Das Erste, was auffällt, ist die Schrift. Während ich im Deutschen mit 26 Buchstaben auskomme, benutzt Japanisch gleich drei Schriftsysteme. Zwei davon, Hiragana und Katakana, gehen noch ganz gut. Und dann kommen die Kanji. Das sind Schriftzeichen, die teilweise aussehen wie kleine Kunstwerke, aber leider absolut nicht erklären, wie sie zu lesen sind. Manche haben mehrere Bedeutungen, mehrere Aussprachen oder beides. Motivationstest bestanden.
Wer anfängt, Hiragana und Katakana zu lernen, denkt noch: Okay, das geht ja eigentlich. Allerdings haben beide jeweils 46 Zeichen. Bedeutet: Japanisch hat erstmal ein „Alphabet“ mit 92 Buchstaben. Schon einiges an Arbeit, sich 92 Zeichen zu merken, aber es ist machbar.
Vor allem Katakana ist ziemlich cool, nämlich das Alphabet für Fremdwörter. Heißt: Man kann tatsächlich verstehen, was man da liest.
Hier ein paar Beispiele:
コーヒー (kōhī , coffee)
ケーキ (kēki , cake)
レストラン (resutoran , restaurant)
Die Kaniji als schwierige Hürde
Man fühlt sich kurz sehr schlau. Doch dann kommen die Kanji. Kanji bedeutet nichts anderes als „chinesische Zeichen“ und genau das sind sie auch. Als ich angefangen habe, dachte ich noch: „Das wird schon. So wie Hiragana und Katakana, halt ein bisschen mehr.“ Ach, wie naiv ich doch war. Dieser Gedanke drängt sich auf.
2136 Kanji sind nämlich das Minimum, das man können muss. Minimum. Zur Sicherheit gibt es aber insgesamt etwa 50.000 Kanji. Man weiß ja nie. Und diese Kanji sind auch nicht gerade freundlich beim Lesen. Hier ein Beispiel mit einem der häufigsten Kanji überhaupt:
日
Dieses Kanji kann wie folgt gelesen werden: hi, nichi oder ji. Drei verschiedene Lesarten für einen einzelnen „Buchstaben“. Und was bedeutet es? Ganz simpel: Sonne, Tag oder Japan.
Leider stehen Kanji fast nie alleine, sonst wäre es ja zu leicht. Hier eine kurze Aufgabe für dich: Was könnte dieses Wort bedeuten?
日程
Wer gut aufgepasst hat, erkennt das 日 und denkt sich: „Okay, irgendwas mit Sonne, Tag oder Japan.“ Tatsächlich heißt es aber Zeitplan. Denn die eigentliche Bedeutung der Kanji ist ziemlich egal, sobald sie mit anderen Kanji kombiniert sind.
Also wie findet man die Bedeutung raus? Gar nicht. Zumindest fast gar nicht. Manche Wörter kann man sich herleiten, aber den Großteil muss man tatsächlich einfach auswendig lernen. Viel Spaß.
Die Aussprache
Grundsätzlich ist die Aussprache nicht sehr schwierig. Es gibt ein paar fremd klingende Laute, aber insgesamt kommt man ganz gut klar. Doch leider gibt es da noch den sogenannten 高低アクセント (High-and-Low-Accent), auf Deutsch: Tonhöhenakzent.
Das ist ein System aus hohen und tiefen Tonmustern innerhalb eines Wortes, das die Bedeutung verändern kann. Und ja, das ist genauso nervig, wie es klingt.
Zum Beispiel kann das Wort 神 (kami) je nach Betonung „Gott“, „Haare“ oder sogar „Papier“ bedeuten. Wenn man in einen Schrein geht, sollte man also wirklich darauf achten, dass man die Götter anbetet und nicht aus Versehen Haare oder Papier.
„Essstäbchen“, „Brücke“ oder „Ende“
Ein weiteres schönes Beispiel ist 箸 (hashi). Das kann „Essstäbchen“, „Brücke“ oder „Ende“ heißen. Da kann man im Restaurant schon mal aus Versehen fragen, ob man ein oder zwei Brücken haben könnte.
Am Ende klingt das alles erstmal ziemlich blöd. Viel zu viele Schriftzeichen, tausend Aussprachen, Wörter, die je nach Betonung plötzlich etwas komplett anderes bedeuten, und ein Schriftsystem, das einen regelmäßig an seinen Lebensentscheidungen zweifeln lässt. Und ja, manchmal ist es auch einfach nur frustrierend.
Aber sobald man anfängt, wirklich Dinge zu verstehen, wird es richtig cool. Wenn man plötzlich ein Schild lesen kann, ein Wort in einem Anime erkennt oder sogar den ein oder anderen Manga auf Japanisch versteht, fühlt man sich wie ein Genie. Auch wenn es nur ein Satz ist. Oder ein Wort. Egal, es zählt.
Außerdem ist Japanisch ziemlich nützlich, wenn man mal nach Japan reisen möchte. Viele Japaner können zwar Englisch, sind sich dabei aber oft unsicher oder trauen sich einfach nicht so richtig, es zu sprechen. Wenn man dann wenigstens ein bisschen Japanisch kann, kommt man viel leichter weiter, und bekommt manchmal sogar ein extra freundliches Lächeln dazu.
Also ja, Japanisch lernen ist anstrengend, verwirrend und manchmal einfach unfair. Aber genau das macht es irgendwie auch spannend. Und am Ende lohnt es sich dann doch. Meistens zumindest.
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