Training für den Ernstfall: Wie Impfungen unser Immunsystem aufrüsten

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Volontär · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
13.02.2026
5 Min.

Impfungen sind ein eher kontroverses Thema. Viele sind der Meinung, dass sie essenziell für ein gesundes Leben sind, andere hingegen haben Angst vor ihnen. Doch was passiert in unserem Körper bei einer Impfung eigentlich und wie kann es sein, dass uns eine winzige Nadel vor tödlichen Krankheiten schützt?

Unser Immunsystem kämpft jeden Tag in einem endlosen Kampf für unsere Gesundheit. Helfen wir ihm mit Impfungen. (Foto: unsplash/Mathurin NAPOLY / matnapo )

Impfungen sind ein eher kontroverses Thema. Viele sind der Meinung, sie seien essenziell für ein gesundes Leben, andere hingegen haben Angst vor ihnen. Doch was passiert in unserem Körper bei einer Impfung eigentlich, und wie kann es sein, dass uns eine winzige Nadel vor tödlichen Krankheiten schützt? Wie oftmals, hat sich unser Körper da eine Reihe von erstaunlichen Verteidigungsmechanismen überlegt. Immer wieder bringt mich unsere eigene Natur zum Staunen und dich hoffentlich auch gleich.

Der Krieg um Gesundheit

Um zu verstehen, wie Impfungen funktionieren, müssen wir uns unser Immunsystem genauer anschauen. Im Prinzip ist unser Immunsystem eine Art Schlachtfeld mit Truppen, die alle ihre eigenen Aufgaben haben. Unser Körper wird täglich dutzende Male von verschiedensten Bakterien und Viren angegriffen. Der Grund dafür ist, dass wir fast überall in unserem Leben mit solchen in Kontakt treten. Auch wenn wir es nie merken, atmen wir zum Beispiel in der Nähe einer kranken Person oftmals genau diese Viren über die Luft ein oder stecken uns über Türklinken, etc. an.

Nun aber zurück zu unserem Immunsystem. Die drei wichtigsten Rollen sind die „Soldaten“, die „Späher“ (Informationssammler) und die „Waffenfabriken“. Das mag jetzt etwas verwirrend klingen, weswegen ich die Aufgabe jeder dieser Zelltypen kurz runterbreche.

Die Soldaten (Phagozyten)

Unsere Soldaten sind hauptsächlich spezialisierte weiße Blutkörperchen. Sie sind unsere erste Verteidigungslinie und kommen mit den meisten „Eindringlingen“ gut zurecht. Die Zellen umschließen quasi einen Erreger und zersetzen ihn dann in ihrem Inneren. Das passiert in jedem von uns täglich bis zu 60.000-mal ohne, dass wir irgendetwas davon mitbekommen. Falls dein Körper jedoch in Kontakt mit einem neuen Erreger oder einer Infektion kommt, kommt die nächste Verteidigungslinie ins Spiel.

Die Späher / Informationssammler (Dendritische Zellen)

Die Informationssammler heißen nicht ohne Grund so. Wenn sie nämlich, wie bereits erwähnt, in Kontakt mit ernsteren Erregern kommen, sammeln sie die nötigen Informationen über den Angreifer und aktivieren die nächste Phase.

Die Waffenfabriken (B-Zellen)

Diese winzigen „Waffenfabriken“ sind entscheidend, um unseren Körper vor Eindringlingen zu schützen. Sie sind meiner Meinung nach die spannendsten und beeindruckendsten Zellen in unserem Immunsystem.

Ihre Rolle ist ziemlich klar definiert. Wenn sie die Informationen von den zuvor erwähnten „Spähern“ bekommen, sorgen sie dafür, dass sogenannte Antikörper gebildet werden. Du kannst dir Antikörper wie eine Art Torpedo vorstellen. Sie sind dafür ausgelegt genau die Zellen anzugreifen, die die Späher zuvor als problematisch beziehungsweise gefährlich eingestuft haben.

Im Vergleich zu den Soldaten, kann es in diesem Fall Tage dauern, bis die richtigen Torpedos abgefeuert werden. Somit erhält der Erreger eine Menge Zeit um uns zu Schaden.

Damit unser Körper diesen langen Prozess nicht jedes Mal erneut durchstehen muss, hat sich unser Immunsystem etwas schlaues einfallen lassen. Nach einem solchen starken Angriff, werden Gedächtniszellen gebildet. Diese enthalten genau den Bauplan, den unsere Waffenfabriken für den Fall einer erneuten Infektion brauchen. Sie verweilen teils Jahre in einer Art Tiefschlaf. Genau so wird unser Körper dauerhaft (oder für einen bestimmten Zeitraum) immun gegen Krankheiten, denen wir zuvor ausgesetzt waren. Somit werden wir im Verlauf unseres Lebens immer resistenter gegen alle möglichen Erreger.  

Und was hat das mit Impfungen zu tun?

Impfungen nutzen genau diesen komplexen Schutzmechanismus, um die Herstellung solcher Gedächtniszellen zu ermöglichen, ohne dass wir uns zufällig mit dem jeweiligen Erreger infizieren müssen. Der große Vorteil gegenüber der herkömmlichen Methode Gedächtniszellen zu bilden, liegt klar darin, dass wir unsere Gesundheit nicht riskieren. Für uns Jugendliche mag solch eine Infektion in den meisten Fällen nur ein zweitägiger Netflix-Marathon zuhause bedeuten, für ältere Menschen, oder Menschen mit einem schwachen Immunsystem, kann eine einzige Infektion aber schon zwischen Leben und Tod entscheiden.


Nur ein kleiner Piecks – Wie Impfungen funktionieren

Wenn wir uns impfen lassen, simulieren wir den Ernstfall eines Angriffs des jeweiligen Erregers. Das Ziel dahinter ist es wie gesagt, den Körper zu immunisieren. Bei einer herkömmlichen Injektion eines Impfstoffs, werden entweder tote (Totimpfstoff) oder lebendige, aber abgeschwächte Krankheitserreger (Lebendimpfstoff) in den Körper injiziert. Von da an läuft der dir bereits bekannte Ablauf wie üblich ab.

Späher > Waffenfabrik > Gedächtniszellen

Der Unterschied zu einer herkömmlichen Infektion liegt darin, dass es der Krankheit schwer, oder sogar unmöglich gemacht wird, dem Körper merkbaren Schaden zuzufügen.

Der Lebendimpfstoff wird oftmals präferiert, da durch ihn meist mehr Gedächtniszellen und somit eine stärkere Immunität gebildet werden können. Nachteile sind aber zum Beispiel, dass man sich ein paar Tage nach der Impfung geschwächt fühlen könnte, weil man eben trotzdem dem Erreger ausgesetzt wird. Bei den meisten Menschen sind diese Nebenwirkungen jedoch gering. 

Warum Impfungen ein „Segen“ für uns sind

Um zu verstehen, warum wir uns heutzutage impfen lassen (können), müssen wir etwas in die Vergangenheit reisen. Die längste Zeit unserer Menschheitsgeschichte waren wir allen möglichen Krankheitserregern schutzlos ausgesetzt. Man könnte sie nahezu endlos aufzählen: Pocken, Masern, Pest, etc. Es hätten deutlich weniger Menschen ihr Leben verloren, wenn die damalige Medizin die Methoden von heute gehabt hätte.

Heutzutage haben wir für die meisten infektiösen Krankheiten Impfstoffe, die einerseits so wirksam wie nie zuvor und gleichzeitig auch so sicher wie nie zuvor sind. Trotzdem weigern sich einige sich oder ihre Kinder impfen zu lassen. Warum das ein irrtümlicher Gedanke ist, wird in folgendem Beispiel ziemlich gut veranschaulicht. Darin werden die ernsthaften und tödlichen Folgen einer Masernerkrankung, den Folgen von einer Masern Impfung bei Kindern gegenübergestellt.

Wenn wir uns die Zahlen bezüglich Gehirnentzündungen (encephalitis) anschauen, liegt das Verhältnis von betroffenen Kindern (pro Million) bei 2000:1. Bei einem anderen ernsthaften Symptom liegt das Verhältnis bei 3000:26. Anhand dieser nachgewiesenen Fälle wird deutlich, dass die Vorteile einer Impfung, gegenüber den Risiken, weit überwiegen.

Schlussfolgernd kann man also sagen, dass wir als Menschen dafür dankbar sein sollten, dass wir solche Möglichkeiten zum Selbstschutz geboten bekommen. Trotzdem haben wir es als Europäer:innen um einiges besser als Menschen in anderen Teilen der Erde, weswegen wir diese Möglichkeit umso mehr wertschätzen sollten.

Unserem Immunsystem zu Liebe, uns selbst zu Liebe und vor allem den Schwächeren um uns herum zu Liebe.


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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die medizinische Universität Wien.

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