Lernen wir fürs Leben oder doch nur für Prüfungen?

Wofür lernen wir das alles überhaupt? Das fragen sich die meisten von uns jeden Tag aufs Neue. Warum das Schulsystem dringend ein Update braucht.

Respekt und Gemeinschaftsgeist sollten ebenfalls gelehrt werden. (Foto: pixabay)

Wir stecken noch immer in einem veralteten Schulsystem fest. Der Aufbau von Schule und Unterricht ist vielerorts noch stark am letzten Jahrhundert orientiert. Alle SchülerInnen werden weitgehend gleich ausgebildet, und häufig wird vor allem auf Prüfungen hingelernt.

Statt Inhalte auswendig zu lernen, deren Sinn sich vielen SchülerInnen nicht erschließt, sollten praktische Fähigkeiten und selbstständiges Denken stärker gefördert werden. Auch das Bewertungssystem wirkt nicht mehr zeitgemäß. Jeder Mensch hat unterschiedliche Stärken in verschiedenen Bereichen, weshalb es nicht unbedingt gerecht ist, alle nach genau demselben Maßstab zu beurteilen.

Lehrer:innen könnten beispielsweise die persönliche Entwicklung der Schüler:innen stärker berücksichtigen. Ebenso wäre es sinnvoll, unterschiedliche Leistungen wie Tests, mündliche Mitarbeit, praktische Arbeiten oder Projekte einzubeziehen, was an einigen Schulen bereits teilweise umgesetzt wird.

Wir müssen besser werden

Eine fundierte Allgemeinbildung ist selbstverständlich wichtig, und nicht alles, was wir in der Schule lernen, ist unnötig. Dennoch stellt sich die Frage, warum so viel Energie in Fächer und Themen investiert wird, für die viele Schüler:innen kaum Interesse aufbringen, während gleichzeitig immer wieder betont wird, dass die Stärken und Interessen von Kindern gefördert werden sollen.

Internationale Vergleiche zeigen deutlich, dass Verbesserungsbedarf besteht. Bei den sogenannten PISA-Studien wird sichtbar, dass Schulsysteme in anderen Teilen der Welt oft bessere Ergebnisse erzielen und effektivere Entwicklungen aufweisen als etwa Österreich oder Deutschland. Diese Länder bewegen sich meist nur im Mittelfeld, während Staaten wie Estland, Finnland, Kanada, Japan und Südkorea regelmäßig zu den Spitzenreitern zählen.

Ein Blick auf diese erfolgreichen Schulsysteme zeigt mögliche Alternativen. In Finnland gibt es beispielsweise keine standardisierten Tests, und Lehrkräfte können den Unterricht flexibel anpassen. Zudem besteht Chancengleichheit, da es keine privaten Schulen gibt und alle Kinder denselben Zugang zu Bildung haben.

Vorbild Japan

In Japan lernen Kinder früh Respekt und Teamarbeit, außerdem werden moderne Technologien gezielt im Unterricht eingesetzt, um diesen interaktiver und effektiver zu gestalten. Disziplin und hohe Leistungsstandards spielen dabei jedoch eine wichtige Rolle. Kanada gilt als eines der inklusivsten Schulsysteme der Welt. Dort wird stark in Bildung investiert, was sich positiv auf die Qualität der Ausbildung auswirkt. Zudem werden Mehrsprachigkeit und Diversität gezielt gefördert.

Obwohl im österreichischen Schulsystem Problemlösung grundsätzlich vorgesehen ist, liegt der Fokus für viele Schüler:innen noch immer stark auf dem Auswendiglernen von Fakten. Ein moderneres Schulsystem könnte den Schwerpunkt stärker auf aktives Denken und Anwenden legen. Das würde bedeuten, dass Schüler:innen selbst nach Lösungen suchen, Aufgaben reflektieren und ihr Wissen praktisch einsetzen, anstatt Inhalte nur zu reproduzieren.

Natürlich lässt sich ein Schulsystem nicht von einem Tag auf den anderen verändern. Dennoch gibt es viele Ansatzpunkte für Verbesserungen. Der Vergleich mit anderen Ländern zeigt deutlich, dass alternative Modelle erfolgreich sein können. Deshalb ist es notwendig, dass die für das Bildungssystem verantwortlichen Personen nicht nur Kritik äußern, sondern auch konkrete Schritte setzen, damit sich im österreichischen Schulsystem langfristig wirklich etwas verändert.



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