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Trump wurde von Amerikanern gewählt. Nicht von mir. Dennoch hab ich wegen ihm ein Problem

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Volontär · BRG Kufstein
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16.04.2026
3 Min.

Als Trump anfing, massive Zölle auf China, Europa und Kanada anzukündigen, dachte ich: Was geht mich das an? Ich bin 15 und lebe in Kufstein. Zwei Wochen später kosteten meine Lieblings-Trainingsschuhe plötzlich 50 Euro mehr, und mein Vater stand an der Tankstelle und schimpfte laut vor sich hin.

Trump hat gut lachen, während wir den Preis für seinen Wahnsinn zahlen. (Foto: shutterstock)

Der Moment an der Tankstelle

Es war ein ganz normaler Donnerstag. Mein Vater hat mich nach dem Judotraining abgeholt, wir fahren kurz zur Tankstelle. Er schaut auf die Anzeige, schüttelt den Kopf und sagt: „Schon wieder. Das wird langsam ein Witz."

Ich fragte, warum der Sprit schon wieder teurer ist. Er meinte nur: „Naher Osten, Handelskriege, alles hängt zusammen." Ich hab das damals halb gehört. Aber seitdem lässt mich dieser Satz nicht los.

Der Krieg im Nahen Osten läuft schon so lange, dass er in den Nachrichten fast zur Kulisse geworden ist. Dabei treibt die Unsicherheit dort die Ölpreise. Gleichzeitig heizt Trumps Handelskrieg die globalen Märkte auf. Beides zusammen landet direkt an unserer Zapfsäule. Mein Vater zahlt mehr, ich zahle mehr, jeder zahlt mehr.

Ein Tweet, meine Laufschuhe

Zwei Tage nachdem Trump die 60-Prozent-Zölle auf chinesische Waren ankündigte, wollte ich mir neue Laufschuhe kaufen. Die Nike, die ich seit Monaten im Auge hatte: 180 statt 130 Euro. „Wegen gestiegener Importkosten", stand auf der Website.

Ich checkte andere Marken. Überall dasselbe. Entweder teurer oder ausverkauft, weil die Händler selbst nicht wussten, was die nächste Lieferung kosten würde. Da klickte es bei mir. Das ist nicht irgendwo in Amerika. Das ist hier, bei mir, in meinem Alltag.

Ich zahle für Entscheidungen, die ich nie getroffen habe

Ich bin 15. Ich darf nicht wählen, nicht mitbestimmen, gar nichts. Aber ich darf die Rechnung zahlen. Trump wurde von Amerikanern gewählt. Nicht von mir. Gleichzeitig treiben Konflikte im Nahen Osten, auf die ich noch weniger Einfluss habe, die Energiepreise hoch. Zwei Krisen auf zwei verschiedenen Kontinenten, und ich stehe mittendrin, ohne auch nur einmal gefragt worden zu sein.

Das Absurde: Trump tut so, als würde China die Zölle zahlen. Mein Mathelehrer hat es im Unterricht besser erklärt als jeder Politiker: „Zölle sind eine Steuer. Und die zahlen immer die Konsumenten." Also ich. Also mein Vater an der Zapfsäule. Also die Familie des Bekannten meiner Eltern, der Maschinen aus den USA importiert und jetzt weniger Aufträge hat.

Was mich wirklich beschäftigt

Wenn Klassenkameraden sagen, ich soll einfach weniger kaufen, dann verfehlen sie den Punkt. Klar, ein neues Handy ist Luxus. Aber wenn Grundnahrungsmittel teurer werden, weil Dünger aus China kommt, kann ich nicht einfach weniger essen. Wenn Medikamente teurer werden, weil Wirkstoffe aus Asien kommen, kann ich nicht einfach gesund bleiben wollen.

Das sind keine Luxusprobleme. Das sind reale Konsequenzen für echte Menschen.

Und in der Zwischenzeit läuft der Krieg im Nahen Osten weiter. Die Märkte zittern. Trump postet auf Truth Social. Mein Vater tankt.

Was ich jetzt weiß

Politik ist nicht abstrakt. Politik ist der Benzinpreis, über den mein Vater flucht. Politik ist, wenn meine Trainingsausrüstung plötzlich unbezahlbar wird. Politik ist, wenn ein Wahnsinniger in Washington und ein Krieg tausende Kilometer entfernt zusammen meinen Alltag bestimmen, während ich in Kufstein sitze und nichts dagegen tun kann.

Früher dachte ich, der Rest der Welt ist weit weg. Jetzt weiß ich: Er ist an unserer Zapfsäule.



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