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Mit 18 an die Börse: So könnt Ihr Geld verdienen. Ich hab’s ausprobiert

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
06.08.2026
7 Min.

Aktien, ETFs und Kryptowährungen sind für viele Jugendliche längst keine Fremdwörter mehr. Auch mein 17-jähriger Schulfreund Elias investiert seit weniger als einem Jahr selbst und informiert sich über Finanzthemen auf TikTok und YouTube. Seine Geschichte zeigt, wie früh Jugendliche heute mit Geldanlage in Berührung kommen und warum Finanzbildung dabei immer wichtiger wird.

Geldverdienen ist manchmal einfach als gedacht. (Foto: shutterstock)

Ich war 15 und saß zuhause in meinem Zimmer, als ich zum ersten Mal Aktien kaufte. Es war 2024 und ich hatte ungefähr 300 Euro aus Taschengeld und Erspartem zusammen. Zu dieser Zeit begann ich, mich immer stärker für Unternehmen und Aktien zu interessieren. Das Geld einfach auf meinem Konto liegen zu lassen, erschien mir wenig sinnvoll. Also nahm ich mein Handy, öffnete eine Trading-App und investierte die 300 Euro in mehrere einzelne Aktien.

Welche Unternehmen das damals genau waren, weiß ich heute nicht mehr. Es waren vor allem größere Firmen aus dem Technologie- und Konsumbereich. An etwas anderes erinnere ich mich dafür ziemlich gut: wie oft ich danach auf mein Depot schaute. Teilweise öffnete ich die App mehrmals am Tag. Mal ging der Wert ein bisschen hoch, mal runter. Gerade am Anfang fühlten sich selbst kleine Veränderungen plötzlich wichtig an. Später schaute ich deutlich seltener hinein und insgesamt landete ich mit meinen Investments im Plus.

Einige Zeit später saß ich mit meinem Freund Elias in einer Pizzeria. Wir aßen und redeten, bis wir irgendwann beim Thema Geld landeten. Ich holte mein Handy heraus und zeigte ihm mein Depot. Ich erzählte ihm, wie ich mit 15 angefangen hatte, dass nicht jede Aktie gut gelaufen war und warum ich trotzdem weiter investierte. Elias interessierte sich selbst immer stärker für das Thema und begann später ebenfalls zu investieren. Über Aktien und Geld informiert er sich unter anderem auf TikTok und YouTube.

Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, wie selbstverständlich sich dieses Gespräch angefühlt hat. Zwei Jugendliche sitzen in einer Pizzeria und reden nicht nur über Schule, Sport oder das Wochenende, sondern darüber, was sie mit ihrem Geld machen und wie sie für ihre Zukunft vorsorgen können. Für mich waren Aktien mit 15 noch etwas Neues, das ich einfach ausprobieren wollte. Wenig später diskutierte ich mit einem Freund beim Essen über Depots und Investments.

Der Traum vom großen Geld beginnt für uns heute manchmal nicht an der Wall Street, sondern mit 300 Euro, einem Handy und einer Trading-App im eigenen Kinderzimmer.

Plötzlich interessiert uns die Börse

Elias ist mit seinem Interesse nicht allein. Wer durch TikTok, Instagram oder YouTube scrollt, trifft früher oder später auf Finanzcontent. Da wird erklärt, wie ein ETF funktioniert, welche Aktien interessant sein könnten oder wie jemand angeblich mit wenigen Schritten ein Vermögen aufgebaut hat.

Das verändert, wie früh wir mit dem Thema in Kontakt kommen. Für frühere Generationen war die Börse etwas, das über den Wirtschaftsteil der Zeitung, die Bank oder die Eltern ins Leben kam. Heute reicht ein Video zwischen zwei völlig anderen Beiträgen.

Auch Elias nennt neben unseren Gesprächen TikTok und YouTube als wichtige Quellen für sein Interesse.

Dabei will er nicht bis nächste Woche reich werden. Als ich ihn frage, warum er überhaupt investiert, sagt er, er wolle „für die Zukunft vorbereitet sein“.

Das klingt deutlich unspektakulärer als vieles, was einem in Finanzvideos begegnet. Gerade deshalb finde ich seine Antwort interessant.

Investieren vom Kinderzimmer aus

Der Zugang zur Börse hat sich verändert. Ein Depot lässt sich heute digital verwalten, Kurse können wir jederzeit am Handy verfolgen und Informationen über einzelne Unternehmen sind innerhalb weniger Sekunden verfügbar.

Damit sinkt auch die gefühlte Distanz zur Finanzwelt.

Wer 17 ist und Videos über ETFs sieht, muss nicht mehr unbedingt denken: Darum kümmere ich mich irgendwann, wenn ich einen richtigen Job habe. Geldanlage wird zu etwas, mit dem wir uns schon während der Schulzeit beschäftigen.

Elias investiert seit weniger als einem Jahr. Sein Geld steckt sowohl in ETFs als auch in Kryptowährungen. Bisher liegt er nach eigener Aussage mit seinen Investments eher im Plus.

Die Geschichte könnte an dieser Stelle wunderbar zu einer dieser Erzählungen werden, in denen ein Jugendlicher das Investieren entdeckt und von da an nur noch richtige Entscheidungen trifft.

So ist es natürlich nicht.

Verlieren gehört auch dazu

Elias hat auch schon Geld verloren. Nicht mit seinen ETFs, sondern bei Wetten innerhalb unseres Freundeskreises.

Das ist etwas anderes als langfristiges Investieren und sollte nicht miteinander verwechselt werden. Trotzdem gehört es zu seiner persönlichen Erfahrung mit Geld und Risiko.

Gewinnen fühlt sich gut an. Verlieren weniger.

Gerade wenn wir anfangen, uns mit Investments zu beschäftigen, ist dieser Unterschied wichtig. Ein ETF ist kein Geldautomat. Eine Kryptowährung steigt nicht automatisch, weil jemand in einem Video davon überzeugt ist. Wer Geld anlegt, geht je nach Anlageform unterschiedlich große Risiken ein.

Besonders Kryptowährungen können stark schwanken.

Elias weiß inzwischen, wie sich beide Seiten anfühlen. Bei seinen Investments liegt er derzeit eher im Gewinn. Bei den Wetten hat er erlebt, dass Geld auch einfach weg sein kann.

Wenn TikTok zum Finanzberater wird

Dass wir Finanzwissen online finden, hat einen großen Vorteil: Wir beschäftigen uns überhaupt damit.

Begriffe wie ETF, Zinseszins, Diversifikation oder Inflation begegnen Jugendlichen heute außerhalb des Wirtschaftsunterrichts. Ein gutes Erklärvideo kann einen komplizierten Begriff verständlicher machen als eine Seite voller Definitionen.

Das Problem beginnt dort, wo zwischen Erklärung und Werbung kaum noch unterschieden wird.

Neben seriösen Finanzkanälen stehen Videos mit spektakulären Renditen, einzelnen Aktienempfehlungen oder Versprechen vom großen Vermögen. Oft entscheiden wenige Sekunden darüber, ob wir weiterscrollen oder zuhören.

Auch Elias nutzt TikTok und YouTube, um sich über Investments zu informieren. Sein Interesse entstand aber nicht durch ein einzelnes Video. Es waren verschiedene Einflüsse: Social Media, unsere Gespräche und schließlich die Entscheidung, sich selbst damit zu beschäftigen.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Ein Video kann eine Idee liefern. Die Verantwortung für das eigene Geld übernimmt es nicht.

Sarah erlebt das Thema anders

Sarah ist 20 und studiert. Sie kennt die Finanzwelt aus einer anderen Lebensphase. Während Elias noch zur Schule geht und erste Erfahrungen sammelt, muss sie ihr Geld bereits stärker zwischen Studium und Alltag aufteilen.

„Seit ich studiere, merke ich erst, wie viel Geld im Alltag eigentlich draufgeht. Ich würde gerne mehr investieren, aber Miete, Essen und andere Ausgaben kommen zuerst.“

Ihre Perspektive soll nicht beweisen, dass alle Studierenden gleich mit Geld umgehen. Sie zeigt vielmehr, wie rasch sich die Fragen verändern können. In der Schule geht es vielleicht darum, zum ersten Mal einen ETF zu kaufen. Wenige Jahre später kommen Miete, Lebensmittel und andere laufende Kosten dazu.

Das Geld, das investiert werden könnte, muss erst einmal übrig bleiben.

Finanzfluss statt Geheimtipp

Einer der bekanntesten deutschsprachigen Vermittler von Finanzwissen ist Thomas Kehl, Gründer von Finanzfluss. Sein Kanal erreicht mit Videos über ETFs, Aktien, Sparen und Altersvorsorge ein Millionenpublikum.

Sein Erfolg zeigt, dass Finanzthemen längst keine Nische für ältere Börsenfans mehr sind. Junge Menschen suchen Informationen darüber, was sie mit ihrem ersten eigenen Geld machen sollen.

Dabei ist gerade bei Investments ein Unterschied entscheidend: der zwischen Finanzbildung und dem nächsten vermeintlichen Geheimtipp.

Zu verstehen, was ein ETF ist, warum Risiken gestreut werden oder was langfristiges Investieren bedeutet, ist etwas anderes, als blind eine Aktie oder Kryptowährung zu kaufen, weil jemand im Internet steigende Kurse verspricht.

Das klingt selbstverständlich.

Auf Social Media liegen diese beiden Welten manchmal nur einen Swipe auseinander.

Warum reden wir darüber nicht öfter in der Schule?

Je länger ich mit Elias über Geld spreche, desto merkwürdiger finde ich einen Widerspruch: Wir sollen irgendwann selbstständig mit unserem Einkommen umgehen, Verträge abschließen, Steuern bezahlen, Versicherungen verstehen und für später vorsorgen.

Vieles davon lernen wir außerhalb der Schule.

Wer Glück hat, spricht mit seinen Eltern darüber. Andere schauen Videos. Manche haben Freunde, die sich dafür interessieren. Wieder andere beschäftigen sich überhaupt nicht damit, bis sie zum ersten Mal selbst eine finanzielle Entscheidung treffen müssen.

Dabei müsste Finanzbildung nicht bedeuten, dass uns ein Lehrer sagt, welche Aktie wir kaufen sollen. Im Gegenteil.

Interessanter wären die Grundlagen: Was bedeutet Risiko? Wie funktioniert ein Kredit? Was ist der Unterschied zwischen Investieren und Spekulieren? Warum sollte ich nicht mein gesamtes Geld in eine einzige Anlage stecken? Wie erkenne ich, ob jemand auf Social Media informiert oder mir etwas verkaufen möchte?

Das sind Fragen, die uns teilweise schon beschäftigen, bevor wir überhaupt unser erstes richtiges Gehalt bekommen.

Reich werden ist nicht der Plan

Auch bei Elias hat sich das Thema verändert.

Am Anfang stand mein Handy auf dem Tisch einer Pizzeria. 250 Euro Gewinn. Seine erste Reaktion war Begeisterung und die Frage, wie das funktioniert.

Inzwischen investiert er selbst.

Er verfolgt Finanzcontent, besitzt ETFs und Kryptowährungen und liegt damit bisher eher im Plus. Trotzdem erzählt er mir nicht, er werde mit 25 Millionär sein. Er spricht auch nicht davon, die Schule hinzuschmeißen und Vollzeit zu traden.

Er möchte für seine Zukunft vorbereitet sein.

Vor den Ferien sitzen wir wieder bei einer Pizza und reden erneut über seine Investments. Diesmal muss ich ihm nicht mehr erklären, was ich gemacht habe. Wir sprechen darüber, wie es ihm selbst damit geht.

Wie viel Geld inzwischen in seinem Depot liegt, verrät Elias immer noch nicht.

Die Pizza bezahlt er aber ganz normal.



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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Kronen Zeitung.

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