Warum fasziniert uns das Böse? Ich habe einen Verdacht..

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Volontärin · GRG10 Laaerberg Gymnasium
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24.09.2026
5 Min.

True Crime fasziniert Millionen Menschen. Auch ich höre Podcasts und schaue Serien über echte Verbrechen. Was genau macht diese Geschichten so faszinierend und wo liegt die Grenze zwischen Interesse, Spannung und Respekt gegenüber den Opfern?

 

True Crime fasziniert viele. Mich auch. (Foto: Unsplash; Veer Mickey Shah)

Kendra Hatcher steigt aus ihrem Auto und geht auf ihr Apartment zu. Sie ist gerade von der Arbeit gekommen und ahnt nicht, dass jemand bereits auf sie wartet. Wenige Augenblicke später wird die 35-jährige Zahnärztin erschossen. Ich höre diese Geschichte gerade im True-Crime-Podcast Rotten Mango und merke, wie mich der Fall immer mehr beschäftigt.

Hinter dem Mord steckt laut den Ermittlern eine Geschichte aus Eifersucht und einer komplizierten Beziehung. Kendra hatte eine Beziehung mit einem Mann namens Richard. Dessen Ex-Freundin Brenda Delgado soll große Probleme damit gehabt haben, dass er eine neue Partnerin hatte. Laut den Ermittlern entwickelte sich daraus schließlich ein Plan, Kendra töten zu lassen. Für die Tat wurde Kristopher Love angeworben, während Crystal Cortés ihn zum Tatort fuhr.

Besonders erschreckend finde ich daran nicht nur die Tat selbst, sondern vor allem den Grund, der dahinter gestanden haben soll. Es ging nicht um einen unbekannten Konflikt zwischen Fremden, sondern um Eifersucht und eine Beziehung. Ich frage mich, wie aus solchen Gefühlen der Wunsch entstehen kann, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen. Gleichzeitig muss ich daran denken, dass Kendra Hatcher kein Charakter aus einem Kriminalfilm war. Sie war ein echter Mensch mit einem eigenen Leben, einer Familie und einem Beruf.

Genau dieser Gedanke geht mir während der Folge immer wieder durch den Kopf. Einerseits will ich unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht und wie die Ermittler herausfinden konnten, wer beteiligt war. Andererseits finde ich es komisch, dass mich das Schicksal eines echten Menschen so sehr unterhalten und interessieren kann. Schließlich war das für Kendra Hatcher keine spannende Geschichte, sondern Realität.

Dadurch bin ich zu einer Frage gekommen, die ich interessant finde: Warum faszinieren uns echte Verbrechen eigentlich so sehr, obwohl wir wissen, dass hinter diesen Geschichten echte Opfer und echte Schicksale stehen?

Was macht True Crime so spannend?

Meiner Meinung nach liegt ein wichtiger Grund darin, dass True Crime nicht einfach nur eine spannende Geschichte erzählt. Man weiß, dass das, was man hört oder sieht, tatsächlich passiert ist. Bei einem normalen Kriminalfilm kann man sich immer sagen, dass die Handlung erfunden wurde. Bei True Crime ist das anders. Wenn ich eine solche Geschichte höre, denke ich nicht nur: „Das ist spannend“, sondern auch: „Das ist wirklich passiert.“

Genau dieser Unterschied hat mich bei dem Fall von Kendra Hatcher besonders beschäftigt. Je mehr ich über den Fall erfahren habe, desto stärker wurde mir bewusst, dass die Ereignisse nicht einfach Teil einer erfundenen Handlung waren. Dadurch wirkt die Geschichte für mich anders als ein normaler Kriminalfilm.

Außerdem versucht True Crime meistens nicht nur zu zeigen, was passiert ist. Man erfährt auch viel über die beteiligten Personen, die Ermittlungen und die möglichen Hintergründe der Tat. Was bringt einen Menschen dazu, einem anderen Menschen etwas anzutun? Und kann man verstehen, wie es zu einer solchen Tat kommt, ohne sie dadurch zu entschuldigen?

Auch Studien versuchen zu untersuchen, warum Menschen True Crime konsumieren. Eine Studie der Universität Graz aus dem Jahr 2025 beschäftigte sich unter anderem mit den Motiven hinter dem Interesse an True Crime. Dabei spielten unter anderem Neugier, Spannung und das Interesse an Sicherheit und möglichen Gefahren eine Rolle. Die Untersuchung stellte außerdem Unterschiede zwischen den Geschlechtern beim True-Crime-Konsum fest.

Das passt teilweise zu meiner eigenen Beobachtung. In meinem Umfeld kenne ich besonders viele Mädchen, die True Crime schauen oder hören. Bei Jungen fällt mir dieses Interesse weniger auf. Natürlich bedeutet das nicht, dass Jungen kein True Crime mögen oder dass alle Mädchen daran interessiert sind. Trotzdem finde ich es interessant, dass meine persönliche Beobachtung in eine ähnliche Richtung geht wie die Ergebnisse der Studie.

Warum beschäftigen uns echte Verbrechen?

Ein weiterer Grund könnte sein, dass True Crime nicht nur unterhält, sondern uns auch über mögliche Gefahren nachdenken lässt. Wenn ich mehrere Geschichten über echte Verbrechen höre, denke ich manchmal darüber nach, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalten würde. Ich frage mich zum Beispiel, ob ich bestimmte Warnsignale erkennen würde oder wie ich in einer gefährlichen Situation reagieren könnte.

Auch in Untersuchungen zum Thema True Crime wird beschrieben, dass manche Menschen durch solche Inhalte stärker über ihre eigene Sicherheit nachdenken. Das kann einerseits hilfreich sein, weil man dadurch vielleicht aufmerksamer wird. Andererseits darf man meiner Meinung nach nicht vergessen, dass True Crime häufig außergewöhnliche und besonders schwere Fälle zeigt. Wenn man ständig solche Geschichten hört, kann dadurch leicht der Eindruck entstehen, dass gefährliche Situationen viel häufiger vorkommen, als sie tatsächlich vorkommen.

Bei mir hat der Fall von Kendra Hatcher vor allem dazu geführt, dass ich stärker darüber nachgedacht habe, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Situation wahrnehmen können. Die Vorstellung, dass Eifersucht und eine verzerrte Wahrnehmung einer Beziehung zu einer so schweren Tat beitragen können, fand ich besonders erschreckend. Gleichzeitig ist mir bewusst geworden, dass ich einen solchen Fall immer nur aus der Perspektive einer erzählten Geschichte kennenlerne.

Wo liegt die Grenze zwischen Interesse und Respekt?

Genau hier stellt sich für mich die wichtigste Frage: Wo liegt die Grenze zwischen Interesse und Respektlosigkeit?

Ich verstehe, warum Menschen True Crime spannend finden. Bei mir selbst entsteht dieses Interesse schließlich auch. Man möchte wissen, was passiert ist, warum es passiert ist und wie die Ermittlungen verlaufen sind. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass die Opfer keine Figuren aus einem Film sind. Sie hatten Familien, Freunde, Wünsche und ein eigenes Leben.

Gerade bei dem Fall, den ich gehört habe, musste ich deshalb darüber nachdenken, wie aus dem Schicksal eines echten Menschen Unterhaltung werden kann. Einerseits finde ich es interessant, mehr über einen solchen Fall zu erfahren. Andererseits sollte man nicht vergessen, dass für die betroffenen Familien die Geschichte nicht einfach eine spannende Folge ist.

Deshalb finde ich, dass es einen Unterschied macht, wie man True Crime konsumiert. Wenn man sich nur für den Schock oder die spektakulärsten Details interessiert, kann das schnell respektlos gegenüber den Betroffenen wirken. Wenn man sich dagegen mit den Hintergründen beschäftigt und dabei nicht vergisst, dass echte Menschen betroffen waren, kann man sich meiner Meinung nach bewusster mit solchen Fällen auseinandersetzen.

Fazit

True Crime fasziniert mich vor allem, weil die Geschichten wirklich passiert sind. Bei dem Fall von Kendra Hatcher habe ich nicht nur ihre Geschichte gehört, sondern auch Interviews, ihre Stimme, Fotos und Gespräche beziehungsweise Aufnahmen aus den Ermittlungen gehört. Dazu kamen viele kleine Details, zum Beispiel, was sie an dem Tag noch machen oder essen wollte und wohin sie gehen wollte. Dadurch konnte ich mir viel besser vorstellen, dass sie einfach ein ganz normales Leben hatte.

Genau das finde ich gleichzeitig spannend und erschreckend. Man möchte verstehen, was passiert ist und warum, aber gleichzeitig wird einem immer wieder bewusst, dass hinter all diesen Details ein echter Mensch steht. Für mich gehört deshalb zu True Crime nicht nur Neugier, sondern auch Respekt.

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