trotzdem ständig schaut, ob nicht doch irgendwo etwas auf einen wartet.
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