Wann ist mein kleiner Bruder eigentlich so groß geworden?

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Volontärin · BRG Kufstein
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03.06.2026
2 Min.

Mein kleiner Bruder ist vor Kurzem fünf Jahre alt geworden. Eigentlich komisch, ihn überhaupt noch „klein“ zu nennen. Zwischen uns liegen elf Jahre Altersunterschied, und in meinem Kopf ist er oft noch das Baby von damals. Doch im Alltag gibt es immer mehr Momente, in denen mir auffällt: So klein ist er eigentlich gar nicht mehr.

Kleine Hand in meiner Hand: Ein Foto von einst, das mir zeigt, wie schnell die Zeit vergeht. (Foto: Daniah Al Mashhadani )

Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, halte ich oft seine Hand. Früher war sie winzig. Seine Finger verschwanden beinahe in meiner Handfläche, und ich hatte immer das Gefühl, besonders vorsichtig sein zu müssen. Heute fühlt sich das anders an. Seine Hand ist größer geworden, sein Griff fester. Natürlich ist sie immer noch kleiner als meine, aber nicht mehr so, dass sie völlig darin verschwindet.

Es klingt nach einer Kleinigkeit, aber solche Momente bringen mich zum Nachdenken. Man bemerkt Wachstum oft nicht von einem Tag auf den anderen. Es passiert schleichend. Erst wenn man einen Moment innehält und vergleicht, merkt man plötzlich, wie viel sich verändert hat. Während ich ihn noch als den kleinen Jungen von damals sehe, zeigt mir seine Hand, dass einige Jahre vergangen sind.

Aus Geschichten werden Gespräche

Früher erzählte ich ihm Geschichten. Heute erzählt er mir seine. Wenn er vom Kindergarten nach Hause kommt, hat er meistens etwas zu berichten: von seinen Freunden oder von Spielen. Manchmal redet er dabei so begeistert, dass man kaum dazwischenkommt.

Besonders überrascht mich, wie viele eigene Gedanken er inzwischen hat. Er stellt Fragen, die ich nicht erwartet hätte, und manchmal bringt er mich sogar zum Lachen, ohne es zu merken. Früher war ich diejenige, die ihm die Welt erklärte. Heute entstehen daraus irgendwie immer öfter richtige Gespräche. Und genau in diesen Gesprächen merke ich, dass aus dem kleinen Kind langsam ein eigener Mensch wird.

Erinnerungen bleiben stehen

Vielleicht liegt das eigentliche Problem gar nicht bei ihm, sondern bei meinen Erinnerungen. In meinem Kopf gibt es noch immer die Bilder von früher: wie ich ihn auf dem Arm gehalten habe oder wie er seine ersten Schritte gemacht hat. Diese Erinnerungen verändern sich nicht. Er aber schon.

Deshalb überraschen mich die kleinen Veränderungen immer wieder. Nicht, weil sie plötzlich passieren, sondern weil meine Erinnerungen oft nicht mitwachsen. Für mich wird er wahrscheinlich immer mein kleiner Bruder bleiben. Gleichzeitig zeigen mir die alltäglichen Momente, dass er größer wird, Tag für Tag, ohne dass ich es wirklich merke.




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