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Tolkiens Meisterwerk: Lohnt es sich, "Der Herr der Ringe" zu lesen?

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22.11.2025
3 Min.

Wir alle haben schon vom Herrn der Ringe gehört. Viele von uns haben die Filmtrilogie von Peter Jackson gesehen, vielleicht auch Der Hobbit gelesen und sich über Die Ringe der Macht aufgeregt. Aber wer liest heute noch die Bücher? Sollten wir das überhaupt?

Der Herr der Ringe: Die Filmreihe begeistert, aber was ist mit den Büchern? (Foto: Ergo Zakki/unsplash)

Wenn wir die Herr der Ringe-Filme lieben und neugierig darauf sind, die Welt dahinter wirklich kennenzulernen, sollten wir die Bücher lesen. Auch wenn sie an manchen Stellen langatmig wirken, bekommen wir dafür eine viel tiefere, reichere und lohnendere Erfahrung.

Meine Erfahrung

Ich habe mit zehn zum ersten Mal Der Hobbit gelesen und mich in Mittelerde verliebt. Und da ich eine ziemliche Leseratte war (und immer noch bin), beschloss ich, gleich mit Die Gefährten weiterzumachen. Doch ich gab sofort wieder auf. Dann folgte jedes Jahr ein neuer Versuch, und irgendwann schaffte ich es sogar bis in die Minen von Moria! Aber wegen mangelnden Verständnisses hörte ich erneut auf.

Bis wir in der vierten Klasse Unterstufe im Englischunterricht Der Hobbit anschauten. Ich liebte die ersten beiden Filme trotz ihrer Ungenauigkeiten und wollte mehr von dieser zauberhaften Welt. Die Herr der Ringe-Filme durfte ich jedoch wegen der Altersfreigabe nicht sehen.

Also las ich sie. Und ich brauchte eine ganze Woche Sommerferien für Die Gefährten, zwei für Die zwei Türme und einen Tag für Die Rückkehr des Königs.

Es war zuweilen ein zäher Prozess, vor allem Die zwei Türme. Doch beim letzten Band entstand eine Spannung, die mich einen ganzen Tag lang nicht aus meinem Zimmer ließ.

Ich liebe diese Bücher über alles. Die Filme sind zwar sehr akkurat, aber nicht makellos. Kleine Details wurden ausgelassen, die mich beispielsweise stören. Vor allem Tom Bombadil vermisse ich in den Filmen.

Seitenlange Landschaftsbeschreibungen haben viel Charme

Tolkiens Schreibstil wird immer wieder kritisiert. Er sei zu langatmig, zu detailreich und käme nie zum Punkt. Und ja, das Vorwort über Pfeifenkraut ist vielleicht etwas, auf das er hätte verzichten können.

Aber genau das macht ihn für mich aus. Die seitenlangen Landschaftsbeschreibungen haben einen Charme, den nur wenige Autoren meistern. Und wenn wir uns an sie gewöhnt haben, erwarten uns vielleicht die besten fiktionalen Charaktere des Fantasy-Genres: vom heroischen, aber dennoch menschlichen Aragorn über Sauron, der im Silmarillion eine perfekte Hintergrundgeschichte erhält, bis hin zu Sam, der als stummer Held immer wieder den Tag rettet.

Tolkien behandelt all seine Figuren mit Respekt und gibt uns Einblicke in ihr Leben. Nicht, als würden sie auf einer Bühne vor einem riesigen Publikum ihre Geschichte erzählen, sondern so, als hätte er sie im Pub getroffen und sie hätten ihm bei Pfeife und Bier von ihren Abenteuern berichtet.

Und das macht ihn aus: nicht die großen heroischen Epen, sondern die kleinen Details.

Was macht Der Herr der Ringe so besonders?

Es ist nicht die Geschichte des Flusses Baranduin, die ihn interessant macht, sondern die Tatsache, dass die Hobbits ihn Brandywine nennen. Und je tiefer wir in die Lektüre eintauchen, desto mehr Freude schenkt uns dieses Universum. Wenn wir genau wissen, wem Elrond und Arwen wie aus dem Gesicht geschnitten sind, was der Ring an Aragorns Finger eigentlich bedeutet oder warum Galadriel Gimli ausgerechnet drei Haare gegeben hat, dann können wir meiner Meinung nach viel mehr in dieser Welt entdecken, als wenn wir nur die Filme gesehen haben.

Wir können uns nicht mit großen Helden wie Captain America oder Indiana Jones identifizieren; das sind Idole, zu denen wir aufschauen. Aber jemand wie Sam Gamgee, der dieses Abenteuer nur antritt, um Frodo zu helfen, wird für uns zu einer echten Identifikationsfigur.

All das findet sich zwar in Buch und Film, aber im Buch erhalten viele Figuren eine Tiefe, die selbst das großartige Schauspiel des gesamten Casts nicht ganz einfangen konnte.

Fazit

Wenn wir ein gewisses Durchhaltevermögen und den Willen mitbringen, tief ins Legendarium* einzutauchen, sollten wir diese Bücher unbedingt lesen. Es lohnt sich absolut.

*Das Herr der Ringe-Universum

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