Für Artjom beginnt der Tag oft mit einer Fahrt zur Schule. Der 18-Jährige besucht die 7. Klasse eines AHS-Gymnasiums und wohnt rund 20 Kilometer vom Schulgebäude entfernt. Sein gebrauchter VW Golf aus dem Jahr 2013 bringt ihn täglich zum Unterricht und zu seinem Nebenjob in einem Elektronikmarkt. Den Sprit und kleinere Reparaturen bezahlt er selbst.
Etwa zweimal im Monat fährt Artjom zur Tankstelle und zahlt jeweils rund 50 Euro. Gerade wenn die Anzeige Richtung Reserve geht, merkt er die steigenden Kosten. „Wenn der Tank fast leer ist, merke ich sofort, wie viel Geld weg ist. Ich überlege inzwischen genauer, wann ich wirklich mit dem Auto fahre“, erzählt er.
Artjom ist kein Einzelfall. Auch Alex und Lorenz aus derselben 7. Klasse kennen das Problem. Für sie ist das Auto nicht nur ein Symbol für Unabhängigkeit, sondern oft eine praktische Lösung im Alltag.
Das eigene Auto kostet jeden Monat Geld
Auch Alex fährt täglich mit seinem gebrauchten Opel Corsa. Der 18-Jährige arbeitet neben der Schule in einem Café und nutzt sein Auto vor allem für den Schulweg und die Heimfahrt nach der Arbeit. Rund 130 Euro gibt er jeden Monat für Sprit aus.
„Mit den Öffis würde ich nach der Arbeit oft erst sehr spät heimkommen. Das Auto spart mir jeden Tag viel Zeit“, sagt Alex. Für ihn ist der höhere Preis an der Tankstelle ärgerlich, aber der Zeitgewinn bleibt ein wichtiger Grund für das Auto.
Lorenz fährt sogar rund 35 Kilometer pro Tag zur Schule. Der Schüler wohnt außerhalb der Stadt und besitzt einen älteren Škoda Fabia. Den Sprit bezahlt er selbst, die Versicherung teilen sich seine Eltern und er.
„Ich könnte zwar mit Bus und Bahn fahren, aber dann wäre ich fast doppelt so lange unterwegs. Deshalb nehme ich meistens das Auto“, erklärt Lorenz.
Warum Benzin und Diesel wieder teurer werden
Die Erfahrungen der drei Schüler zeigen, wie stark internationale Entwicklungen im Alltag ankommen können. Nach der Eskalation des Iran Krieges stiegen die Rohölpreise weltweit deutlich an. Da Österreich einen großen Teil seines Erdöls importiert, wirkt sich das auch auf die Preise an den Tankstellen aus.
Laut der Regulierungsbehörde E Control kostete Diesel zuletzt im österreichweiten Median 2,038 Euro pro Liter, Superbenzin lag bei 1,881 Euro pro Liter.
Für junge Autofahrerinnen und Autofahrer bedeutet das: Jede Tankfüllung muss besser geplant werden. Besonders Schülerinnen und Schüler, die ihr Auto selbst bezahlen, spüren die Veränderungen direkt.
Politik diskutiert über Entlastungen
Die hohen Spritpreise beschäftigen auch die Politik. Laut Medienberichten wird in der Regierung über eine Ausweitung der Spritpreisbremse gesprochen. Im April wurde bereits die Mineralölsteuer gesenkt, diese Entlastung wurde später jedoch wieder schrittweise zurückgenommen.
WIFO-Chef Gabriel Felbermayr kann sich eine erneute Senkung der Mineralölsteuer vorstellen. Eine Begrenzung der Tankstellenmargen sieht er dagegen kritisch. „Jeder Preiseingriff hat den Nachteil, dass die notwendigen Sparanreize gemildert werden“, sagte Felbermayr im Ö1-Morgenjournal.
Auch der ÖAMTC fordert eine stärkere Senkung der Mineralölsteuer. Der ÖGB spricht sich ebenfalls für eine gezielte Entlastung aus.
Freiheit auf vier Rädern mit einem hohen Preis
Für Artjom, Alex und Lorenz ist das Auto ein wichtiger Teil ihres Alltags. Es bringt sie zur Schule, zur Arbeit und nach Hause. Gleichzeitig merken sie, wie abhängig diese Freiheit von den Preisen an der Tankstelle ist.
Vielleicht zeigt die nächste Tankfüllung deshalb nicht nur, wie viel ein Liter Benzin kostet. Sie zeigt auch, wie viel unsere tägliche Mobilität inzwischen wert ist.
Kommentare