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Tradwives - Ein (Alb-) Traum?

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Volontärin · Kollegium Aloisianum
3 Kommentare
11.02.2026
3 Min.

Zurück an den Herd...

Die sogenannten Tradwives führen ein Leben, das wie ein Traum aus vergangenen Zeiten wirkt. Sie publizieren dieses im Hochglanzformat in den sozialen Medien. Hinter der perfekten Idylle steckt oft ein Widerspruch: Influencerinnen verdienen Millionen während Nachahmerinnen im Alltag mit Abhängigkeit, Doppelbelastung und verpassten Chancen konfrontiert sind. Dieser Trend aus den USA sorgt für Diskussionen über das Rollenbild der Frauen.

Eine Idylle mit Risiko (Foto: Stutterstock)

Kühe melken, Mehl produzieren, Tiere füttern. Unter dem Namen „Ballerina Farm“ zeigt Hannah Neeleman aus Amerika, wie sie ihre Großfamilie, bestehend aus acht Kindern, und Farm versorgt. Was für die meisten surreal scheint, ist für Hannah Neeleman Alltag. 

Hannah Neeleman ist eine Tradwife. Mit ihren Videos erreicht sie mehr als zehn Millionen Follower*innen in den sozialen Medien. Seit dem Beginn der Coronazeit begeistern sich immer mehr Frauen für diesen Trend. Sie verzichten auf Karriere und definieren sich über ihre Rolle als Hausfrau, Mutter und Erzieherin. Nun scheint der aus den USA stammende Trend auch in Europa Anhänger*innen zu finden.

Das Geschäftsmodell der Tradwives

Die Social-Media-Tradwives wollen ein „Leben hinter dem Herd“ schmackhaft machen und vermitteln dabei, wie unproblematisch es sei, Finanzielles dem Mann zu überlassen. Diese Abhängigkeit, in die Nachahmerinnen fallen, ist bei den Influencerinnen allerdings nicht gegeben. Diese sind genau genommen erfolgreiche Geschäftsfrauen, die keineswegs von ihren Ehemännern abhängig sind. Sie führen Unternehmen und haben Produktpartnerschaften, die Millionen einbringen. Die Produktion makelloser Videos ist harte Arbeit und erfordert ein großes Team von bis zu fünf Personen. Viele Tradwives verkaufen zusätzlich eigene Produkte zu völlig überzogenen Preisen. Ein prominentes Beispiel dafür ist Meghan Markle, die unter der Marke „as ever“ Lebensmittel verkauft. 

Doch was passiert mit den Frauen, die sich von den Influencerinnen beeinflussen lassen und ihr Leben dem Haushalt opfern? Freiwillig eingesperrt in ihrer Küchenromantik stellen sie womöglich eines Tages fest, wie viel besser es gewesen wäre, eine Ausbildung abzuschließen, statt über Rezepten zu brüten. Anfangs fühlt es sich vielleicht richtig an, sich intensiv um Mann, Haus und Kinder zu kümmern. Doch was bleibt, wenn sich Frauen zu spät fragen: „Was will ich eigentlich?“ und Träume immer auf später verschieben? Lebenslängliche Abhängigkeit und das Gefühl, andere messen sie nur daran, wie gut sie dient, statt wer sie ist. Das ist der Anfang vom Ende der eigenen Stimme.

Ein Trend, der aus der Vergangenheit kommt

Der Lebensstil der amerikanischen Nachkriegszeit setzte sich durch, weil dazumal Werbung, Film und Magazine das Bild der perfekten Hausfrau stark förderten. Heutzutage preisen aber weder Politik, Presse noch gesellschaftliche Gruppierungen das Comeback an. Feministische Bewegungen warnen Frauen davor, ihre Karriere und Selbständigkeit zurückzustellen.

Tradwives, die es auch in Europa gibt

Während es in den USA viele weitere Retro-Influencerinnen mit mehreren Hunderttausend Anhänger*innen gibt, handelt es sich bei den europäischen Kolleginnen um viele kleinere, lokale Tradwives. Bekanntheit erlangte nur Alena Kate Pettitt aus England, die mittlerweile in Australien lebt. In ihren Büchern und Videos gibt sie Tipps, wie Frauen Ehe und Haushalt meistern können.

Fehlende Einrichtungen begünstigen ein Leben als Tradwife

Laura Wiednig leitet die Frauen- und Gleichstellungspolitik-Abteilung der Arbeiterkammer in Oberösterreich. Sie sagt: „Finanzielle Abhängigkeit vom Ehepartner, fehlende rechtliche Absicherung, Machtungleichgewicht und die langfristigen Folgen eines Ausstiegs aus dem Erwerbsleben, wie keine Pensionsbeiträge, stellen langfristig große Probleme und Konsequenzen dar, die besonders junge Frauen nicht bedenken.“

Anhänger*innen dieser Bewegung betonen die Freiwilligkeit der Tradwives, dieses Lebenskonzept zu wählen. Auch befürworten sie Selbstversorgung und Sparsamkeit. Was nach persönlicher Entscheidung aussieht, ist laut Laura Wiednig jedoch aufgrund von strukturellen Schwierigkeiten nötig. Dazu gehören unter anderem Teilzeitarbeit wegen fehlender Kinderbetreuungsplätze und als Folge davon ein niedrigeres Einkommen, unbezahlte Arbeit im Haushalt sowie eine Überforderung wegen der Doppelbelastung von Beruf und familiären Verpflichtungen. 

Ob die Tradwives-Bewegung Ausdruck selbstbestimmter Lebenswahl oder eine Rückkehr in überholte Rollenbilder ist, bleibt offen. Sie entfacht eine gesellschaftliche Debatte, die zeigt, wie umstritten das Verständnis von Freiheit, Gleichberechtigung und moderner Lebensgestaltung auch im 21. Jahrhundert ist.




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Kommentare

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    vor 2 Wochen Vitus pflegerschauer
    Dieser Artikel hat mich sehr berührt und es hat mir auch wichtige Sachen fürs Leben gelehrt.
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    vor 2 Wochen Rea Geretschläger
    Wie schön, dass Maya sich bereits mit ihren jungen Jahren für so wichtige Themen wie Gleichberechtigung, Rollenbilder und das gesellschaftliche und politisch instrumentalisierte Bild der Frau einsetzt. Als Mama einer kleinen Tochter ist es mir umso mehr ein Anliegen, dass diese Debatte noch sichtbarer gemacht wird, denn wir sind noch lange nicht von Männern unabhängig, solange diese Macht und Druck auf uns ausüben. Danke Maya - gerne mehr davon!
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    vor 1 Woche Julia Leitner
    Wow, ein toller und sehr informativer Artikel. Ich finde es sehr beeindruckend wie gut recherchiert und kurzweilig der Artikel geschrieben ist. Ich freue mich schon auf weitere Artikel von Maya!