Manchmal habe ich das Gefühl, fair ist das, was für Erwachsene gerade bequem ist und nicht das, was sich für uns wirklich richtig anfühlt.
Neulich habe ich genau das in der Schule erlebt. In Geschichte sollten wir eine Gruppenarbeit machen: vier Personen, ein Thema, eine Präsentation. Klingt harmlos, oder? In der Realität war es anders. Zwei aus meiner Gruppe waren kaum da, eine Person hatte „keine Zeit“, und am Ende saß ich fast allein vor dem Laptop. Ich recherchierte, erstellte die Folien, suchte Bilder, schrieb die Texte – kurz gesagt: Ich machte alles.
Am Präsentationstag standen dann plötzlich alle geschniegelt vorne, sagten ihre zwei Sätze, und am Ende bekamen wir alle die gleiche Note.
In diesem Moment hätte ich am liebsten geschrien. Nicht, weil ich unbedingt die beste Note wollte, sondern weil sich meine ganze Mühe plötzlich wertlos anfühlte. Als würde mein Einsatz nicht zählen, solange ich „nur“ eine von vielen bin. Ich fühlte mich klein und übergangen.
Ich hätte mir gewünscht, dass jemand genauer hinschaut. Dass die Lehrerin fragt: „Wer hat eigentlich was gemacht?“ Und auch, dass man sagen darf, wenn etwas unfair ist, ohne gleich als „petzig“ zu gelten. Denn unfair bleibt unfair, auch wenn man darüber schweigt.
In solchen Momenten frage ich mich, wie gut es wäre, jemanden an seiner Seite zu haben, der für einen einsteht. Jemanden, der sagt: „So ist das nicht in Ordnung.“ Nicht gleich vor Gericht, sondern einfach als Unterstützung, wenn man merkt, dass man übergangen wird. Vielleicht versteht man genau dann, warum es Anwältinnen und Anwälte überhaupt gibt: nicht nur für große Streitfälle, sondern weil Gerechtigkeit oft im Kleinen beginnt.
Fairness ist kein Luxus. Sie ist das, was uns zeigt, dass wir zählen. Und genau das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Es sollte viel mehr Menschen geben, die sich genau dafür einsetzen.
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