Stell dir vor, du warst mit deiner Mutter Kleidung kaufen. Genau heute trägst du die neue Hose, die dir eigentlich so gut gefällt. Sie ist vielleicht etwas außergewöhnlich und hat einen besonderen Schnitt, genau deshalb hast du sie ja ausgesucht.
Du kommst in die Schule und plötzlich bemerkst du die komischen Blicke. Irgendjemand flüstert etwas. Dann schaut dich eine Person an und sagt: „Hey, was hast du denn für eine hässliche Hose an?“
Für diese Person war es vielleicht nur ein kurzer Spruch. Für dich vielleicht der Moment, in dem du plötzlich darüber nachdenkst, ob die Hose wirklich so schlimm aussieht. Ich weiß ja, wir sind alle unfassbar witzig und so. Aber bitte: Nicht bei jeder Situation müsst ihr so tun, als wäre das hier euer Praktikum zum Clown.
Nicht alles muss kommentiert werden
Wenn jemand ein bestimmtes Outfit feiert und es auch anzieht, dann ist das halt so. Es tut niemandem weh, oder? Und wenn jemand über die Sommerferien ein paar Kilo zugenommen hat, ist das auch kein Weltuntergang. Seien wir doch mal ehrlich.
Ich könnte wahrscheinlich noch hundert weitere Beispiele aufzählen. Aber ich glaube, ihr versteht, was ich meine. Nicht alles, was auffällt, muss kommentiert werden. Und nicht jeder Gedanke, den wir lustig finden, muss unbedingt laut ausgesprochen werden.
Wir wissen nie, womit jemand gerade kämpft
Aber es gibt noch etwas Wichtigeres. Es gibt Menschen, denen es psychisch nicht gut geht. Menschen, die mit Dingen kämpfen, von denen wir vielleicht überhaupt nichts wissen.
Für manche ist die Schule eine Ablenkung vom restlichen Leben. Für andere ist die Schule selbst der schwierigste Teil des Tages. In beiden Fällen können wir mit unserem Verhalten einen Unterschied machen.
Genau deshalb möchte ich eine Situation erzählen, die ich selbst erlebt habe. In einer Klasse wiederholte ein Mädchen eine Schulstufe. Für sie war das offensichtlich keine einfache Situation. Sie hatte bereits vorher mit psychischen Problemen zu kämpfen. Trotzdem machten einige Schüler Witze darüber, dass sie wiederholen musste und über das, was sie durchmachte.
Genau das hat mich beschäftigt. Denn von außen sehen wir vielleicht nur „das Mädchen, das wiederholt“. Wir sehen aber nicht automatisch, was hinter dieser Person steckt.
Ihr müsst keine Therapeuten werden
Bevor das jetzt falsch verstanden wird: Niemand muss plötzlich Therapeutin oder Therapeut spielen und versuchen, die Probleme anderer Menschen zu lösen. Das ist auch gar nicht der Punkt. Es geht vielmehr darum, manche Situationen etwas reifer anzugehen.
Vielleicht einfach nicht lachen, wenn jemand zum Ziel eines Witzes gemacht wird. Nicht mitreden, wenn über jemanden etwas erzählt wird. Oder kurz überlegen, ob der eigene Kommentar wirklich notwendig ist. Und wenn wir uns unsicher sind, hilft manchmal ein einfacher Perspektivwechsel.
Stellt euch vor, ihr wärt diese Person. Oder diese Person wäre eure Schwester, euer Bruder oder vielleicht irgendwann eines eurer eigenen Kinder.
Dann wäre die Situation wahrscheinlich plötzlich nicht mehr so lustig.
Also: Seid einfach ein bisschen netter
Wir können nicht wissen, was andere Menschen erlebt haben oder womit sie gerade kämpfen. Aber wir können entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen. Die Schule wird auch ohne unnötige Kommentare, Witze und Herabsetzungen stressig genug.
Vielleicht nehmen wir uns deshalb neben Heften, Stiften und Schulbüchern noch etwas anderes für das neue Schuljahr vor:
Einfach ein bisschen mehr Menschlichkeit.
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