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VW baut 50.000 Stellen ab: Was bedeutet das für junge Menschen?

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
04.09.2026
5 Min.

Zehntausende Jobs streicht Volkswagen bis zum Jahr 2030. Am Donnerstagabend stimmte der Aufsichtsrat des Konzerns dem sogenannten "Zukunftsplan 2030" einstimmig zu. Davon sind auch junge Menschen betroffen.

VW ist und bleibt eine starke Marke. Doch auch für den Erfolgskonzern wird es immer härter. (Foto: shutterstock)

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat am Donnerstagabend einen Zukunftsplan beschlossen. Bis 2030 sollen im Konzern rund 50.000 Stellen wegfallen. Der Beschluss entscheidet mit darüber, ob Werke wie Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm eine Zukunft haben und was aus zehntausenden Jobs bei VW und seinen Zulieferern wird, auch in Österreich.

Neu ist vor allem: Diesmal wurde tatsächlich etwas entschieden. Bereits im Juli hatte der Vorstand dem Aufsichtsrat einen Zukunftsplan vorgelegt, wie VW selbst mitteilte. Verabschiedet wurde damals nichts. Monatelang blieb offen, ob und wie der Konzern seine Werke umbauen würde. Diesmal steht die Zustimmung schriftlich fest.

Konzernchef Oliver Blume sprach laut einem Bericht von Südtirol News von einem starken Signal für die Zukunft. Auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch zeigte sich laut demselben Bericht überzeugt: Die Umsetzung sichere die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns.

Auch die Arbeitnehmerseite stimmte zu, allerdings mit spürbarem Unbehagen. Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo bezeichnete den Plan laut Südtirol News als Notwendigkeit, um den Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass dies einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehe. Gewerkschaft und Betriebsrat kritisierten gleichzeitig den Ton des Vorstands in den Wochen davor.

Was das für einzelne Werke bedeutet, ist erst teilweise klar. Für die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm kann VW selbst keine wettbewerbsfähige Folgebelegung ab 2031 bis 2034 garantieren. Grund ist eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen allein in Europa. Ein Werk gilt deshalb noch nicht als geschlossen, sicher ist seine Zukunft aber auch nicht.

„Ich denke darüber nach“

Maximilian Gruber ist 17 Jahre alt und besucht eine Schule im Bezirk Gmunden. Die Frage, wohin es nach der Schule geht, beschäftigt ihn schon länger. „Automobiltechnik war für mich schon eine Option, weil mich Autos und Technik generell interessieren. Ich habe aber auch überlegt, ob ich eher Mechatronik mache, weil man damit nicht ganz so auf eine Branche festgelegt ist“, sagt er gegenüber campus & college.

Nachrichten wie jene aus Wolfsburg gehen an ihm nicht spurlos vorbei. „Wenn ich dann lese, dass bei einem großen Autobauer Stellen wegfallen oder Werke Probleme haben, denke ich natürlich schon kurz darüber nach. Ich würde meine Entscheidung jetzt aber nicht komplett davon abhängig machen. Bis ich mit der Ausbildung fertig bin, kann sich in der Branche wieder einiges ändern.“

Warum Wolfsburg überhaupt sparen muss

Hinter den Kürzungen steckt eine Gewinnkrise. Volkswagen verzeichnete im Geschäftsjahr 2025 einen Rückgang des Konzernergebnisses um rund 44 Prozent – von 12,4 auf 6,9 Milliarden Euro, laut einem Bericht des Industriemagazins. Das ist das schwächste Ergebnis seit der Diesel-Affäre 2016.

Zwei Probleme kommen zusammen. Erstens verliert VW in China, dem wichtigsten Automarkt der Welt, massiv an Boden gegenüber einheimischen Elektroauto-Herstellern. Zweitens verkaufen sich E-Autos in Europa selbst schleppend, während klassische Verbrennermodelle wegen der Klimaziele langsam auslaufen sollen. Der Konzern steht damit zwischen zwei Antriebsarten und ist bei keiner davon richtig vorne.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnete den Zukunftsplan deshalb laut Südtirol News als „Light-Version“. Die großen Entscheidungen über Werksschließungen seien vertagt, nicht gefallen.

Wenn Wolfsburg hustet, spürt man das in Laakirchen

Für Jugendliche in Deutschland klingt das zunächst weit weg. Für Oberösterreich ist es das nicht. Eine Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria zeigt: 135 österreichische Unternehmen haben Verbindungen zu VW, rund 6.300 Arbeitsplätze hängen direkt davon ab. Besonders betroffen sind die Automobilcluster in Oberösterreich und der Steiermark.

Einer dieser Betriebe liegt fast vor der eigenen Haustür. Die Miba AG mit Sitz in Laakirchen, keine zehn Autominuten von Lenzing entfernt, beliefert die internationale Automobil- und Motorenindustrie mit Sinterteilen, Gleitlagern und Elektronikkomponenten. Rund 42 Prozent des Umsatzes kommen laut Unternehmensangaben aus dem Kfz-Bereich. Welcher Anteil davon auf VW entfällt, veröffentlicht Miba nicht.

Firmensprecher Wolfgang Chmelir sagte laut APA, bei den Werkschließungen der großen europäischen Autokonzerne spüre man bei Miba aktuell noch nichts. Die Lage verändere sich aber gerade stündlich, eine Prognose sei daher schwierig bis unmöglich. Konkrete Werksschließungen oder Kurzarbeit gebe es bei Miba derzeit nicht, betonte er zugleich. Auch die Lieferketten funktionierten weiterhin.

Auch der internationale Zulieferer Magna, mit rund 13.000 Beschäftigten einer der größten privaten Arbeitgeber Österreichs, hängt an der Entwicklung in Wolfsburg. Ein ehemaliger Magna-Manager brachte die mögliche Kettenreaktion laut Industriemagazin auf eine einfache Formel: Wenn in Deutschland zehn Prozent weniger Autos gebaut werden, schlägt das eins zu eins auf Österreich durch.

Was das für die eigene Berufswahl bedeutet

Thomas Huber, 43, bildet in einem Industriebetrieb im Bezirk Gmunden Lehrlinge aus. Die Veränderungen sieht er längst im Bewerbungsstapel. „Wir merken schon, dass sich die Situation bei den Bewerbungen verändert“, sagt er gegenüber campus & college. „Bei technischen Lehrstellen bekommen wir grundsätzlich noch Bewerbungen, aber es sind nicht mehr automatisch so viele wie vor ein paar Jahren. Gerade bei Kfz-Technik schauen die Jugendlichen inzwischen auch stärker darauf, welche Zukunft der Beruf hat.“

Für alle, die gerade zwischen Lehrstellen oder Studienrichtungen wählen, ist das mehr als eine Randnotiz. Ein Job in der Autoindustrie galt lange als besonders sicher, gerade weil er an große, stabile Konzerne gebunden war. Genau diese Sicherheit steht jetzt zur Debatte – auch bei Zulieferbetrieben, die selbst nie ein VW-Logo tragen.

Huber verfolgt die Entwicklungen bei VW auch beruflich. „Bei der Personalplanung merkt man die Unsicherheit schon, aber für uns heißt das nicht, dass technische Fachkräfte plötzlich nicht mehr gebraucht werden“, sagt er. „Im Gegenteil: Elektronik, Automatisierung und neue Antriebstechnologien werden immer wichtiger.“

Zu einer Lehre würde er deshalb weiterhin raten. „Ich würde Jugendlichen aktuell durchaus zu einer technischen Lehre raten. Man sollte sich aber anschauen, wie sich der Beruf verändert. Wer bereit ist, auch bei Elektronik, Software und neuen Technologien dazuzulernen, hat aus meiner Sicht weiterhin gute Chancen“, sagt Huber.

Was als Nächstes passiert

Bis Ende Juni 2027 soll laut VW ein Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur in Europa stehen. Erst dann wird klar, welche Werke tatsächlich schließen und wie stark sich das auf Zulieferer wie Miba oder Magna auswirkt.

Dudenhöffer sieht den Beschluss als Zwischenschritt. Der Kompromiss sei besser als die quälenden öffentlichen Diskussionen der vergangenen 24 Monate, eine gewisse Entspannung sei nun möglich. Von echtem Frieden will er trotzdem nicht sprechen.

Für Maximilian Gruber bleibt die Sache angesichts der Schlagzeilen aus Wolfsburg vor allem eines: offen. „Eine sichere Zukunft wäre für mich vor allem, dass ich nach der Ausbildung nicht ständig Angst haben muss, dass mein Arbeitsplatz wegfällt“, sagt er. „Wenn der Beruf auch mit Elektroautos, Software und der ganzen neuen Technik gebraucht wird, wäre das für mich eigentlich ein gutes Zeichen.“

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