Perchtenläufe sind tief in der österreichischen Tradition verwurzelt. Mächtiges Fell, gruselige Masken und lautes Glockengeläut prägen das Bild und versprechen ein beeindruckendes Spektakel. Leider kommt es immer wieder vor, dass einige maskierte Figuren ihre Rolle ausnutzen und ahnungslose Besucher angreifen. So gab es etwa im Vorjahr einen Fall in Kärnten, bei dem eine Frau bei einem Perchtenlauf durch Faustschläge schwer verletzt wurde. Solche Vorfälle zeigen, dass der gruselige Auftritt der Perchten mitunter missbraucht werden kann und dass die Furcht mancher Besucher sehr real ist. Deshalb sollten wir lieber vorsichtig sein, wenn das rege, lustige Treiben wieder losgeht.
Perchtenläufe starten traditionell in der Adventszeit, also meist ab Anfang Dezember und ziehen sich bis Anfang Januar hin. Der Höhepunkt liegt rund um den Nikolaustag (6. Dezember) und besonders am 5. und 6. Dezember, wenn die „Krampusläufe“ stattfinden, da die Perchten und Krampusse in der Nacht vor dem Nikolaustag durch die Dörfer ziehen. Die genauen Termine variieren je nach Region.
Perchten machen Angst
Viele Faktoren tragen dazu bei, dass Perchtenläufe Angst und Beklemmung auslösen können. Die Masken verbergen menschliche Mimik und Körpersprache und lassen oft vergessen, dass unter Fell und Hörnern Menschen stecken. Die Atmosphäre aus Dunkelheit, lauten Glocken, scheppernden Geräuschen und manchmal Feuer oder Rauch verstärkt das Gefühl von Unheimlichkeit und Unsicherheit.
Gespielte Aggression, das unerwartete Erschrecken, Peitschenschläge oder wildes Herumhüpfen der „bösen“ Perchten können besonders für Kinder sehr beängstigend sein. Die Kombination aus Bedrohung und Tradition erzeugt ein Erlebnis, das Angst macht, auch wenn man weiß, dass die Perchten eigentlich symbolisch wirken.
Traditionsreicher Brauch
Der Brauch der Perchten ist alt. Ursprünglich hatten die hässlichen Schiachperchten die Aufgabe, böse Geister zu vertreiben, den Winter und dunkle Kräfte aus dem Dorf zu treiben und Schutz, Fruchtbarkeit und Wohlstand zu bringen. Die schönen Perchten galten als Glücksbringer und sollten Freude und Segen bringen. Im Laufe der Zeit hat sich der Brauch verändert, und der Grusel- und Unterhaltungsaspekt steht heute im Vordergrund.
Bei einem typischen Perchtenlauf ziehen die Teilnehmer zuerst Fell und Maske an, und die schwere Glocke darf nicht fehlen. Dann zieht die Gruppe als Umzug ins Dorf, begleitet von Glockengeläut, Stampfen und Schreien, das symbolisch das Böse vertreiben soll. Im Hauptteil, dem sogenannten Treiben, bewegen sich die Schönperchten ruhig und tänzerisch. Sie werden respektiert und symbolisieren Glück und Segen. Die Schiachperchten hingegen rennen wild umher, erschrecken Leute oder peitschen mit Ruten. Das sind die klassischen Gruselgestalten, gefürchtet und oft der Inbegriff des Horrors der Veranstaltung. Schließlich verlässt die Gruppe das Dorf, und symbolisch ist das Böse vertrieben, während Frieden, Fruchtbarkeit und Glück einkehren.
Trotz allem muss man keine Angst vor Perchten haben. Respekt ist jedoch wichtig. Wer unbedacht an Hörner, Maske oder Fell greift, kann sich selbst oder die Person unter der Maske verletzen. Solche Fälle sind dokumentiert. Auch die Atmosphäre aus Lautstärke, Dunkelheit und engen Gassen kann für Kinder oder empfindliche Menschen sehr belastend sein. Viele Veranstaltungen setzen deshalb auf Sicherheitsregeln, Absperrungen, Alkoholverbot oder Altersbeschränkungen, um Risiken zu minimieren. Nach diesen Informationen kann man sich nun auf einen Perchtenlauf freuen, am besten zusammen mit Freunden und voller Respekt für die Tradition und die Menschen unter den Masken.
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