Das Handy zeigt an, dass die U-Bahn in zwei Minuten kommen sollte. Doch auf der Anzeigetafel erscheint plötzlich eine andere Nachricht: „Bitte benützen Sie die Ersatzlinie.“ Also wieder die Rolltreppe hinauf, den Schildern folgen und hoffen, dass im Bus noch ein Platz frei ist. Wer in diesen Tagen durch Wien fährt, kennt solche Situationen wahrscheinlich.
Nach der nächtlichen Sperre der U2 wegen Arbeiten am elektronischen Stellwerk folgt nun die nächste Einschränkung. Seit Montag fährt die U3 bis Ende August nicht zwischen Hütteldorfer Straße und Westbahnhof. Gleichzeitig bleibt auch ein Abschnitt der U4 gesperrt. Die Wiener Linien haben Ersatzverbindungen eingerichtet und auf mehreren Linien die Intervalle verdichtet. Fahrgäste sollten trotzdem etwa 15 Minuten mehr Reisezeit einplanen.
Warum gerade jetzt gebaut wird
Natürlich fragt man sich, warum ausgerechnet in den Ferien so viele Baustellen gleichzeitig stattfinden.
Die Wiener Linien begründen das mit notwendigen Modernisierungsarbeiten. Auf der U2 wurden Softwareupdates und technische Anpassungen am Stellwerk durchgeführt. Auf der U3 werden Weichen erneuert. Laut den Wiener Linien sind diese Arbeiten Teil des Modernisierungsprogramms „Netz erst recht!“, das das U-Bahn-Netz langfristig zuverlässiger machen soll.
Auch wenn die Sperren lästig sind, haben die Ferien einen Vorteil: Während dieser Zeit sind weniger Menschen unterwegs als während des Schuljahres. Deshalb können größere Bauarbeiten durchgeführt werden, ohne den Berufsverkehr das ganze Jahr über zu beeinträchtigen.
Zwischen Verständnis und Frust
Nicht alle reagieren gelassen auf die Einschränkungen. In sozialen Netzwerken berichten Fahrgäste von längeren Fahrzeiten, vollen Ersatzbussen und Problemen bei der Routenplanung. Besonders kritisiert wird, dass manche Apps Sperren zunächst nicht korrekt angezeigt haben.
Die Wiener Linien betonen hingegen, dass Ersatzlinien eingerichtet und stark genutzte Verbindungen verstärkt wurden. Für die U2-Sperre wurden unter anderem dichtere Intervalle auf der U1 sowie zusätzlichen Straßenbahn- und Buslinien angekündigt.
Ein paar Wochen Geduld können sich auszahlen
Für uns bedeutet das vor allem eines: öfter umsteigen, etwas früher losfahren und manchmal Geduld haben. Das nervt, besonders wenn man auf dem Weg zum Ferialjob, zum Sport oder zu Freundinnen und Freunden ist.
Trotzdem finde ich die Bauarbeiten richtig. Niemand freut sich über Sperren. Aber noch ärgerlicher wäre es, wenn notwendige Modernisierungen jahrelang verschoben würden und dadurch technische Probleme oder Störungen zunehmen. Entscheidend ist, dass wir während der Bauarbeiten gut informiert werden und Ersatzverbindungen zuverlässig funktionieren.
Ein paar Wochen längere Fahrzeiten sind mühsam. Wenn danach ein moderneres und zuverlässigeres Öffi-Netz fährt, profitieren wir am Ende aber alle davon.
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