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Virtuelle Menschen als Marketingstrategie?

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03.12.2025
3 Min.

Virtuelle Influencer sind längst kein Randphänomen mehr. Immer häufiger begegnen Nutzerinnen und Nutzer auf Instagram, TikTok oder anderen Plattformen, Avataren, die täuschend echt wirken, perfekt aussehen und scheinbar ein eigenes Leben führen.

Echt oder Fake? Reale und virtuelle Influencer lassen sich kaum noch unterscheiden (Foto: Shutterstock)

Ein Blick auf das beschriebene Phänomen zeigt zunächst, wie virtuell dargestellte Personen systematisch als Marketinginstrument eingesetzt werden. Virtuelle Figuren wie „Imma" oder „Lil Miquela" werden von Unternehmen erstellt, um rund um die Uhr für Werbekampagnen eingesetzt werden zu können. Sie können perfekt an Zielgruppen angepasst werden, verursachen keine Skandale, altern nicht und sind stets kontrollierbar. Das macht sie für Firmen besonders attraktiv. Für Unternehmen bietet dieses Modell klare Vorteile. Beispielsweise spart es Kosten, reduziert Risiken und ermöglicht kreative und neuartige Werbeformen.

Bedrohtes Selbstwertgefühl

Doch genau diese Eigenschaften zeigen auch die problematischen Aspekte des Trends. Virtuelle Influencer sind nicht real und dennoch wirken sie so glaubwürdig, dass viele Follower Schwierigkeiten haben, sie auf den ersten Blick von echten Menschen zu unterscheiden. Gerade junge Menschen können dazu verleitet werden, sich mit künstlich perfekten Avataren zu vergleichen. Dies führt zu einem Risiko des Selbstwertgefühles und zu Einschränkungen der persönlichen Entwicklung. Jugendliche fühlen sich in ihrem Körper nicht mehr wohl und haben den Drang nach dem, von virtuellen Influencer vorgegebenen, Schönheitsideal zu streben.

Trotz dieser Risiken bringt die Entwicklung auch Chancen mit sich. Virtuelle Influencer können kreativ genutzt werden, etwa für Kunstprojekte oder die Vermittlung gesellschaftlicher positiver Aspekte. Beispielsweise durch die Unterhaltung von Kindern, Jugendlichen und auch älteren Menschen.

Vermischung von Werbung und Unterhaltung

Da zeigt sich ein Kritikpunkt, die zunehmende Vermischung von Werbung und normaler Unterhaltung. Schon heute ist für viele Nutzer kaum mehr erkennbar, ob es sich bei Bildern, Videos oder Geschichten um pure Unterhaltung handelt oder ob indirekt damit Werbung gemacht wird. Christian Fuchs betont in einem Artikel für die Tageszeitung "Der Standard", dass Influencerkanäle voller Produktplazierungen sind, die nicht mehr klar als Werbung erkennbar sind. Gerade Kinder und Jugendliche sind dieser Dauerwerbung besonders ausgeliefert. Virtuelle Influencer verstärken diese Entwicklung zusätzlich, da sie von Unternehmen komplett gesteuert werden und ausschließlich wirtschaftliche Ziele verfolgen.

Jedoch können diese virtuellen Influencer auch einen Beitrag zum Klimawandel erfüllen. Es sind keine langen Reisen für Fotoshootings oder große Produktionen mehr nötig. Zudem ermöglichen sie neue Formen der Unterhaltung, die technisch und gestalterisch faszinierend sind. Beispielsweise kann, durch das Programmieren von Skripts, der ganze Aufwand von herkömmlichen Produktionen ersetzt werden.

Fehlende Verantwortlichkeit

Dagegen spricht aber das Problem der fehlenden Verantwortlichkeit. Während echte Influencer für ihr Verhalten einstehen müssen, unterliegen virtuelle Avatare keinerlei persönlicher Verantwortung. Ihre Handlungen sind das Resultat von Programmierungen und Marketingstrategien. Skandale, Fehlverhalten oder moralische Grenzen können umgangen werden. Dabei stellen sich viele Fragen. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn scheinbar perfekte digitale Wesen den Wert eines Menschen vertreten? Ob so etwas moralisch vertretbar ist, müssen Unternehmen und die Gesellschaft selbst entscheiden.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die kritischen Aspekte überwiegen. Die Grenzen zwischen Realität und Virtualität verschwimmen zunehmend, während wirtschaftliche Interessen unbemerkt Einfluss auf die Nutzer nehmen. Gerade junge Menschen könnten unter dem Druck leiden, künstlich perfekten Vorbildern nacheifern zu wollen. Gleichzeitig wird Werbung dauerhafter und schwerer erkennbar. Die Gesellschaft und Politik müssen daher klären, wie Regeln für Transparenz, Kennzeichnung und Datenschutz aussehen sollen. Insgesamt zeigt der Trend, dass virtuelle Influencer zwar spannende Möglichkeiten eröffnen, aber auch erhebliche Gefahren mit sich bringen. Wichtig ist ein bewusster Umgang und klare Regulierungen.


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