Wie sehr das Wohnen das studentische Budget belastet, zeigt die Studierenden-Sozialerhebung 2025, die das Institut für Höhere Studien (IHS) im April 2026 veröffentlicht hat. Dafür beantworteten im Sommersemester 2025 rund 36.000 Studierende, also mehr als jede und jeder Zehnte, die Fragebögen. Das Ergebnis: Die durchschnittlichen Wohnkosten liegen bei 586 Euro pro Monat, sofern die Befragten nicht bei den Eltern wohnen.
Das ist ein Plus von 7 Prozent gegenüber 2023 und satte 51 Prozent mehr als noch 2015. Am teuersten wohnen jene, die allein leben, mit durchschnittlich 664 Euro im Monat. Damit bleibt das Wohnen mit Abstand der größte Ausgabenposten im Leben Studierender, noch vor Essen, Verkehr und Studienkosten.
Das Wohnheim ist keine günstige Lösung mehr
Besonders bitter ist die Entwicklung ausgerechnet dort, wo viele Erstsemestrige die günstigste Bleibe vermuten. Während die Wohnkosten insgesamt inflationsbereinigt seit 2023 kaum gestiegen sind, legten die Preise in Wohnheimen auch abzüglich der Teuerung um 7 Prozent zu. Als Hauptgrund nennt die Erhebung die wachsende Zahl privater, gewerblicher Heimbetreiber, die im Vergleich deutlich teurer sind als gemeinnützige Träger.
Das klassische Studierendenheim, jahrzehntelang die erschwingliche Einstiegsvariante für alle, die neu in die Stadt kamen, verliert damit seine Rolle als preiswerte Alternative. Erschwerend kommt hinzu, dass die Anmeldung für einen Heimplatz meist ein ganzes Semester vor Studienbeginn erfolgen muss und viele Träger für das kommende Wintersemester bereits nur noch Restplätze oder Wartelisten anbieten.
Wenn das Geld gegen Monatsende knapp wird
Für die Studierendenvertretung ist die Lage ein Alarmsignal. Bei der Pressekonferenz zur Präsentation der Sozialerhebung brachte es ÖH-Vorsitzende Selina Wienerroither auf den Punkt: Hinter den vielen Witzen darüber, dass sich Studierende gegen Monatsende oft nur noch Nudeln mit Pesto leisten können, stecke eine harte Realität. Studierendenarmut sei kein Ausnahmezustand, sondern ein Dauerzustand, der zu oft auf die leichte Schulter genommen werde. Die Nudeln-mit-Pesto-Klischee-Küche ist dabei mehr als ein Insider-Scherz unter Studierenden: Sie steht sinnbildlich für den Spagat zwischen knappem Kochbudget, wenig Zeit zwischen Vorlesungen und Nebenjob – und genau an diesem Punkt setzt die Kritik der ÖH an.
Die ÖH fordert unter anderem eine Erhöhung der Studienbeihilfe über die Armutsgefährdungsschwelle sowie einen Ausbau leistbarer Heimplätze. Wie angespannt die Situation vieler ist, zeigt eine weitere Zahl der Erhebung: Rund vier von zehn Studierenden sind stark oder sehr stark auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um ihre Mietkosten überhaupt decken zu können. Für Jugendliche aus einkommensschwächeren Familien entscheidet damit oft nicht die Note, sondern die Miete darüber, ob ein Studium in einer anderen Stadt überhaupt möglich ist.
Die Politik verspricht Gegenmaßnahmen
Auch die zuständige Ministerin sieht Handlungsbedarf. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner bezeichnete die gestiegenen Wohnkosten bei derselben Pressekonferenz als "Alarmsignal" und kündigte die Wiedereinführung der Förderung gemeinnütziger Studierendenheime an, die Teil der anstehenden Budgetverhandlungen sein soll. Eine konkrete Summe nannte sie dabei allerdings nicht.
Für Einordnung sorgte IHS-Projektleiterin Anna Dibiasi, die die Ergebnisse ebenfalls bei der Pressekonferenz vorstellte: Studierende in Österreich hätten 2025 zwar seltener finanzielle Schwierigkeiten als 2023, dennoch bleibe die Belastung höher als 2019, also vor der Pandemie und der Hochinflationsphase. Immerhin ein Lichtblick: Der Anteil der Studierenden mit finanziellen Schwierigkeiten ist von 29 auf 25 Prozent gesunken, auch wenn das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht ist.
Der Sommer der Entscheidungen
Für alle, die gerade die Matura hinter sich haben und im Herbst an eine Uni oder Fachhochschule wechseln, beginnt damit ein Sommer voller Entscheidungen, die weit über die Studienwahl hinausgehen. Wer keinen Heimplatz mehr ergattert, muss sich rechtzeitig um ein WG-Zimmer kümmern, Fristen für Anmeldung und Meldezettel im Blick behalten und im Zweifel auch die Frage stellen, ob sich der Umzug in die teure Großstadt überhaupt rechnet oder ob das tägliche Pendeln von zu Hause am Ende die günstigere Variante bleibt. Denn manchmal entscheidet sich die Zukunft nach der Schule eben nicht im Hörsaal, sondern schon bei der Suche nach vier leistbaren Wänden.
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