Auf TikTok und Instagram sieht man sie überall: Mädchen, die um 5 Uhr aufstehen, ihr Bett machen, einen grünen Smoothie trinken und danach noch Yoga oder Sport machen. Natürlich sieht alles ordentlich und entspannt aus. Genau das ist „That Girl“.
Die Idee dahinter ist eigentlich gar nicht schlecht. Man soll sich besser um sich selbst kümmern, gesünder leben und seine Ziele verfolgen. Auch ich finde es grundsätzlich motivierend, wenn man sich vornimmt, mehr Sport zu machen oder seine Zeit besser einzuteilen. Das Problem ist nur: Im Internet sieht man meistens die perfekte Version davon.
Nicht jeder Tag muss perfekt sein
Wenn man ständig solche Videos sieht, kann schnell das Gefühl entstehen, dass man selbst nicht genug macht. Andere stehen um 5 Uhr auf, während man selbst bis 7 Uhr schläft. Andere gehen jeden Tag ins Fitnessstudio, während man selbst nach einem langen Schultag einfach nur auf dem Sofa liegen will.
Aber genau das ist normal. Niemand ist jeden Tag motiviert. Niemand hat immer ein perfekt aufgeräumtes Zimmer, isst nur gesund und schafft seine komplette To-do-Liste.
Selbstfürsorge sollte eigentlich bedeuten, auf sich zu achten. Wenn man sich aber schlecht fühlt, weil man seine Morgenroutine nicht geschafft hat, läuft etwas falsch.
Motivation oder Druck?
Motivation hört für mich dort auf, wo man das Gefühl bekommt, nie gut genug zu sein. Es ist ein Unterschied, ob ich Sport mache, weil es mir guttut, oder ob ich Sport machen muss, weil ich sonst Angst habe, meinen Körper nicht schön genug zu finden.
Auch Selbstmanagement kann irgendwann stressig werden. Wenn jede Minute des Tages geplant ist und man sich für jede Pause schlecht fühlt, hat das nicht mehr viel mit einem gesunden Leben zu tun.
Gerade Jugendliche stehen sowieso schon unter genug Druck – in der Schule, mit Freunden und durch Social Media. Da braucht es nicht noch ein weiteres Ideal, an das man sich halten soll.
Ein bisschen „That Girl“ ist okay
Trotzdem muss der Trend nicht komplett schlecht sein. Es kann helfen, sich kleine Ziele zu setzen. Zum Beispiel morgens das Handy nicht sofort anzuschauen, genug Wasser zu trinken oder regelmäßig spazieren zu gehen.
Man sollte aber selbst entscheiden, was einem guttut. Vielleicht ist man kein Mensch, der um 5 Uhr aufsteht. Vielleicht ist ein Frühstück mit Toast genauso gut wie ein grüner Smoothie. Und vielleicht ist ein Nachmittag ohne Produktivität genau das, was man gerade braucht.
Gesund heißt nicht perfekt
Der „That Girl“-Trend kann motivieren, solange er als Inspiration und nicht als Vorschrift gesehen wird. Ein gesundes Leben bedeutet schließlich nicht, jeden Tag perfekt zu funktionieren.
Manchmal ist Disziplin wichtig. Manchmal ist es aber auch wichtig, einfach mal nichts zu machen. Denn wer ständig versucht, die beste Version von sich selbst zu werden, vergisst vielleicht irgendwann, dass man auch als ganz normale Version schon genug ist.
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