Viele verbinden das Burgenland automatisch mit dem bunten Treiben am Podersdorfer Leuchtturm oder vollen Kellergassen im Südburgenland. Wer jedoch an einem windigen Nachmittag auf dem knirschenden Schotterweg zwischen den Flachwasserlacken bei Illmitz steht, landet in einer ganz eigenen Welt. Der Blick wandert ungehindert kilometerweit über das flache Land, ohne dass auch nur ein einziger Hügel die Sicht versperrt.
Das Knirschen des Schotters und der Duft von Salz
Schon die ersten Meter auf dem Fahrrad führen raus aus den ausgetretenen Touristenpfaden. Der Seewinkel riecht anders als der Rest Österreichs: Eine Mischung aus leicht salziger Luft, trockenem Steppengras und feuchter Erde liegt in der Nase. An den flachen Lacken, die im Spätsommer teilweise austrocknen und weiße Salzränder hinterlassen, herrscht eine faszinierende Ruhe.
Statt lauter Gastronomie oder Souvenirbuden dominieren hier die Geräusche der Natur. Holzstiegen führen auf hölzerne Aussichtstürme, von denen aus der gesamte Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel überblickt werden kann. Mit einem Fernglas ausgerüstet lassen sich Graugänse, Silberreiher und manchmal sogar die seltenen Barockesel beobachten, die auf den weitläufigen Weiden grasen.
Warum dieser Ort eine Entdeckung ist
Das Besondere an dieser Landschaft liegt in ihrer Schlichtheit. Hier gibt es keine spektakulären Bergketten oder reißenden Wasserfälle, die auf Fotos sofort nach Aufmerksamkeit schreien. Die Schönheit des Seewinkels erschließt sich erst auf den zweiten Blick, durch das ständige Wechselspiel von Licht und Wolken über dem tiefen Horizont.
Mehr Menschen sollten diesen Landstrich kennenlernen, weil er eine seltene Art von Gelassenheit ausstrahlt. In einer Welt, in der fast jeder Winkel durchgestylt und auf Unterhaltung getrimmt ist, wirkt die Steppenlandschaft angenehm roh und unverstellt. Ein paar Stunden im Seewinkel reichen völlig aus, um den Kopf durchzulüften und die eigene Wahrnehmung wieder auf die wesentlichen Dinge einzupendeln.
Mit roten Wangen zurück nach Hause
Wenn der Nachmittag langsam in den Abend übergeht und die Sonne das riesige Schilfmeer in goldrotes Licht taucht, kühlt der Wind spürbar ab. Die Kälte zieht langsam durch die Jacke, aber das Gefühl im Kopf ist völlig ausgewechselt.
Der Weg zurück führt vorbei an den kleinen Picknickplätzen entlang des Radwegs. Mit roten Wangen, windzerzausten Haaren und dem Geräusch raschelnden Schilfs im Ohr tritt die Heimreise an. Genau diese Kombination aus Weite, Stille und frischer Luft macht die Lacken bei Illmitz zu einem Ort, an den die Rückkehr garantiert ist.
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