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"Wir haben nur Männertoiletten": Warum meine Freundin keine Elektrikerin wird

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Volontärin · HLA Baden
13.02.2026
2 Min.

Gleichberechtigung gilt heute als selbstverständlich, zumindest in der Theorie. Doch in der Realität stoßen Frauen in sogenannten „Männerberufen“ noch immer auf Hindernisse. Die Geschichte meiner Freundin zeigt, wie schnell Motivation und Engagement an veralteten Denkweisen scheitern können.

Meine Freundin wollte Elektrikerin werden, doch weil sie eine Frau war, war sie unerwünscht. (Foto: Pexels von Tima Miroshnichenko)

Eine Freundin von mir wollte eine Lehre als Elektrikerin machen. Sie war motiviert, interessiert an dem Beruf und bereit, hart zu arbeiten. Also bewarb sie sich bei einem Betrieb. Doch statt einer fairen Chance bekam sie eine Absage. Nicht wegen mangelnder Fähigkeiten oder schlechter Noten, sondern weil sie eine Frau ist. Die Begründung war, dass es dort nur Männertoiletten gibt.

Sollte Arbeit heutzutage nicht gerechter geregelt sein?

In unserer modernen Gesellschaft sollte das Geschlecht keine Rolle spielen, wenn es um Berufe oder Ausbildungen geht. Eine fehlende Damentoilette ist kein wirkliches Hindernis, sondern ein organisatorisches Problem, das sich leicht lösen ließe.

Meine Freundin hakte natürlich nach, da sie sich das nicht gefallen lassen wollte. Außerdem wohnte sie nur etwa 100 Meter von dem Betrieb entfernt und meinte, es wäre kein Problem, in den Pausen kurz nach Hause zu gehen. Doch zunächst wartete sie eine Woche, dann drei Wochen, und schließlich vergingen Monate ohne eine Rückmeldung. Am Ende gab sie auf.

Keine faire Chance für Frauen?

Dieser Vorfall zeigt deutlich, dass Gleichberechtigung im Arbeitsleben noch nicht überall umgesetzt wird. Frauen werden trotz Motivation und Eignung benachteiligt und verlieren dadurch Chancen auf ihre berufliche Zukunft. Arbeit sollte nach Fähigkeiten, Einsatz und Interesse beurteilt werden – und nicht nach dem Geschlecht. Nur so kann eine faire und gerechte Arbeitswelt entstehen.

Der ÖGB schreibt dazu: „Dennoch gibt es sie: die Frauen, die sich in der Berufswelt der Männer behaupten.“ Wenn es also bereits Frauen gibt, die sich in solchen Berufen durchsetzen, warum wurde meiner Freundin diese Chance dann verwehrt? Sie wollte nichts geschenkt bekommen, nur die Möglichkeit, sich zu beweisen.

Solche Erfahrungen zeigen, dass es nicht nur Gesetze zur Gleichberechtigung braucht, sondern auch ein Umdenken in den Köpfen. Betriebe sollten offen dafür sein, Strukturen anzupassen, anstatt Bewerberinnen von vornherein auszuschließen. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel kann es sich kein Unternehmen leisten, motivierte und engagierte junge Menschen aufgrund ihres Geschlechts abzulehnen. Vielfalt im Betrieb kann neue Perspektiven bringen und das Arbeitsklima positiv beeinflussen.

Meine Freundin hätte eine faire Chance verdient, so wie jede andere Person auch. Wenn wir wirklich in einer gerechten Gesellschaft leben wollen, müssen Vorurteile und veraltete Rollenbilder endlich überwunden werden. Denn Talent kennt kein Geschlecht und Chancen sollten für alle gleich sein.




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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch den Österreichischen Rechtsanwaltskammertag.

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