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Warum Ehrlichkeit heute oft mehr Drama auslöst als Schweigen

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Volontärin · HLM HLW Krems
06.02.2026
3 Min.

Wir leben in einer oberflächlichen Welt. Eine Welt, in der es nicht mehr darum geht, wie etwas ist, sondern es nur noch thematisiert wird, wie man etwas aufnimmt. Dabei ist es doch viel wichtiger, gut miteinander auszukommen. Doch ist sich gut mit anderen zu verstehen und von vielen gemocht zu werden wirklich wichtiger, als die Wahrheit zu sagen?

Ist es besser, die Wahrheit zu sagen und wenige Freunde zu haben, oder soll man das sagen, was alle hören wollen und einen großen Freundeskreis genießen? (Foto: Pixabay)

Was ist heutzutage die beliebteste und die am weitesten verbreitete Gesprächsart? Drama. Doch woran liegt das? Ist es vielleicht deswegen, weil die Menschheit neugierig ist? Oder vielleicht weil der Großteil sich sehr gerne in Dinge einmischt, die sie nichts angehen? Wer weiß. Ich habe schon häufig miterlebt, wie sich Außerstehende in eine Situation förmlich hineindrängten, sich betroffen fühlten, wobei es nichts mit ihnen zu tun hatte. Eine Bekannte erzählte mir davon, dass sie ein Problem mit jemandem in ihrer Familie hatte. Ihr Ziel war es, dieses Problem mit der betroffenen Person zu klären und aus der Welt zu schaffen. Leider mischten sich dann die Geschwister der Person ein. Dadurch entstanden viele Missverständnisse und es endete in einem enormen Streit, wobei sie dann den Kontakt zu meiner Bekannten abbrachen.

Reden oder Schweigen?

Doch hier stellt sich die Frage: Soll man ein Problem wirklich ansprechen und somit die Wahrheit sagen, dass etwas für einen nicht in Ordnung ist, oder soll man es für sich behalten damit man ,,besser ankommt“?

Grundsätzlich sollte man ein Problem natürlich immer ansprechen, egal wen es betrifft. Doch kann man das heutzutage wirklich noch so einfach tun? Nein, tatsächlich ist das in einer Zeit wie dieser gar nicht mehr so leicht. Es wird einem nicht aufmerksam, bis man fertig ist, zugehört und dann gemeinsam versucht, eine Lösung zu finden. Stattdessen wird man unterbrochen, bevor man überhaupt zum springenden Punkt kommt, es werden einem die Worte im Mund verdreht und am Ende kommt es darauf hinaus, dass man selbst schuld ist, weil man sich nicht alles gefallen lässt. Das ist mir in meiner alten Schule passiert. Ich habe vor meiner damaligen besten Freundin etwas angesprochen, was für mich in unserer Freundschaft nicht okay war. Sie hat über einen längeren Zeitraum mit meinem damaligen Freund täglich über eine Stunde telefoniert und es mir dann im Unterricht fast schon brühwarm serviert. Nach einer Zeit erkannte man es schon an ihrem schadenfrohen Blick dass sie es mir gleich wieder erzählen würde. Als ich es angesprochen habe hat sie die Situation umgedreht und mich als eine schlechte Freundin dargestellt, weil ich es ihr nicht gönnen würde, dass sie sich gut mit MEINEM Freund verstand.

Die Entwicklung ins Negative

Früher konnte man offen über alles reden, heute fühlen sich manche Menschen schnell angegriffen. Überhört man morgens gedankenverloren ein „Hallo“, gilt man sofort als unhöflich. Egal, wie man es macht, man scheint immer selbst schuld zu sein: Hört man den Gruß nicht, ignoriert man – grüßt man zuerst und bekommt keine Antwort, heißt es, man habe nichts gesagt. Es ist schade, dass viele die Schuld bei anderen suchen, statt sich zu fragen, wie es der anderen Person gerade geht oder ob sie den Gruß vielleicht wirklich nicht gehört hat. Dieses Beispiel zeigt, wie wenig sich die Menschheit in dieser Hinsicht entwickelt hat.

Vielen Leuten geht es auch gar nicht mehr darum, was inhaltlich gesagt wird, sondern viel mehr, wie die andere Person einen fühlen lässt. Wenn man ein Problem anspricht und sagt, dass man es nicht okay findet, dass die Person z. B. über jemand anderen lästert, ist es möglich, dass sich die andere Person kritisiert fühlt und deswegen direkt zurückschießt. Wenn man jedoch in das abwertende Gerede mit einsteigt, ist es sehr wahrscheinlich, dass man schneller einen besseren Platz in der Gesellschaft bekommt, vor allem in der Schule.

Doch ist es das wirklich wert, jemanden hinter dem Rücken der Person schlecht zu machen und vor der Person auf nett zu machen, nur um mehr Freunde zu haben? Wollen wir wirklich nur dazugehören statt unsere Meinung zu sagen und vielleicht recht zu haben? Ist es das, was heute wirklich zählt?

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