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Steuern zahlen mit 17? Was uns keiner sagt

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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03.09.2026
4 Min.

Wer diesen Sommer erstmals gearbeitet hat, hat am Konto vermutlich weniger gehabt als am Papier ausgemacht. Meistens liegt das nicht an der Lohnsteuer, sondern an der Sozialversicherung, die schon ab einem Monatslohn von 551,10 Euro abgezogen wird. Ein Teil davon lässt sich zurückholen, nur wissen das die wenigsten.

Der erste Lohnzettel - da fehlt doch etwas? (Foto: Jakub Zerdzicki)

Johan Leitner, ein Freund aus meinem Segelclub, hat sich vor seinem Ferialjob ausgerechnet, mit wie viel Geld er am Ende dasteht. "Ich hab mir vor dem Ferialjob ungefähr 1.000 Euro erwartet. Auf meinem Lohnzettel stehen 1.120 Euro brutto. Davon wurden 190 Euro Sozialversicherung und 0 Euro Lohnsteuer abgezogen. Am Ende sind 930 Euro netto auf meinem Konto gelandet", sagt der 17-jährige Schüler aus Wien gegenüber campus & college.

Johan Leitner, ein Freund aus meinem Segelclub, hat sich vor seinem Ferialjob genau ausgerechnet, mit wie viel Geld er am Ende dasteht. "Ich hab mir vor dem Ferialjob ungefähr 1.000 Euro erwartet. Auf meinem Lohnzettel stehen 1.120 Euro brutto. Davon wurden 190 Euro Sozialversicherung und 0 Euro Lohnsteuer abgezogen. Am Ende sind 930 Euro netto auf meinem Konto gelandet", sagt der 17-jährige Schüler aus Wien in einem Interview.

Woher die Lücke zwischen Erwartung und Kontostand kommt, hat er sich erst im Nachhinein genauer angeschaut. "Am Anfang hab ich ehrlich gesagt gar nicht wirklich geschaut, was genau abgezogen wird. Ich hab einfach auf den Betrag am Konto gewartet. Erst danach hab ich mir gedacht, warum ist das jetzt weniger als das, was vorher ausgemacht war."

Die Antwort steht schwarz auf weiß auf seinem eigenen Lohnzettel: 190 Euro Sozialversicherung, sonst nichts.

Auch ich hab genauer hingeschaut

Diese Frage, warum am Ende weniger übrig bleibt als erwartet, hab ich mir selbst auch gestellt. Ich schreibe diesen Artikel und hab diesen Sommer ebenfalls als Segellehrer am Attersee gearbeitet, mit einem Bruttolohn von rund 2.000 Euro und knapp 1.600 Euro netto am Konto. Sozialversicherung wurde bei mir nur in geringem Ausmaß abgezogen, Lohnsteuer kaum, weil sich mein Job auf eine Hälfte Juli und eine Hälfte August verteilt hat.

Überrascht hat mich stattdessen ein anderer Posten am Gehaltszettel: die ausgezahlten Urlaubstage. 200 Euro hat mir dieser Posten zusätzlich aufs Konto gebracht, mehr als ich erwartet hatte.

Wer während des Ferialjobs Urlaub nicht verbraucht, bekommt ihn am Ende in Geld ausbezahlt. Das nennt sich Urlaubsersatzleistung und steht laut Arbeiterkammer bereits nach einem Monat Beschäftigung im Ausmaß von 2,5 Werktagen zu.

Die Zahlen, die zählen

Ob überhaupt etwas vom Lohn abgezogen wird, hängt von der Beschäftigungsform ab. Bleibt der Monatslohn unter der Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 Euro, fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an. Liegt der Lohn darüber, zieht der Arbeitgeber Sozialversicherung ab, so wie bei Johan mit seinen 190 Euro.

Lohnsteuer kommt erst dazu, wenn das Jahreseinkommen über die erste Tarifstufe der Einkommensteuer hinausgeht. Diese Grenze liegt 2026 bei 13.539 Euro im Jahr. "Die 13.539 Euro sind nicht einfach eine allgemeine Steuerfreigrenze für alle. Dabei handelt es sich um den sogenannten Grenzbetrag für die Einkommensteuer. Entscheidend ist also, wie hoch das steuerpflichtige Einkommen insgesamt ist und welche Abzüge und Freibeträge berücksichtigt werden", sagt die Wiener Steuerberaterin Julia Steiner gegenüber campus a college. "Gerade bei Ferialjobs kann es deshalb sein, dass jemand zunächst Lohnsteuer bezahlt, obwohl am Ende des Jahres keine oder nur wenig Einkommensteuer anfällt."

Ein Sommerjob wie jener von Johan bleibt mit 1.120 Euro brutto weit unter dieser Grenze. Das erklärt, warum bei ihm keine Lohnsteuer anfiel, während die Sozialversicherung trotzdem abgezogen wurde: Die beiden Abgaben funktionieren nach unterschiedlichen Regeln.

Was Expert:innen raten

Zu viel bezahlte Lohnsteuer lässt sich über die Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt zurückholen, online über FinanzOnline. "Wenn zu viel Lohnsteuer einbehalten wurde, wird das bei einer Arbeitnehmerveranlagung grundsätzlich wieder gutgeschrieben", sagt Steiner. "Die automatische Arbeitnehmerveranlagung kann unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen, aber darauf sollte man sich nicht einfach verlassen. Wer sicherstellen möchte, dass mögliche Rückzahlungen berücksichtigt werden, kann selbst eine Arbeitnehmerveranlagung beantragen."

"Viele junge Menschen denken bei ihrem ersten Ferialjob gar nicht daran, dass sie sich zu viel bezahlte Lohnsteuer unter Umständen wieder zurückholen können", sagt sie. "Gerade bei Schülern und Studenten kann eine Arbeitnehmerveranlagung deshalb interessant sein."

Wie viel dabei am Ende rauskommt, lässt sich laut Steiner nicht pauschal sagen. "Das hängt unter anderem davon ab, wie viel verdient und wie viel Lohnsteuer tatsächlich einbehalten wurde." Ihre Empfehlung ist trotzdem klar: "Ich würde Jugendlichen empfehlen, sich nach dem Ferialjob zumindest einmal anzuschauen, ob eine Arbeitnehmerveranlagung sinnvoll ist. Gerade weil der Aufwand relativ überschaubar sein kann, lassen viele sonst Geld liegen, ohne es überhaupt zu wissen."

Woran das liegt, hat für sie weniger mit Desinteresse zu tun. "Das Problem ist meistens nicht, dass die Jugendlichen kein Interesse daran haben. Viele wissen schlichtweg nicht, dass es diese Möglichkeit gibt, oder glauben, dass sich das bei einem kurzen Ferialjob sowieso nicht auszahlt."

Die Arbeitnehmerveranlagung lässt sich bis zu fünf Jahre rückwirkend beantragen. Wer im Sommer 2026 gearbeitet hat, kann sich also auch im nächsten oder übernächsten Jahr noch melden.

Ein gutes Gefühl bleibt trotzdem

Trotz der 70 Euro Differenz zu seiner Erwartung überwiegt bei Johan Leitner etwas anderes. "Für mich war's trotzdem ein gutes Gefühl, das erste Mal selber so viel Geld zu verdienen. Ich hab mir dann auch einiges davon zur Seite gelegt und nicht alles gleich ausgegeben."



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