Ungerecht behandelt fühle ich mich vor allem in Situationen, die zu meinem ganz normalen Alltag gehören. Besonders in der Schule fällt mir das auf. Manchmal habe ich das Gefühl, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler gleich behandelt werden. Zum Beispiel im Spanischunterricht: Wenn manche ihre Hausaufgaben vergessen, bekommen sie eine zweite Chance oder dürfen sie später nachreichen. Andere, auch ich, werden sofort ermahnt oder bekommen Minuspunkte, obwohl wir uns sonst immer Mühe geben. Das ist frustrierend, vor allem wenn man lernt, sich vorbereitet und trotzdem schlechter bewertet wird als jemand, der sich weniger anstrengt.
Auch bei Schulregeln passiert das. Sie gelten zwar offiziell für alle, werden aber nicht immer gleich durchgesetzt. Wenn einige im Unterricht mit dem Handy erwischt werden, passiert manchmal nichts. Wenn ich aber mein Handy nur kurz auf dem Tisch liegen habe, werde ich sofort ermahnt. Wenn man solche Dinge hinterfragt, heißt es schnell, man solle nicht diskutieren. Dadurch fühlt man sich nicht ernst genommen und sagt irgendwann lieber nichts mehr, obwohl es einen innerlich ärgert.
Gleicher Einsatz, unterschiedliche Chancen
Ungerechtigkeit erlebe ich auch im Sport, zum Beispiel beim Fußball im Verein. Ich trainiere zwei Mal pro Woche, bin fast nie krank und versuche im Training immer konzentriert mitzumachen. Bei einem Match bekam ich jedoch weniger Spielzeit als eine Mitspielerin, die in den Wochen davor öfter gefehlt hatte. Als ich den Trainer nach dem Spiel ruhig fragte, was ich besser machen könnte, sagte er nur, ich solle „Geduld haben“ und mich weiter anstrengen. Eine richtige Erklärung bekam ich nicht.
Zu jung, um gehört zu werden
Als junger Mensch ist es oft schwer, sich zu wehren. Erwachsene treffen Entscheidungen, ohne alles zu erklären, und erwarten trotzdem, dass man sie akzeptiert. Ein Beispiel dafür ist eine Situation mit einem Test. Ich hatte in einem Test eine schlechtere Note bekommen, weil mir angeblich wichtige Inhalte gefehlt haben. Als ich nach der Rückgabe ruhig nachfragte, welche Teile genau gemeint seien, wurde mir gesagt, ich solle die Note einfach akzeptieren und nicht diskutieren. Andere Schülerinnen durften ihre Ergebnisse dagegen ausführlich besprechen oder sogar einzelne Punkte zurückbekommen.
Ungerecht fühlte sich das an, weil ich nicht einmal die Chance bekam, meine Sicht zu erklären oder aus dem Fehler zu lernen. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass meine Fragen nicht ernst genommen wurden, nur weil ich eine Schülerin bin und die Entscheidung bereits von einer erwachsenen Person getroffen worden war.
Was für mich Gerechtigkeit bedeutet
Gerechtigkeit bedeutet für mich, fair behandelt zu werden, in der Schule, im Sport und im Alltag. Es geht nicht darum, immer recht zu haben, sondern darum, gehört zu werden und nachvollziehen zu können, warum Entscheidungen getroffen werden. Wenn Regeln für alle gelten und Leistungen gleich bewertet werden, fühlt man sich respektiert und ernst genommen, unabhängig vom Alter.
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