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Unser Raketen-Müll landet jetzt auf dem Mond

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
19.08.2026
4 Min.

Auf neuen NASA Bildern ist ein 18 Meter breiter Krater auf dem Mond zu sehen. Verursacht hat ihn eine ausgediente Raketenstufe von SpaceX, die über ein Jahr durchs All trieb. Der Einschlag ist für Forschende spannend. Gleichzeitig zeigt er ein Problem, das unsere Generation noch lange beschäftigen könnte: Auch rund um den Mond gibt es immer mehr Weltraumschrott.

 

Wir verursachen immer mehr Müll. Ob er uns auf den Kopf fällt= (Foto: shutterstock)

Auf den neuen NASA Aufnahmen sieht der Fleck fast wie ein heller Schmetterling auf grauem Boden aus. Dunkle und helle Spuren ziehen sich vom Zentrum nach außen. Vor wenigen Wochen war dort noch kein Krater. Am 5. August schlug an dieser Stelle eine ausgediente Oberstufe einer Falcon 9 Rakete von SpaceX ein.

18 Meter ist das entstandene Loch breit, knapp drei Meter tief. Und während der Mond seit Milliarden Jahren von natürlichen Einschlägen gezeichnet wird, stammt diese neue Narbe von uns.

Über ein Jahr unterwegs

Die Raketenstufe startete bereits am 15. Jänner 2025. Damals brachte die Falcon 9 unter anderem den privaten Mondlander Blue Ghost 1 ins All. Nach dem Ende ihrer Aufgabe blieb die Oberstufe im Raum zwischen Erde und Mond zurück.

Sonnenaktivität und die Schwerkraft von Erde und Mond veränderten ihre Bahn über Monate. Schließlich stand fest: Am 5. August würde sie auf dem Mond einschlagen. Mit rund 8.700 Kilometern pro Stunde traf die Stufe nahe der Krater Einstein und Bell auf die Oberfläche.

Sechs Tage später flog der Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA über die Stelle. Die Sonde raste in rund 96 Kilometern Höhe über den Mond, während ihre Kameras auf den Einschlagsort gerichtet waren. Auf den Bildern erkennt man dunkles Material aus den oberen Bodenschichten und hellere Spuren von Gestein, das beim Aufprall aus größerer Tiefe herausgeschleudert wurde.

Plötzlich kam die Rakete Danuri nahe

Spannend ist auch, was vor dem Einschlag passierte. Ende Juni bemerkten Forschende des Korea Aerospace Research Institute die herannahende Raketenstufe. Gleichzeitig kreiste die südkoreanische Sonde Danuri um den Mond.

Die Bahn der Raketenstufe ließ sich zunächst nur mit größerer Unsicherheit berechnen. Eine mögliche nahe Begegnung mit Danuri konnte deshalb laut dem Forscher Eunhyeuk Kim nicht ausgeschlossen werden. Eine spätere Bahnänderung des Orbiters, ursprünglich wegen einer bevorstehenden Mondfinsternis geplant, veränderte seine Position. Die mögliche Annäherung war damit vom Tisch.

Aus einem alten Stück Rakete wurde damit plötzlich etwas, über dessen Flugbahn sich ein Team bei einer aktiven Mondmission Gedanken machen musste.

„Aus einem Ärgernis wird ein reales Risiko“

Der Luft und Raumfahrtingenieur Dean Sladen sieht darin einen Vorgeschmack auf die Zukunft. Unkontrollierte Raketenstufen könnten sich mit wachsender Infrastruktur am Mond „von einem kleinen Ärgernis zu einem realen Betriebsrisiko“ entwickeln.

Heute stehen auf dem Mond nur vereinzelte Geräte und Sonden. In den kommenden Jahrzehnten rechnen Raumfahrtagenturen mit deutlich stärkerem Verkehr zwischen Erde und Mond. Geplant werden neue Lander, Satelliten, Forschungsstationen und langfristig auch Aufenthalte von Menschen.

Auf dem Mond fehlt eine dichte Atmosphäre, die heranfliegende Teile abbremst. Bei einem Einschlag können Staub und Gestein mit hoher Geschwindigkeit weggeschleudert werden. Sladen warnt vor möglichen Schäden an Solaranlagen, Forschungsgeräten und später auch an Aufenthaltsbereichen für Astronautinnen und Astronauten.

Ein Einschlag ist für den Mond eigentlich Alltag

Der neue Krater klingt dramatisch. Für den Mond selbst ist die Energie des Einschlags jedoch nichts Außergewöhnliches. Laut NASA trifft ungefähr alle sechs Tage ein natürlicher Himmelskörper mit vergleichbarer Energie auf die Oberfläche.

Für Forschende ist der SpaceX Einschlag sogar wertvoll. Sie kennen den Zeitpunkt und die Flugbahn der Raketenstufe und können anschließend untersuchen, wie sich der Boden verändert hat. Solche Daten helfen bei der Erforschung von Einschlägen und der Geologie des Mondes.

Der Unterschied liegt woanders: Bei einem Meteoriten können wir kaum entscheiden, wo er landet. Bei unserem eigenen Weltraumschrott können wir Regeln entwickeln.

Rund um die Erde haben wir dieses Problem längst

Wie wichtig solche Regeln werden können, zeigt ein Blick näher zu uns. Rund 40.000 größere Objekte werden derzeit im Erdorbit verfolgt. Nur rund 11.000 davon sind aktive Nutzlasten. Die ESA schätzt die Zahl der Weltraumschrottteile über einem Zentimeter sogar auf über 1,2 Millionen.

Diese Teile können Satelliten beschädigen und Raumfahrt gefährlicher machen. Manche bleiben viele Jahre im Orbit. Die ESA warnt inzwischen davor, dieses Problem rund um den Mond zu wiederholen.

Der Raum zwischen Erde und Mond sei schon heute mit alten Raketenstufen und kleineren Objekten belastet. Moderne gemeinsame Regeln für Weltraumschrott greifen dort bisher nur eingeschränkt.

„Längerfristige menschliche Aktivität am Mond wird Weltraumschrott Beobachtung und Weltraumverkehrskoordinierung brauchen“, sagt Tim Flohrer, Leiter des Space Debris Office der ESA.

Wer räumt eigentlich im All auf?

Seit 1967 gilt der Weltraumvertrag der Vereinten Nationen. Staaten sollen bei der Erforschung des Alls schädliche Verunreinigungen von Himmelskörpern vermeiden. Für jede ausgediente Raketenstufe gibt es damit aber noch keinen einfachen internationalen Müllplan.

Auch ein Einschlag auf dem Mond kann unter bestimmten Bedingungen eine akzeptierte Form der Entsorgung sein. Die NASA erklärt, kontrollierte Einschläge könnten bei einigen Missionen praktisch und gut planbar sein. Problematischer wird es, wenn alte Objekte jahrelang unkontrolliert unterwegs bleiben und ihre Bahn nur schwer vorhersehbar ist.

Die ESA verfolgt deshalb das Ziel, bis 2030 bei ihren künftigen Missionen die Entstehung neuen Weltraumschrotts in Erd und Mondumlaufbahnen stark zu begrenzen.

Der nächste Müllplatz liegt 384.000 Kilometer entfernt

Für uns wirkt ein Stück Rakete auf dem Mond weit weg. Gleichzeitig entstehen die Regeln für diesen Raum heute. Wenn wir in einigen Jahrzehnten auf eine Nacht mit klarem Himmel schauen, könnte der Mond längst von Forschungsstationen, Satelliten und regelmäßigen Missionen umgeben sein.

Unsere Generation bekommt deshalb eine ungewöhnliche Aufgabe. Wir müssen lernen, einen Ort sauber zu halten, bevor dort überhaupt viele Menschen leben.

Auf dem NASA Bild bleibt am Ende ein kleiner heller Fleck auf einer riesigen grauen Fläche. 18 Meter breit. Für den Mond ist es nur ein weiterer Krater. Für uns könnte er etwas anderes sein: eine Warnung, bevor wir unseren Müll noch weiter von der Erde wegtragen.




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