Die Zahlen sind alarmierend: Jahr für Jahr landen 132 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf im Müll. Das entspricht weltweit etwa einer Milliarde Mahlzeiten pro Tag. Schätzungen zufolge geht damit etwa ein Drittel der globalen Lebensmittelproduktion verloren. Wie kann das sein?
Mehr als die Hälfte des weltweiten Biomülls entsteht in privaten Haushalten, rund ein Drittel in der Gastronomie und etwa ein Zehntel im Einzelhandel. Doch auch in der Lieferkette, also beim Transport und bei der Lagerung, gehen Lebensmittel verloren. In wohlhabenden Ländern ist vor allem unser Konsumverhalten die Hauptursache, während in ärmeren Regionen häufig mangelnde Technologie, unzureichende Infrastruktur und schlechte Lagerbedingungen eine Rolle spielen.
Konsumenten wollen makellose Produkte
Auch in Landwirtschaft und Industrie gibt es viele Gründe: falsche Lagerung, Unwetter, Transportschäden oder Überproduktion. Im Groß- und Einzelhandel führen unsere Erwartungen an makellose Produkte und die strenge optische Auswahl dazu, dass viele Lebensmittel aussortiert werden. In der Gastronomie erschweren schwer kalkulierbare Nachfrage, strenge Hygienevorschriften und ungenau definierte Portionsgrößen, etwa in Kantinen, den nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln. Das größte Problem sind jedoch wir selbst: Viele von uns kaufen im Überfluss ein und werfen Essen weg, ohne das Haltbarkeitsdatum richtig zu prüfen.
Dabei wissen viele gar nicht, dass es einen Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum gibt. Das Verbrauchsdatum zeigt, bis wann ein Produkt sicher verzehrt werden sollte, danach kann es gesundheitsschädlich sein. Das Mindesthaltbarkeitsdatum hingegen ist eher eine Qualitätsgarantie: Es gibt an, bis wann ein ungeöffnetes Lebensmittel seine typischen Eigenschaften wie Geschmack, Farbe oder Nährwerte behält, vorausgesetzt, es wird richtig gelagert. Oft sind Produkte auch nach Ablauf dieses Datums noch problemlos genießbar.
Verheerende Folgen für Klima und Umwelt
Lebensmittelverschwendung hat gravierende Folgen für Umwelt und Klima. Etwa 8 bis 10 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen auf sie zurück. Hinzu kommt eine enorme Verschwendung von landwirtschaftlichen Flächen, Energie und Wasser, was unsere Umwelt zusätzlich belasten. Gleichzeitig hungern Millionen Menschen, obwohl weltweit genug Nahrung produziert wird.
Doch jede und jeder von uns kann etwas tun, um die Umwelt zu entlasten und weniger Essen wegzuwerfen. Bewusstes Einkaufen ist der erste Schritt: Wir sollten nur so viel kaufen, wie wir wirklich verbrauchen, Lebensmittel richtig lagern und Reste verwerten. Im Internet und über Apps finden sich zahlreiche Ideen und Rezepte, um übrig gebliebene Zutaten sinnvoll zu nutzen. Bevor wir etwas wegwerfen, lohnt sich ein kurzer Check: Verbrauchsdatum, Geruch, Aussehen und Geschmack geben oft mehr Aufschluss als das bloße Datum auf der Verpackung.
Auch in der Gastronomie gibt es Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung. Eine davon ist die App „Too Good To Go“. Über sie können Nutzerinnen und Nutzer überschüssige Lebensmittel zu vergünstigten Preisen von Bäckereien, Restaurants oder Supermärkten retten. So profitieren Umwelt und Kundschaft gleichermaßen – und gutes Essen landet dort, wo es hingehört: auf dem Teller statt im Müll.
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