Während ich durch Instagram scrolle, beginnt ein Video nach dem anderen. Ich muss nichts auswählen: Die App merkt sich, was ich länger ansehe, und schlägt mir sofort ähnliche Inhalte vor. Dabei frage ich mich: Was wäre, wenn ich erst 13 wäre? Würde Instagram mich bald aussperren? Müsste ich meinen Ausweis zeigen? Und was würde mit meinem Account passieren?
Genau solche Fragen wirft ein neuer österreichischer Gesetzesentwurf auf. Die Bundesregierung schickte ihn am 27. Juli 2026 in die Begutachtung. Er ist also noch nicht endgültig vom Parlament beschlossen. Nach dem derzeitigen Plan soll das Gesetz am 1. Jänner 2027 in Kraft treten. Die Plattformen hätten anschließend bis zum 1. April Zeit, die notwendigen Alterskontrollen einzuführen.
Welche Plattformen wären betroffen?
Oft wird verkürzt von einem allgemeinen Social-Media-Verbot gesprochen. Tatsächlich soll nicht jede App automatisch gesperrt werden. Entscheidend wäre, welche Funktionen eine Plattform verwendet.
Betroffen wären vor allem Angebote mit endlosem Scrollen, automatisch abgespielten Videos und Algorithmen, die überwiegend Inhalte fremder Accounts empfehlen. Auch Push-Nachrichten, Belohnungen für eine regelmäßige Nutzung und unerwünschte Kontaktaufnahmen durch fremde Personen werden im Entwurf genannt.
Als Beispiele nennt die Regierung TikTok, Instagram, YouTube und Snapchat. WhatsApp und andere reine Messengerdienste sollen nicht betroffen sein. Ein 13-Jähriger könnte also weiterhin in seiner Klassengruppe schreiben, dürfte bestimmte soziale Netzwerke aber möglicherweise nicht mehr normal verwenden. Die Anbieter könnten allerdings eigene kindgerechte Bereiche ohne die problematischen Funktionen einrichten.
Wie soll die Alterskontrolle funktionieren?
Bisher lässt sich eine Altersgrenze leicht umgehen: Bei der Anmeldung wird einfach ein falsches Geburtsdatum eingetragen. Künftig müssten Nutzerinnen und Nutzer deshalb nachweisen, dass sie mindestens 14 Jahre alt sind.
Die Plattform soll dabei nicht den Namen, die Adresse oder das genaue Geburtsdatum erhalten. Eine unabhängige Stelle würde das Alter prüfen und der App lediglich mitteilen, ob die Person alt genug ist. Umgekehrt soll die Prüfstelle nicht erfahren, für welche Plattform der Nachweis verwendet wird.
Eine mögliche Methode wäre die ID Austria, verpflichtend soll sie aber nicht sein. Welche anderen Möglichkeiten es geben wird, ist noch nicht geklärt. Genau hier beginnen die Probleme: Was machen Jugendliche ohne ID Austria? Wer darf die Altersprüfung durchführen? Und wie wird verhindert, dass dabei trotzdem persönliche Daten gespeichert werden?
Was passiert mit bestehenden Accounts?
Unklar ist außerdem, was mit den Konten von Unter-14-Jährigen geschieht, die bereits Instagram, TikTok oder Snapchat verwenden. Denkbar wäre, dass solche Accounts gesperrt oder in einen kindgerechten Bereich umgewandelt werden. Im Entwurf ist aber noch nicht eindeutig geregelt, was dann mit gespeicherten Bildern, Nachrichten und Videos passiert.
Auch umgehen ließe sich das Verbot vermutlich weiterhin. Jugendliche könnten das Handy ihrer Eltern verwenden, ein falsches Konto anlegen oder zu einer anderen Plattform wechseln. Eine vollkommen sichere Kontrolle wird es deshalb wahrscheinlich nicht geben.
Schutz oder neue Überwachung?
Befürworter sehen in der Altersgrenze einen notwendigen Schutz vor süchtig machenden Funktionen, gefährlichen Kontakten und ungeeigneten Inhalten. Die Verantwortung soll bei den Plattformen liegen. Sehr großen Unternehmen könnten bei Verstößen Strafen von bis zu sechs Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes drohen.
Kritik kommt vor allem von Datenschutzorganisationen und Fachleuten. Sie bezweifeln, dass Österreich allein eine sichere Lösung durchsetzen kann. Außerdem müsste möglicherweise nicht nur bei Kindern, sondern bei allen Nutzerinnen und Nutzern das Alter überprüft werden. Eine Schutzmaßnahme für Jugendliche könnte dadurch die anonyme Nutzung des Internets für alle verändern.
Auch Saferinternet betont, dass eine Altersgrenze allein nicht ausreicht. Jugendliche müssten zusätzlich lernen, wie Algorithmen funktionieren, wie sie gefährliche Inhalte erkennen und was sie gegen Cybermobbing tun können.
Ich verstehe, warum Österreich handeln will. Plattformen sollten jüngere Kinder besser schützen und nicht alles tun dürfen, um sie möglichst lange am Bildschirm zu halten. Trotzdem darf die Lösung nicht dazu führen, dass alle Menschen im Internet ihre Identität offenlegen müssen. Ob der Entwurf diesen schwierigen Spagat schafft, wird davon abhängen, wie die Alterskontrolle am Ende tatsächlich umgesetzt wird.
Kommentare
Auf jeden Fall gelungen der Text, bitte weiter so!