Wirtschaft Niederösterreich Meinung

Wir brauchen Unterricht fürs echte Leben und Wissen über Wirtschaft ganz besonders

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Volontärin · Höhere Lehranstalt Sozialmanagement und Fachschule für Sozialberufe
26.02.2026
3 Min.

Geld spielt in unserem Alltag eine riesige Rolle, trotzdem lernen wir in der Schule kaum etwas darüber. Viele von uns wissen nicht, wie Steuern, Miete oder Kredite funktionieren. Deshalb stellt sich die Frage: Sollte Wirtschaft nicht ein viel wichtigeres Schulfach sein?

Geldmanagement sollten wir in der Schule lernen. Aber auch zuhause. (Foto: shutterstock)

Eine Bekannte von mir hat vor ein paar Monaten einen Mietvertrag unterschrieben. 1.350 Euro warm für eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Wiener Innenstadt. Bei der Besichtigung sagte man ihr nur: „So sind die Preise inzwischen.“

Sie freute sich über die Zusage und wollte unbedingt unabhängig sein. Erst Wochen später, als sie ihre ersten Rechnungen bezahlte, merkte sie, wie eng es finanziell wurde. Nach Miete, Strom, Internet, Lebensmitteln und Öffi-Ticket blieb kaum noch etwas übrig. An Rücklagen war nicht zu denken. Sie hatte vorher nicht wirklich gerechnet, sondern gehofft, dass es schon irgendwie reichen würde. Genau hier liegt das Problem.

Mehr Unterricht zu Geld und Wirtschaft an Schulen?

Ja, unbedingt. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. In der Schule lernen wir Gewichtsanalysen, Kurvendiskussionen und chemische Zusammensetzungen von Stoffen, die wir später vermutlich nie wieder brauchen. Aber wie funktioniert eine Steuererklärung? Was bedeutet ein Kredit konkret? Welche Folgen hat es, wenn Rechnungen unbezahlt bleiben? Darauf bereitet uns kaum jemand vor. Spätestens mit 18 übernehmen wir Verantwortung für unser eigenes Leben. Dann betreffen uns diese Fragen direkt.

Viele Jugendliche wissen nicht genau, was Zinsen bedeuten oder wie schnell Schulden entstehen können. Eine Online-Bestellung hier, ein Kauf auf Rechnung dort oder später eine Kreditkarte, und schon verliert man leicht den Überblick. Ohne Grundwissen fällt es schwer, die Konsequenzen einzuschätzen. Hinterher heißt es dann oft, man hätte sich besser informieren müssen. Genau deshalb sollte Schule praxisnah vermitteln, wie Geld im Alltag tatsächlich funktioniert.

Gerade beim Thema Miete zeigt sich, wie wichtig dieses Wissen ist. Wer einen Vertrag unterschreibt, sollte das Kleingedruckte verstehen. Sind Heizkosten enthalten? Wie hoch sind die Nebenkosten? Welche zusätzlichen Ausgaben kommen jeden Monat dazu, etwa für Lebensmittel, Handyvertrag oder Versicherungen? Wenn diese Punkte nicht genau kalkuliert werden, schrumpft das Konto schneller als erwartet.

Was wir brauchen

Es gibt zwar Fächer wie Politik oder Sozialkunde, doch dort stehen meist Wahlen oder historische Entwicklungen im Mittelpunkt. Themen wie Inflation, Aktien, Versicherungen oder Altersvorsorge kommen nur am Rand vor. Dabei werden wir später arbeiten, Steuern zahlen, vielleicht eine Wohnung mieten oder einen Kredit aufnehmen. Genau darauf sollte Schule vorbereiten.

Manche sagen, Eltern könnten das erklären. Doch nicht jede Familie verfügt über umfassendes Finanzwissen oder die Zeit, alles genau zu besprechen. Einige kämpfen selbst mit finanziellen Herausforderungen. Schule sollte deshalb ein Ort sein, an dem alle die gleichen Grundlagen lernen, unabhängig vom Elternhaus.

Ich könnte mir ein eigenes Fach vorstellen, zum Beispiel „Alltagswirtschaft“ oder „Finanzwissen“. Dort ließe sich praktisch üben, wie ein Budget erstellt wird, wie ein Arbeitsvertrag aufgebaut ist oder was Begriffe wie Brutto und Netto bedeuten. Ziel wäre nicht, Wirtschaftsexperten auszubilden, sondern Sicherheit im Alltag zu vermitteln.

Worum es geht

Am Ende geht es um unsere Zukunft. Geld beeinflusst fast alle Lebensbereiche, ob wir wollen oder nicht. Wenn Schule wirklich auf das Leben vorbereiten soll, dann gehört Wirtschaft deutlich stärker in den Unterricht.

Ich würde auch gerne meine Mitschülerinnen und Mitschüler fragen, wie sie dazu stehen. Halten sie ein solches Fach für sinnvoll oder für überflüssig? Wäre es besser als Wahlfach oder als Pflichtfach? Und wie stellen sie sich vor, später eigenständig einen Kredit abzuschließen oder finanzielle Verantwortung zu übernehmen, wenn sie kaum Grundlagen gelernt haben? Diese Fragen zeigen, wie dringend das Thema eigentlich ist.



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