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Nachrichtenfasten: die Vor- und Nachteile

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3 Kommentare
02.04.2026
3 Min.

Täglich stoßen wir auf unzählige Nachrichten aus der ganzen Welt. Der Großteil dieser News hat allerdings keine direkte Auswirkung auf unser Leben und zieht uns runter. Wäre es demnach besser, komplett auf den Nachrichtenkonsum zu verzichten?

Tägliche Nachrichten informieren uns über aktuelles Weltgeschehen. Sollte man diesen Medienkonsum begrenzen? (Foto: Shutterstock)

Pling. Das Handy leuchtet mit einer neuen Nachricht auf: „Breaking News: Charles Leclerc hat geheiratet!“ - eine dieser Schlagzeilen, die eigentlich kaum etwas im eigenen Leben verändern. Jeden Tag erhalten wir unzählige solche Nachrichten, egal ob in der Zeitung, im Fernseher oder durch die sozialen Medien.

Vor kurzem habe ich ein Interview mit dem Schweizer Autor Rolf Dobelli gelesen, in dem er seine Meinung über den Konsum solcher Nachrichten erklärt. Am Ende des Interviews richtet er den Appell an die Leserschaft, dass man aus dem Medienkonsum aussteigen solle, wenn man den Mut dazu habe. Dieser Aufruf und seine Argumente haben mich zum Nachdenken gebracht, weshalb ich mich entschieden habe, diesen Artikel zu verfassen und der Frage nachzugehen, ob es sinnvoll wäre, auf den Konsum von News zu verzichten.

Dobellis Sichtweise

Dobellis Meinung ist besonders relevant, da er aus eigener Erfahrung über übermäßigen Newskonsum spricht. Er schildert, dass er selbst lange Zeit zu viele Nachrichten konsumiert habe und dadurch zum „News-Junkie“ geworden sei. Er berichtet über eine Art Detox-Kur: Er habe sich von Online-Portalen abgemeldet, Nachrichtenseiten geschlossen und Fernseher, Radio und Tageszeitungen aus seinem Alltag verbannt. Mittlerweile konzentriere er sich auf zwei Kompetenzkreise, Familie und Beruf.

Was spricht gegen den Verzicht?

Gegen einen vollständigen Verzicht spricht, dass man dadurch so gut wie gar nicht mehr das Internet benutzen dürfte, da man bei jeder Nutzung auf neue Schlagzeilen stoßen kann. Wenn man beispielsweise nur nach einem Bild von einem Star sucht, springen einem oft aktuelle Nachrichten ins Auge. Das führt dazu, dass man sehr bewusst und kontrolliert mit dem Internet umgehen müsste. Zudem ist es in der heutigen Zeit kaum möglich, komplett auf digitale Medien zu verzichten, da sie sowohl im schulischen als auch im beruflichen Alltag eine große Rolle spielen.

Ein weiterer Grund gegen den Verzicht ist, dass man wichtige Neuigkeiten verpassen könnte. Dabei geht es nicht nur um „Junk-News“ über Prominente, sondern auch um bedeutende politische oder gesellschaftliche Ereignisse. Wer sich gar nicht informiert, läuft Gefahr, nicht mitreden zu können und sich ausgeschlossen zu fühlen. Darüber hinaus kann es im Ernstfall auch problematisch sein, wenn man im Falle eines Angriffs oder einer Umweltkatastrophe nicht rechtzeitig gewarnt wird. Das zeigt, dass ein gewisses Maß an Information notwendig ist, um als Gesellschaftsmitglied handlungsfähig zu bleiben.

Was spricht für den Verzicht?

Andererseits kann der Verzicht auf digitale News zu mehr Offenheit bei Meinungsverschiedenheiten führen. Dobelli erklärt, dass man durch den Ausstieg von digitalen Nachrichtenportalen weniger Zeit im Internet verbringe und so Algorithmen weniger Möglichkeiten gebe, persönliche Daten zu sammeln und Inhalte gezielt auszuspielen. Wenn man den ständigen Konsum digitaler Nachrichten reduziert, könnte man sich eher aus solchen einseitigen Informationsräumen lösen und möglicherweise auch wieder bewusster mit unterschiedlichen Meinungen auseinandersetzen.

Der wichtigste Grund, der für den Verzicht spricht, ist, dass man weniger Ablenkungsmöglichkeiten hat, da man sich nicht auf die ständigen News konzentriere. Dobelli betont, dass viele „Breaking News“ bereits am nächsten Tag vergessen seien, da diese für das eigene Leben kaum Relevanz hätten. Er beschreibt, wie er selbst unter chronischem Stress litt und fürchtete, etwas Wichtiges zu verpassen. Dieser Zustand kann auf Dauer die Psyche belasten, insbesondere da sich negative Nachrichten häufen. Ein bewusster „kalter Entzug“ kann demnach gute Auswirkungen auf die Psyche haben und diese entlasten. Außerdem werden dadurch zeitliche Ressourcen wieder frei, die man für Sinnvolleres nützen kann.

Meine Meinung: Die Mischung macht's

Grundsätzlich denke ich, dass man zwischen unterschiedlichen Arten von News unterscheiden muss: solchen, die vor allem auf Prominente und Drama abzielen, und solchen, die über relevantes Weltgeschehen informieren. Ein kompletter Verzicht erscheint mir kaum realistisch und nicht unbedingt sinnvoll. Stattdessen sollte das Ziel eine gute Mischung sein. Man sollte den Newskonsum begrenzen und den Fokus auf fundierte Nachrichten legen, anstatt sich von erfundenem Drama ablenken zu lassen. Denn letztlich sind nicht alle Meldungen, die als Breaking News bezeichnet werden, tatsächlich Breaking News.











Kommentare

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    vor 2 Wochen Laura Gschiel
    wichtiges Thema, sehr guter Artikel!! :)
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    vor 2 Wochen Semra Miftari
    toller text
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    vor 1 Woche Anja Pill
    Ich glaub auch, dass wir nicht komplett auf Nachrichten verzichten können, vor allem, wenn es um Umwelt oder Politik geht. Aber wir können uns trotzdem von den Klatschseiten oder Übertreibungen und Bubbles auf TikTok fernhalten. Ich vermute, dass vor allem letztere ziemlich schädlich sind und uns in Spiralen gefangen halten