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Traumberuf Influencer - und warum fast keiner davon leben kann

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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13.08.2026
4 Min.

Fragt man heute in einer Klasse, was alle mal werden wollen, sagt fast die Hälfte: Influencer oder Creator. Kein Wunder, der Job sieht nach Freiheit, Spaß und Geld aus. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. In Deutschland gibt es rund 440.000 Influencer. Nur etwa 6,8 Prozent von ihnen verdienen genug, um davon zu leben. Ein Blick auf einen Traum und seine Kehrseite.

Frei sein, Spaß haben, Geld verdienen: Der Traumberuf Influencer lockt fast jeden Zweiten - doch nur rund sieben von hundert können wirklich davon leben. (Foto: Hanna Pad)

„Was willst du mal werden?" Diese Frage kennt jeder von uns. Früher kamen Antworten wie Ärztin, Polizist oder Fußballprofi. Heute sagen viele: YouTuber, TikTokerin, Influencer. Ein Handy, eine gute Idee, und schon verdient man Geld, während man macht, was Spaß macht. So sieht der Traum aus. Doch zwischen diesem Traum und der Wirklichkeit liegt eine ziemlich große Lücke.

Warum der Traum so verlockt

Es ist leicht zu verstehen, warum so viele diesen Beruf wollen. Influencer wirken frei. Sie reisen, probieren coole Sachen aus und scheinen ihr Hobby einfach zum Job gemacht zu haben. Kein Chef, keine festen Zeiten, kein langweiliges Büro. Dazu das Geld, das manche Stars mit einem einzigen Werbevideo verdienen. Genau dieses Bild sehen wir jeden Tag im Feed. Was wir dagegen fast nie sehen, ist die Arbeit dahinter, das ständige Filmen, Schneiden und Hochladen, oft ohne dass jemand zuschaut.

Wie viele es wirklich wollen

Der Wunsch ist längst kein Einzelfall mehr. Laut einer Umfrage der PFH Private Hochschule Göttingen will fast die Hälfte aller Maturantinnen und Maturanten Influencer oder Creator werden. Ein Creator ist jemand, der im Internet eigene Videos, Fotos oder Texte macht. Die Eltern sehen das oft mit Sorge: Rund 60 Prozent haben Bedenken und wissen häufig gar nicht, wie man mit so einer Tätigkeit überhaupt Geld verdient. Interessant ist aber: Dieselben Jugendlichen halten eine normale Ausbildung weiterhin für wichtig. Der Traum ersetzt die Schule also nicht, er kommt obendrauf.

Ein riesiger Markt

Dass hinter dem Ganzen echtes Geld steckt, ist keine Einbildung. „Der geschätzte Umsatz der Branche beträgt weltweit rund 90 Milliarden Dollar", sagt Julian Voss, BWL-Professor an der PFH Private Hochschule Göttingen. Firmen zahlen viel Geld dafür, dass Influencer ihre Produkte zeigen, weil ihnen die Fans oft mehr glauben als einer normalen Werbung. Allein in Deutschland wurden 2025 dafür rund 827 Millionen Euro ausgegeben. Der Markt ist also echt und groß. Die Frage ist nur, wer von diesem Geld tatsächlich etwas abbekommt.

Die andere Seite der Zahlen

Und hier wird der Traum schnell nüchtern. In Deutschland gibt es laut einer Marktanalyse rund 440.000 Influencer. Doch nur etwa 29.900 von ihnen verdienen genug, um wirklich davon zu leben, also mindestens 4.000 Euro netto im Monat. Das sind gerade einmal 6,8 Prozent. Anders gesagt: Von hundert Influencern schaffen es nur rund sieben, damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Selbst für jemanden, der schon eine Weile dabei ist, liegt die Chance bei etwa eins zu fünfzehn. Für alle, die neu anfangen, ist sie noch viel kleiner. Die meisten bekommen laut Fachleuten als kleine Influencer nur rund 50 bis 250 Euro pro Werbepost, wenn überhaupt.

Ein Job ohne festes Gehalt

Was viele auch übersehen: Influencer ist kein normaler Job mit fixem Gehalt. Man ist selbstständig, also eine Art eigene kleine Firma. Das heißt: Steuern selbst zahlen, sich selbst versichern, alles allein organisieren. Kommt in einem Monat kein Auftrag, kommt auch kein Geld. Dazu der ständige Druck, immer neue Videos zu liefern, weil einen der Algorithmus sonst schnell vergisst. Der Algorithmus ist das Programm, das entscheidet, welche Videos vielen Leuten gezeigt werden. Genau dieser Druck führt bei vielen Creatorn irgendwann zu Erschöpfung.

Wie wir das sehen

Am Ende führt der Realitäts-Check zu einer Grundfrage: Wie wichtig ist ein sicherer Job überhaupt? Und da gehen die Meinungen bei uns auseinander. Für die einen wäre das Ideal, beides zu haben. „Wenn ich das Gefühl hätte, dass ich damit gut verdienen kann und es mir trotzdem taugt, wär's natürlich ideal", sagt Lena, 17, Gymnasiastin aus Wien. Sie würde sich aber nicht allein wegen der Sicherheit für etwas entscheiden, das sie nicht interessiert. Anderen ist der Traum schlicht zu unsicher. „Gerade wenn man sieht, wie schnell sich durch Social Media und KI ganze Jobs verändern können", sagt David, 18, Gymnasiast aus Wien, würde er lieber etwas lernen, von dem er weiß, dass es in ein paar Jahren noch gefragt ist. Genau dieser Unterschied entscheidet oft, ob die Unsicherheit des Influencer-Daseins abschreckt oder nicht.

Was man trotzdem lernt

Ganz umsonst ist der Versuch aber nicht. Wer selbst Videos macht, lernt eine Menge, das auch in anderen Berufen wertvoll ist. Zum Beispiel, wie man filmt und schneidet, wie Werbung funktioniert, wie man sich selbst organisiert und vor der Kamera redet. Das sind echte Fähigkeiten, die später in vielen Jobs helfen. Genau deshalb raten Fachleute, das Ganze als Hobby oder Nebenprojekt zu starten und nicht die Schule oder Ausbildung dafür hinzuwerfen. Wer es wirklich schaffen will, hat mit einem sicheren zweiten Standbein einfach die besseren Karten.

Zurück zur Frage in der Klasse

„Was willst du mal werden?" Wenn beim nächsten Mal wieder die halbe Klasse Influencer sagt, ist das gar nicht dumm, sondern ehrlich. Der Beruf ist echt, der Markt ist riesig, und ein paar wenige leben richtig gut davon. Nur lohnt sich vielleicht neben dem Blick auf die Stars auch ein Blick auf die vielen, die man nie sieht. Auf die 93 von 100, die es eben nicht schaffen. Denn wer das weiß und es trotzdem probiert, träumt nicht bloß, sondern plant.


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