Fahre ich mit meiner Familie für ein Wochenende aus Sofia heraus, fällt mir bei der Rückkehr in die Hauptstadt immer wieder der blasse, leicht gräuliche Himmel auf, der scheinbar seine Farbe verloren hat. Doch diese Luftverschmutzung nehme nicht nur ich wahr, sondern auch viele andere Menschen im ganzen Land. Die Luft in Bulgarien gilt als eine der am stärksten verschmutzten in der EU. Doch woran liegt das?
Die Ursachen
Alte Autos. Alte Fahrzeuge sind einer der größten Faktoren für die Luftverschmutzung. Viele Bulgaren fahren noch ihre älteren Dieselfahrzeuge, die deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen als moderne Autos. Oft fehlen ihnen zeitgemäße Filtersysteme, wodurch mehr Abgase in die Atmosphäre gelangen, die nur schwierig zu beseitigen sind.
Ungeeignetes Heizen. Auch die Art des Heizens spielt eine wichtige Rolle. Viele bulgarische Haushalte nutzen im Winter günstige Kohle oder feuchtes Holz als Brennstoff. Dadurch kommt es zu einer unvollständigen Verbrennung, bei der große Mengen an Feinstaub und Rußpartikeln entstehen. Diese können lange in der Luft verbleiben und die Luftqualität erheblich verschlechtern.
Der „Bauboom“. Dies ist ein ziemlich aktueller Begriff besonders in Städten wie Sofia, Plovdiv und den Top-Kurorten an der Schwarzseeküste (z.B. Pomorie, Goldstrand usw.). Damit ist die riesige Anzahl an Neubauten gemeint, die an sich umweltschonend sind und nach strengen Vorgaben der EU verlaufen. Doch trotzdem ist bei solchen Bauten der Baustellenstaub unumgänglich.
Die Gefahren und die Maßnahmen
Wie ihr es euch schon denken könnt, könnte eine solche Luftverschmutzung riesige Gefahren für die menschliche Gesundheit mit sich bringen, wenn keine Maßnahmen rechtzeitig ergriffen werden. Unsaubere Luft könnte im schlimmsten Falle sogar zu vorzeitigen Tod führen.
Was die Maßnahmen betrifft – diese gibt es, aber die Dinge ändern sich nur langsam. Zurzeit wird der Verkauf minderwertiger Heizrohstoffe strenger kontrolliert und teilweise gesetzlich eingeschränkt. Zudem investieren die am stärksten betroffenen Großstädte Bulgariens über das EU-finanzierte Großprojekt LIFE-IP Clean Air Millionen, um tausende Haushalte kostenlos von alten Kohle- und Holzöfen auf moderne Alternativvarianten umzurüsten.
Hoffnung auf bessere Luft
Diese Maßnahmen dürften langfristig einen positiven Einfluss auf die Luftqualität in Bulgarien haben. Für viele Menschen sind die Verbesserungen bislang jedoch noch nicht deutlich spürbar. Ich persönlich kann nur schwer beurteilen, ob und in welchem Ausmaß sich die Luft in Sofia bereits verbessert hat. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Luftverschmutzung in manchen Stadtteilen nicht immer unmittelbar wahrnehmbar ist – auch wenn die Messwerte häufig etwas anderes zeigen.
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