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Vom ersten Zischen bis zum Nachmittagstief: Warum wir unsere Jugend in Dosen abfüllen

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Redakteur · BG / BRG Schwechat
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01.10.2026
3 Min.

Ein kurzes Klacken, ein süßlicher Duft und das Versprechen von wacher Konzentration: Für viele von uns gehört der Griff zur Energy-Dose am Morgen so selbstverständlich zur Schule wie die Schultasche. Doch was macht der ständige Koffein-Kick mit unserem Alltag? Ein Blick in unser Klassenzimmer zwischen künstlicher Energie, einer spontanen WhatsApp-Umfrage und der Suche nach echter Erholung.

Flüssige Energie am Morgen: Wie sehr beherrscht der Kick unseren Schulalltag? (Foto: Iris Santos via Pexels)

Das scharfe Zischen der Aludose hallte durch den noch halbdunklen Physikraum, bevor die erste Glocke überhaupt zur Stunde schlug. Der eiskalte Rand lag vertraut in den Fingern meiner Sitznachbarin Sarah, und schon nach dem ersten Schluck breitete sich dieser klebrig-süße Geschmack von künstlicher Beere in der Luft aus. Für sie gehört die erste Dose Red Bull jeden Morgen dazu, schlichtweg, weil es ihr schmeckt und sie den Kick braucht.

Sarah drehte sich zu mir um, wischte sich einen Tropfen vom Mundwinkel und grinste schief: „Ohne die Dose überlebe ich die ersten zwei Stunden Physik heute nicht.“

Der schleichende Einzug

Ich schüttelte schmunzelnd den Kopf, doch der Blick durch unser Klassenzimmer verriet schnell, dass Sarah längst kein Einzelfall war. Wer sich kurz vor acht Uhr in den Korridoren umsieht, blickt in Gesichter, die vom blauen Licht der Handys und matten Augen geprägt sind, und in Hände, die bunte Dosen halten. Neben den Schultaschen stauen sich in den Papierkörben die zerdrückten Aluhüllen: manche zuckerfrei, andere mit knalligen Fruchtaromen überladen. Wir trinken das Zeug nicht mehr nur auf Partys oder bei der späten Vorbereitung auf Schularbeiten. Der Energy-Drink ist zum flüssigen Ersatz für Frühstück, Schlaf und echte Pausen geworden.

Was die WhatsApp-Abstimmung verrät

Um zu verstehen, wie tief die Gewohnheit bei uns tatsächlich sitzt, habe ich spontan eine WhatsApp-Abstimmung in unserer Klassengruppe gestartet. Das Ergebnis war eindeutig: Von den 15 Mitschülerinnen und Mitschülern, die mitmachten, gaben 6 Personen an, fast jeden Tag schon in der Früh oder am Vormittag zur Dose zu greifen.

Über 150 Milligramm Koffein und Unmengen an Zucker fließen so bei mehr als der Hälfte noch vor der Mittagspause durch die Adern. Wenn man nachfragt, warum, kommt selten die Antwort „Weil ich Durst habe“. Es ist die Kombination aus süßem Belohnungseffekt, dem schnellen Energieschub und einer seltsamen Gemeinschafts-Gewohnheit. Man gehört dazu, wenn man mit der Dose in der Pause im Hof steht.

Die Illusion der schnellen Leistungsfähigkeit

Doch der vermeintliche Treibstoff ist trügerisch. Eine Stunde nach dem letzten Schluck kommt bei den meisten der verlässliche Absturz: Der Blutzuckerspiegel fällt ins Bodenlose, die Konzentration bröckelt, die Schläfen beginnen leicht zu pochen. Die Reaktion? Der Griff zur nächsten Dose oder zum süßen Riegel beim Schulbuffet, um den Zustand abzufangen.

Ein hausgemachter Teufelskreis aus künstlichem Hochgefühl und nachfolgender Erschöpfung. Der ständige Leistungsdruck in der Schule, der späte Schlaf wegen stundenlangem Scrolling am Smartphone und der fehlende Ausgleich treiben uns in eine Spirale, in der wir versuchen, Müdigkeit mit Chemie zu besiegen.

Als Sarah an diesem Nachmittag ihre zweite leere Dose in den Müll warf, tanzte wieder dieses vertraute, leicht nervöse Zittern über ihre Fingerspitzen. Wir reden in der Schule oft darüber, wie wichtig mentale Gesundheit, ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf für uns Jugendliche sind. Doch solange wir unsere Müdigkeit jeden Morgen einfach mit 250 Millilitern flüssigem Zucker herunterspülen, belügen wir uns ein Stück weit selbst. Es braucht keine verbotenen Dosen oder erhobene Zeigefinger, sondern das ehrliche Eingeständnis, dass echte Energie nicht aus dem Kühlschrank kommt, sondern davon, wie wir mit uns selbst umgehen.


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