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Versteckter Sexismus: Der Male Gaze in Filmen

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Volontärin · Evang. ORG Rose Linz
11.02.2026
3 Min.

Die Kamera fährt über Beine, Bauch und Gesicht. Mikaela Banes, eine von Schauspielerin Megan Fox gespielte Figur, lehnt sich im ersten „Transformers“-Film (2007) über einen geöffneten Automotor und zeigt damit, was Frauen noch immer sind: Bloße Lustobjekte.

Für viele sind Frauen noch immer reine Lustobjekte. (Foto: pixabay/bogitw)

Die Szene wirkt harmlos, doch sie zeigt ein deutliches Beispiel des Male Gaze, des „männlichen Blicks“. Dieser stellt Frauen als Objekte der Begierde dar, Männer hingegen als aktive Subjekte. Blick, Macht und Aktion liegen bei ihnen.

Die Rolle der Frau besteht dabei darin, von Männern angesehen zu werden. Dementsprechend sind es nicht sie, die im Film Entscheidungen treffen und die Handlung vorantreiben, das tun die männlichen Protagonisten.

Geprägt hat den Begriff „Male Gaze“ die britische Filmtheoretikerin Laura Mulvey 1975, mit ihrem Essay „Visual Pleasure and Narrative Cinema“. Sie beschreibt darin Filme als System visueller Macht.

Gefährlicher Trend

Der Male Gaze dominiert die Filmwelt seit ihren Anfängen. Das Aussehen, Handeln und die Charaktereigenschaften von weiblichen Filmcharakteren entspricht vor allem den Sehgewohnheiten, Fantasien und Wunschvorstellungen weißer, heterosexueller, cisgeschlechtlicher Männer. Doch der Male Gaze ist aktueller denn je. Durch Streaminganbieter wie Netflix, aktuelle Blockbuster und auch Social Media sind sexistische Darstellungen von Frauen immer noch Teil unseres Alltags.

Dabei muss der Male Gaze nicht offensichtlich auftreten, vielmehr ist er auf subtile Weise tief in der Filmwelt verankert. Beispielsweise verweilt die Kamera auf knapper Kleidung, sie erotisiert alltägliche Bewegungen wie bücken oder greifen und der Schnitt zeigt Frauen gerne in Slow Motion. Selbst die Beleuchtung geht mit Frauen im Film anders um als mit Männern, um sie jünger, weicher und lieblicher wirken zu lassen. Kommentare oder Reaktionen der männlichen Figuren verstärken die Sexualisierung. Der weibliche Körper existiert vor allem für den Blick der männlichen Zuschauer und der Männer im Film.

Mulveys Essay inspirierte alternative Perspektiven. Der Female Gaze ist eine davon. Dieser verschiebt Macht und Aufmerksamkeit. Er konzentriert sich dabei nicht auf die oberflächliche Zurschaustellung von Frauen, sondern auf Emotionen, Intimität und innere Wahrnehmung. So etwa zeigt der Film „Little Women“ (2019) von Regisseurin Greta Gerwig diese Perspektive eindrucksvoll, indem er Frauen mit ihren Beziehungen, Entscheidungen und inneren Konflikten sichtbar macht.

Allerdings setzt sich weiterhin in aktuellen Blockbustern der Male Gaze durch. Zum Beispiel im Film „Avengers: Endgame“ (2019) verharrt die Kamera länger als nötig auf dem Körper der Figur Black Widow, einer Superheldin aus dem Marvel-Universum. Auch die James-Bond-Filme sexualisieren weibliche Charaktere und zeigen sie oft nicht als gleichwertig handelnde Figuren.

Schwarz-Weiß-Denken

Der Male Gaze geht von einer Filmwelt aus, in der Geschlechter klar in „männlich“ und „weiblich“ eingeteilt sind und männliche Perspektiven allgemeingültig sind. Laut Laura Mulvey können wir nicht anders, als uns mit den Figuren in Filmen zu identifizieren und somit Protagonistinnen mit dem Male Gaze zu betrachten.

An diesem Konzept gibt es allerdings auch seit den 1990er-Jahren Kritik, etwa von Gloria Meynen, Leitung der Abteilung Medientheorien an der Kunstuniversität Linz: „Queere, non-binäre, schwarze Menschen oder auch jene aus dem autistischen Spektrum, um nur einige zu nennen, können sich gar nicht mit den heteronormen, weißen Menschen des Hollywood-Kinos identifizieren, die Mulvey als Beispiel dienen: Sie finden keine Ähnlichkeit mit den Figuren, nehmen die Leinwand nicht als Spiegel ihrer selbst wahr.“

Die oben beschriebene Szene aus „Transformers“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie viel Macht ein Blick hat. Schon wenige Sekunden offenbaren, wie tief der Male Gaze verankert ist. Wenn sich der Blick allerdings verschiebt, zeigen sich deutliche Strukturen, die zu hinterfragen sind.

Kino zeigt Geschichten, prägt Wahrnehmung und steuert, wie wir Rollen sehen und erleben. Gloria Meynen fasst es zusammen: „Wir können auf den Male Gaze mit eigenen Blicken antworten. Wir blicken zurück, wenn wir nicht nur voyeuristisch konsumieren, sondern eine kritische Haltung gegenüber dem Male Gaze entwickeln.“


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