Menschen und ihr Handy
Heute auf dem Weg zur U-Bahn, zwischen dichtem Feierabendverkehr und dem Geräusch vorbeifahrender Straßenbahnen, ist mir aufgefallen, wie viele Menschen auf ihr Handy schauen. Eine Frau vor mir tippte schnell Nachrichten, ein Mann kam mir entgegen, den Blick fest auf seinen Bildschirm gerichtet und trotzdem sind wir uns nicht zusammengestoßen. Es wirkte fast choreografiert, als hätten wir alle unbewusst gelernt, einander auszuweichen, ohne wirklich hinzusehen.
In diesem Moment habe ich kurz gezögert und den Impuls gespürt, selbst mein Handy aus der Tasche zu holen. Nicht, weil ich etwas Wichtiges nachsehen musste, sondern einfach, weil es alle anderen auch taten. Das hat mich irritiert. Es fühlte sich an, als würde ich mich automatisch anpassen, ohne darüber nachzudenken.
Verlerntes Warten
An einer Ampel, direkt an einer lauten Kreuzung, stand ich zwischen mehreren Menschen und wartete. Autos rauschten vorbei, irgendwo hupte es, und die rote Ampel schien länger zu dauern als sonst. Obwohl ich keinen Zeitdruck hatte, merkte ich, wie sich in mir eine leichte Ungeduld ausbreitete. Ich schaute mehrmals auf das Ampelsignal, als könnte ich es dadurch schneller auf Grün wechseln lassen.
Gleichzeitig griff meine Hand fast automatisch nach meinem Handy. Ich zog sie bewusst wieder zurück und versuchte, einfach nur dazustehen. Das fiel mir überraschend schwer. Früher hätte ich solche Momente gar nicht bemerkt, aber heute fühlt sich selbst dieses kurze Warten wie eine Lücke an, die ich sofort füllen möchte. Das hat mich nachdenklich gemacht, vielleicht habe ich nicht das Warten verlernt, sondern die Fähigkeit, einfach nichts zu tun.
"Alles gut"
Später, in einem Gespräch in einem kleinen, eher ruhigen Raum, sagte mein Gegenüber mehrmals „Alles gut“. Die Worte klangen ruhig, aber in seiner Stimme lag eine leichte Spannung, und sein Blick wich immer wieder kurz aus. Es war kein deutlicher Widerspruch, eher ein feiner Unterschied, den man leicht überhören könnte.
Ich habe mich gefragt, warum ich diesen Moment so genau wahrnehme und wie oft ich solche Signale sonst einfach ignoriere, weil es einfacher ist, das Gesagte zu glauben. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich selbst solche Sätze benutze, ohne darüber nachzudenken. In diesem Moment habe ich mich ein bisschen ertappt gefühlt. Vielleicht sage ich auch manchmal „Alles gut“, obwohl es das gar nicht ist.
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