Stellen wir uns vor, einer unserer Freunde begeht Selbstmord. Wir denken vielleicht: „Ach, das wird nicht passieren...“ Und doch geschieht es. In jeder Minute, in jeder Stunde sterben Menschen durch Selbsttötung.
Psychologie hinter suizidalen Gedanken
Um zu verstehen, warum Menschen diesen Schritt gehen, müssen wir die Psychologie dahinter betrachten. Laut Edward Shneidman, einem angesehenen Psychologen, gibt es vier Arten von suizidalen Menschen:
- Der „Todessuchende“ hat zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt die Absicht, sich umzubringen. Nach diesem Zeitpunkt ist die Person wieder stabil.
- „Todesinitiatoren“ haben einen klaren Todeswunsch. Sie glauben, bald zu sterben, und setzen deshalb ihrem Leben bewusst ein frühzeitiges Ende.
- Kinder oder Personen, die Massenselbstmorde ausführen, glauben oft an ein besseres Leben nach dem Tod. Shneidman nennt sie „Todesverächter“.
- Menschen, die sich nicht sicher sind, ob sie sterben wollen oder nicht, bezeichnet er als „Todesherausforderer“.
Aus diesen vier Typen lassen sich auch Gründe für Suizidversuche ableiten. Oft sind sie nicht eindeutig, sondern entstehen aus komplexen Zusammenhängen. Häufig leiden Betroffene unter einer psychischen Erkrankung, die sich rapide verschlechtert, oder befinden sich in einer akuten Lebenskrise.
Die daraus entstehenden Gefühle, Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle oder innere Leere, können suizidale Gedanken massiv verstärken. Ebenso können Gewalterfahrungen, Einsamkeit oder körperliche Erkrankungen zu Suizidgedanken und -handlungen beitragen.
Hilfe leisten und Grenzen beachten
Warum erkennen wir suizidale Menschen oft nicht auf den ersten Blick? Sie verstellen sich, um Freunde und Familie nicht zu verletzen, und zeigen ihr wahres Befinden häufig nur zu Hause oder wenn sie alleine sind. Viele ziehen sich zurück, verlieren soziale Kontakte und vernachlässigen persönliche Hygiene oder Ernährung, da selbst einfache Handlungen sehr viel Kraft kosten. Wenn sie sich öffnen, stoßen sie nicht selten auf Unterstellungen oder werden nicht ernst genommen. Auch die mangelhaften Therapie- und Psychiatrieplätze erschweren Hilfe zusätzlich.
Was können wir tun, wenn wir einen Bekannten haben, der mit seiner mentalen Gesundheit kämpft? Wir sollten diese Menschen unterstützen, mit ihnen sprechen und psychologische Hilfe in den Raum stellen, etwa psychiatrische Ambulanzen oder den Notruf bei akuter Suizidalität. Gleichzeitig müssen wir auf unsere eigene mentale Gesundheit achten: Wer sich ständig nur mit psychisch belasteten Menschen umgibt, läuft selbst Gefahr, emotional überfordert zu werden.
Hilfe holen, ist stark!:
TelefonSeelsorge: Österreich: 142 (täglich rund um die Uhr erreichbar)
Rat auf Draht: 147 (für Kinder und Jugendliche)
Frauenhelpline: 0800 222 555
Männernotruf: 0800 246 247
Ö3 Kummernummer: 116 123
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