„Warum gibt es Feminismus überhaupt, wenn Frauen und Männer sowieso gleichbehandelt werden?“
Wenn wir so eine Frage stellen, stellt sich eine neue: Sprechen wir von den Frauen, die in Afghanistan voller Freude über ihre Rechte auf den Straßen tanzen? Ah, stimmt! Das dürfen sie ja gar nicht. Na dann sprechen wir bestimmt von Österreich, wo Frauen genau gleichberechtigt sind wie Männer. Obwohl, haben wir hier nicht sogar eine Gender-Pay-Gap von fast 20 Prozent? Also ist die Frage eigentlich nicht „Warum gibt es Feminismus heutzutage noch?“, sondern „Warum gibt es Leute, die denken, dass Feminismus nicht mehr wichtig wäre, nur weil in manchen Ländern Frauen nahezu gleichberechtigt sind wie Männer?“
Gleichberechtigung ist nicht übertrieben
In der heutigen Zeit mit Social Media ist Feminismus zumindest jedem ein Begriff. Das heißt aber nicht, dass wir uns alle von den Influencern und Influencerinnen überzeugen lassen, die sich für dieses Thema einsetzen. Ganz im Gegenteil: Der „Feministen-Hass“ steigt von Jahr zu Jahr und von Video zu Video an. Die meisten Gegenargumente dazu, sich für Frauen einzusetzen, die in der Gesellschaft nachweislich schlechter behandelt werden, werden meist damit begründet, dass „schon so viel getan wurde“ und dass „so ein Verhalten total übertrieben ist“. Aber was ist daran übertrieben, dafür sorgen zu wollen, dass ein Mensch die gleichen Rechte wie ein anderer Mensch hat? Das Patriarchat soll wohl weitergeführt werden! Frauen sollen wieder in die Küche! Und Männer zur Armee! Zu altmodisch? Dann bezahlen wir Frauen gefälligst gleich viel wie Männern, wenn sie schon den gleichen Job ausüben.
Women Peace and Security Index
Egal ob in Österreich, Amerika, Syrien oder Jemen: Frauen werden schlecht behandelt. Natürlich geht es manchen Frauen „schlechter“ als anderen. Da differenzieren wir zum Beispiel zwischen einer Frau, die nach dem Mutterschaftsurlaub mit weniger Arbeitserfahrung eingestuft wird, und einer Frau, die gegen ihren Willen brutal beschnitten wird. Dennoch: Immer sind es Frauen. Es gibt kein Land, in dem Männer benachteiligt werden. Es gibt kein Land, in dem Männer keine Rechte haben. Es gibt kein Land, in dem legale Gewalt gegen Männer ausgeübt wird. Die gefährlichsten Länder der Welt für Frauen sind Afghanistan und Jemen. In diesen liegt der Women Peace and Security Index, der mithilfe einer Skala von 0 (am gefährlichsten) bis 1 (am sichersten) angegeben wird, bei circa 0,29. Und wer ist in diesen Ländern an der Macht? Männer. Männer, die Frauen unterdrücken. Gruppen von Männern, die gegen Frauen kämpfen (in Afghanistan die Taliban und im Jemen die Huthi-Rebellen). Nicht alle Männer, aber wenn, dann Männer.
Frauen und Männer als Menschen
Wenn wir sagen, Feminismus sei übertrieben, bedeutet das also, dass wir finden, Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen sei nicht notwendig und es sei okay, die Menschenrechte von Frauen zu verletzen – die gleichen Menschenrechte, die auch für Männer gelten. Ein Mensch ist ein Mensch. Da sollten wir nicht nach Geschlechtern differenzieren, wenn es um Rechte geht. Männer werden nicht unterdrückt, Frauen schon. Also: Aufstehen, die eigene Stimme nutzen und sich für Bedürftige einsetzen – als Frau und auch als Mann.
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