Ich sitze in der Fahrschule Rainer, vor mir liegen die Unterlagen, auf dem Bildschirm laufen Verkehrszeichen. Ich lerne, wann ich Vorrang geben muss und wie ich mich im Wiener Verkehr richtig verhalte. Gleichzeitig stelle ich mir vor, wie es sein wird, irgendwann alleine durch Wien zu fahren. Kein Fragen, ob mich jemand bringen kann, kein angewiesen sein auf andere. Für mich steht der Führerschein vor allem für Freiheit.
Dann schaue ich auf die Rechnung. Rund 1.550 Euro kommen bei mir für den Führerschein insgesamt zusammen, inklusive Erste Hilfe Kurs, ärztlicher Untersuchung und Prüfungen. Meine Eltern übernehmen diese Rechnung nicht für mich. Ich zahle den Führerschein selbst. Dadurch fühlt sich jede zusätzliche Ausgabe anders an. 1.550 Euro sind für mich keine Zahl auf einer Rechnung, die nach ein paar Tagen vergessen ist. Das Geld muss zuerst da sein.
Wer beispielsweise jeden Monat 100 Euro für den Führerschein zurücklegen kann, müsste allein für diesen Betrag über 15 Monate sparen. Genau dort verändert sich die Bedeutung des Führerscheins: Aus Vorfreude auf das erste eigene Losfahren wird plötzlich auch die Frage, wie viel Freiheit wir uns leisten können.
Elias würde gerne fahren, wartet aber
Mein Klassenkamerad Elias, 17, kennt diesen Gedanken. „Ich würde ihn schon gerne machen, aber momentan ist er einfach zu teuer“, sagt er. Für ihn bleibt der Führerschein etwas, das er haben möchte. Der Preis steht diesem Wunsch momentan im Weg. Damit erleben wir dieselbe Sache unterschiedlich: Ich habe mich entschieden, die Kosten selbst zu übernehmen und das Geld dafür auszugeben. Elias wartet lieber noch. Für andere Jugendliche übernehmen vielleicht die Eltern einen Teil oder die gesamte Rechnung. Diese Unterschiede bestimmen mit, wann jemand mit der Ausbildung beginnen kann.
1.565 Euro im Durchschnitt
Meine rund 1.550 Euro liegen ziemlich nah an einem aktuellen Preisvergleich der Arbeiterkammer Oberösterreich. Dort kostete die duale B Ausbildung, also das Modell mit privaten Übungsfahrten wie bei B mit L, im Juni 2026 durchschnittlich 1.565 Euro. Je nach Fahrschule lag der Preis zwischen 1.260 und 1.759 Euro. Das sind zwar Werte aus Oberösterreich und keine Wiener Durchschnittspreise, sie zeigen aber die Größenordnung. In Wien unterscheiden sich die angebotenen Pakete ebenfalls stark. Außerdem ist wichtig, was im jeweiligen Preis enthalten ist. Prüfungen, Arzt, Erste Hilfe Kurs oder Verwaltungsgebühren können bei manchen Angeboten zusätzlich verrechnet werden. Bei meinen rund 1.550 Euro habe ich diese Kosten bereits mitgerechnet.
Wer selbst zahlt, schaut anders auf jede Fahrstunde
Weil ich meinen Führerschein selbst bezahle, denke ich über die Kosten anders nach. Eine Fahrstunde ist für mich nicht einfach ein weiterer Termin im Kalender. Hinter jeder Ausgabe steckt Geld, das danach für andere Dinge fehlt. Gleichzeitig möchte ich auch nicht bei der Ausbildung sparen und am Ende schlechter vorbereitet zur Prüfung antreten. Daraus entsteht ein unangenehmer Gegensatz: Wir sollen genügend üben, sicher fahren lernen und uns Zeit lassen, gleichzeitig kann jede zusätzliche Stunde die Rechnung erhöhen.
In Wien ist der Führerschein Wunsch, anderswo oft Voraussetzung
Ich lebe in Wien. Mit U Bahn, Straßenbahn und Bus komme ich im Alltag fast überall hin. Ich brauche den Führerschein also nicht, um morgens überhaupt zur Schule oder Arbeit zu kommen. Trotzdem möchte ich ihn machen, weil er mir Unabhängigkeit gibt. Für Jugendliche außerhalb großer Städte kann der Druck viel größer sein. Wenn die letzte Busverbindung früh fährt oder ein Ausbildungsplatz schlecht erreichbar ist, kann ein Führerschein darüber entscheiden, welche Schule, Lehrstelle oder welcher Job überhaupt infrage kommt. Dann geht es bei 1.500 oder 2.000 Euro nicht nur um einen persönlichen Wunsch, sondern um Möglichkeiten.
Nach der Prüfung wird Autofahren weiter Geld kosten
Mit der bestandenen Fahrprüfung endet die finanzielle Seite außerdem nicht. Wer später ein eigenes Auto möchte, braucht Geld für Versicherung, Treibstoff, Service, Reifen und Reparaturen. Auch nach dem B Führerschein folgen verpflichtende Schritte der Mehrphasenausbildung. Der Führerschein ist damit nur der Eintritt in eine Form der Mobilität, die laufend Geld kostet. Trotzdem freue ich mich auf ihn. Wenn ich während einer Fahrstunde durch Wien fahre, denke ich kaum darüber nach, wie eine Versicherungsrechnung irgendwann aussehen könnte. Ich konzentriere mich darauf, sicher durch die nächste Kreuzung zu kommen.
Wenn ich zum ersten Mal alleine losfahre
Noch sitze ich in der Fahrschule Rainer und lerne für die Prüfung. Vor mir liegen Verkehrsregeln und hinter mir stehen rund 1.550 Euro, die ich selbst bezahle. Ich weiß deshalb ziemlich gut, welchen finanziellen Wert dieser Führerschein für mich hat.
Wenn ich ihn irgendwann in der Tasche habe und zum ersten Mal ohne Fahrlehrer oder Begleitperson ins Auto steige, werde ich wahrscheinlich nicht zuerst an diese Rechnung denken. Ich werde den Motor starten und alleine losfahren.
Vielleicht fühlt sich diese Freiheit gerade deshalb so besonders an, weil ich inzwischen weiß, was sie mich gekostet hat.
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