Ich stehe in der Küche, noch halb müde, das Licht ist zu grell und alles fühlt sich ein bisschen zu früh an. Meine Hand greift wie automatisch nach der Kaffeekanne. Wasser einfüllen, Filter holen, Pulver. Jeder Handgriff sitzt, ohne dass ich wirklich nachdenke.
Und dann halte ich kurz inne. Stimmt ja. Ich trinke gerade keinen Kaffee.
Ich lasse die Kanne langsam wieder sinken und stehe einfach da. Irgendwie fühlt sich das komisch an, fast so, als würde ich mitten in einer Bewegung gestoppt werden, die eigentlich zu mir gehört. Stattdessen greife ich nach einem Teebeutel. Es ist nicht dasselbe. Nicht vom Geschmack her und auch nicht vom Gefühl.
Ich versuche es eine Zeit lang ohne Koffein
Am liebsten mochte ich immer Latte Macchiato oder Cappuccino. Dieses Zusammenspiel aus Kaffee und Milch, der Milchschaum oben drauf, das war für mich nie einfach nur ein Getränk, sondern ein richtiges Gefühl.
Und genau darauf versuche ich im Moment zu verzichten. Kein Kaffee, kein Koffein. Eigentlich nur für eine bestimmte Zeit. Aber schon jetzt merke ich, wie sehr mir genau das fehlt.
Besonders zuhause. Meine eigene Kaffeekanne, mein Lieblingsbecher. Das hat sich immer viel echter angefühlt als diese Plastikbecher aus dem Café, die man nur schnell mitnimmt und genauso schnell wieder vergisst. Gerade morgens war das fast schon ein kleines Ritual. Aufstehen, noch halb müde sein, und dann dieser erste Schluck, der alles ein bisschen langsamer und ruhiger macht.
Mehr als nur ein Getränk
Für mich war Kaffee nie nur da, um wach zu werden. Es war eher so ein Moment nur für mich. Kurz durchatmen, bevor der Tag richtig losgeht. Oder nach einem langen Tag einfach hinsetzen, Tasse in der Hand, nichts Großes denken müssen.
Jetzt, ohne Kaffee, fehlt genau das. Ich sitze morgens am Tisch, habe meinen Tee vor mir stehen, puste vorsichtig darüber und merke, dass ich eigentlich auf etwas anderes warte. Auf diesen ersten Schluck, der sonst immer dazugehört hat.
Mit Freund:innen im Café ist es nochmal anders. Da geht es eigentlich gar nicht so sehr um den Kaffee selbst, sondern um die Gespräche, das Lachen, dieses Gefühl von „einfach kurz alles vergessen“. Trotzdem: Wenn alle ihren Cappuccino oder Iced Latte bestellen und ich daneben sitze, ein Glas Wasser oder Tee vor mir, fällt es mir mehr auf, als ich erwartet hätte. Nicht schlimm, aber irgendwie ungewohnt.
Trends überall. Aber was bleibt?
In meinem Umfeld wird viel ausprobiert. Iced Latte im Sommer, Sirup wie Vanille oder Karamell, Hafermilch statt normaler Milch. Kaffee ist irgendwie zu einem kleinen Trend geworden. Aber gerade jetzt, wo ich darauf verzichte, merke ich: Ich habe das alles gar nicht so gebraucht.
Was mir wirklich fehlt, ist nicht der perfekte „Trend-Kaffee“, sondern dieses einfache Gefühl. Mein Becher, mein Moment, keine Eile.
Und ehrlich gesagt: Es ist gar nicht so leicht, darauf zu verzichten. Nicht nur wegen des Geschmacks, sondern wegen allem, was daran hängt. Diese kleinen Rituale, diese kurzen Pausen im Alltag. Die fallen plötzlich weg oder fühlen sich anders an.
Gleichzeitig merke ich aber auch, wie bewusst mir das alles jetzt wird. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, bekommen plötzlich einen ganz anderen Wert.
Vielleicht ist genau das das Wichtigste an dieser Phase: nicht nur auf etwas zu verzichten, sondern zu merken, was einem wirklich etwas bedeutet.
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