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Traut euch! Warum Frauen in die Politik gehen sollten

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Volontärin · Privates ORG Vöcklabruck
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11.02.2026
3 Min.

Politik betrifft uns alle, doch noch immer sind Frauen in politischen Ämtern deutlich unterrepräsentiert. Dabei zeigen gerade junge Frauen immer öfter, dass sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, mitzudenken und mitzugestalten. Was brauchen wir also, damit mehr von ihnen den Schritt in die Politik wagen? Vier Politikerinnen sagen es uns.

Warum mehr Frauen in die Politik gehen sollten und wie wir das erreichen. (Foto: Pexels)

„Ernsthaft? Wie konnte das passieren? So kann es nicht weitergehen.“  

In der hinteren Ecke des Klassenzimmers sitzen Mädchen an einem Tisch. Statt über Serien, Mode oder Beauty-Trends reden sie über Politik. Über Vertrauen in die Politik, über Bildungsgerechtigkeit, über Macht und Mitsprache. Sie diskutieren, widersprechen einander, suchen nach Lösungen. Sie sehen Politik nicht als abstrakten Begriff aus dem Wörterbuch, sondern als Teil ihres Alltags, etwas, das ihr eigenes Leben betrifft.  

 So sieht meine Idealvorstellung aus. Politik als etwas Lebendiges, Greifbares, verhandelt von jungen Menschen, die wissen, worum es geht. Um uns.  

Doch diese Vision realisiert sich nicht von selbst. Sie braucht Mädchen und Frauen, die sich einmischen und ihre Stimme erheben und Politik nicht länger als etwas betrachten, das „die anderen“ machen. 

Wenn Frauen fehlen

Noch immer fehlen Frauen in der Politik. Im Österreichischen Nationalrat sitzen nur rund ein Drittel weibliche Abgeordnete. Nur elf Prozent der Bürgermeister*innen sind weiblich. Warum so wenige? Und wie schaffen es Frauen, sich in einem männerdominierten Umfeld durchzusetzen? 

Auf diese Fragen antworten vier Politikerinnen in meiner Umfrage. Sie alle haben ein persönliches Ziel, wofür sie sich einsetzen und das sie anspornt, sich politisch zu engagieren. Eine innere Motivation, die sie antreibt.  

Bei Julia Bammer, Neos-Landtagsabgeordnete aus Oberösterreich, ist es der Wunsch nach einem unbeschwerten Aufwachsen ihrer Kinder. Im Fall von Bianca Lindinger, Stadträtin der SPÖ in Vöcklabruck, ist es schlicht der Drang nach Veränderung. „Ich habe mir immer gedacht: Jammern kann ja jeder. Wenn ich wirklich etwas verändern will, dann geht das nur, wenn ich mich politisch engagiere“, sagt sie.  

 Christa Raggl-Mühlberger, Welser FPÖ-Vizebürgermeisterin, sieht ihren Grund in der Nähe zu den Menschen, die sie bewegt und antreibt. Claudia Plakolm, Bundesobfrau der Jungen ÖVP und Bundesministerin für Integration, Familie und Europa, schätzt besonders die Zusammenarbeit mit Jugendlichen sowie ihre Anliegen ernst zu nehmen und mitzuhelfen, ihre Herausforderungen zu lösen. Im Interview sagt sie: „Wir brauchen junge Menschen, die etwas verändern und verbessern wollen, und die nicht nur das Schlechte in der Welt sehen, sondern die ein Problem sehen, sofort eine Lösung suchen und dann auch miteinander auf gute Ideen kommen.“  

Weitermachen, komme, was wolle

Für diese Ziele kämpfen diese Frauen, jedoch nicht ohne Gegenwind. Es gibt Hürden, die vor allem für Mütter politische Mitgestaltung erschweren. Eine der größten ist die ständige Herausforderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Politische Termine reichen oft bis in den Abend, während parallel Aufgaben weiterlaufen, die in keinem Kalender stehen, wie Kinderbetreuung, Haushalt und Care-Arbeit. Wie Bianca Lindinger sagt, lassen sich viele dieser Termine nicht verschieben, weshalb ein unterstützendes Umfeld wichtig ist.  

Ich habe ebenfalls die Frage gestellt, ob es Frauen in der Politik schwerer haben als Männer. Die Antworten darauf sind gemischt. „Frauen müssen sich auf alle Fälle in der Politik stärker beweisen“, sagt dazu Raggl-Mühlberger. Auch Plakolm stimmt dem zu. Meine beiden anderen Interviewpartnerinnen, Julia Bammer und Bianca Lindinger, berichten hier von keinen negativen Erfahrungen.  

Die schönen Momente überwiegen laut den Aussagen jedoch eindeutig. Alle schätzen den direkten Austausch mit den Menschen und bereuen den Schritt in die Politik nicht.  

Können vor allem Politikerinnen das Wählervertrauen in die Demokratie wieder herstellen? „Ich glaube, sie ändern das Bild von Politik zum Positiven. Es wäre demokratischer, wenn der Anteil der Frauen in der Politik dort liegen würde, wo er auch in der Bevölkerung liegt. Bei fünfzig Prozent“, sagt Plakolm.Ähnlich antworteten auch die anderen Politikerinnen. In Zeiten von Politikverdrossenheit sei es wichtig, konstruktiv und ehrlich Politik zu gestalten, meinen sie alle. 

Auf den Weg zu meiner Idealvorstellung gibt es vielleicht noch ein paar Hindernisse, doch jede von uns hat die Chance, die Zukunft mitzugestalten. 

Das zeigten mir auch die Interviews, in denen sich die Politikerinnen für mich Zeit nahmen, über ihre Motivation für politisches Engagement zu erzählen. „Traut’s euch. Probiert es aus“, sagt Plakolm. Das halte ich für eine wichtige Botschaft für politisch interessierte junge Frauen. Finden wir den Mut und die Kraft, Politik aktiv mitzugestalten, kann der Traum Realität werden.  




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