Die Situation kennen wir wohl alle. Die Stimmung ist angespannt. Niemand sagt etwas, doch irgendwie fühlt sich selbst die Stille laut an. Und plötzlich fällt ein Satz, der genau ins Schwarze zu treffen scheint. nOft folgt wenig später eine Entschuldigung. „Tut mir leid. Das war nicht so gemeint.“ Doch obwohl der Streit längst vorbei ist, bleiben die Worte im Kopf.
Spricht Wut die Wahrheit?
Da beginnt die eigentliche Frage. War dieser Satz wirklich nur eine Reaktion aus dem Affekt? Oder wurde einfach etwas ausgesprochen, das schon lange gedacht, aber nie gesagt wurde? Viele behaupten, dass Menschen erst in der Wut ehrlich werden. Dass sie Dinge aussprechen, die sie sonst aus Rücksicht oder Angst verschweigen. Andere sehen es anders. Wut macht impulsiv. Sie lässt Menschen übertreiben, verletzende Worte wählen oder Dinge sagen, die sie später bereuen. Vielleicht stimmt beides ein bisschen.
Warum uns manche Worte so lange begleiten
Besonders schwierig wird es, wenn die Kritik von Menschen kommt, die uns gut kennen. Ihre Worte wirken oft glaubwürdiger als die eines Fremden. Vielleicht gerade deshalb beschäftigen sie uns noch lange nach dem Streit. Selbst wenn die andere Person längst gesagt hat: „Das war nicht so gemeint.“ Dort beginnt das Grübeln. War es wirklich nur die Wut? Oder steckt doch ein kleiner Teil Wahrheit darin?
Vielleicht gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Ob Wut die Wahrheit sagt oder nicht, lässt sich wahrscheinlich nie eindeutig beantworten. Was wir aber beeinflussen können, ist der Umgang mit unserer eigenen Wut. Ich merke selbst, dass es oft hilft, nicht sofort zu antworten. Manchmal reichen schon ein paar Minuten, damit aus verletzenden Worten ehrliche Worte werden. Denn ausgesprochen sind Sätze in wenigen Sekunden, zurückholen kann man sie nicht mehr. Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, wer im Streit recht hat, sondern darum, einen Streit gar nicht erst so weit kommen zu lassen.
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