Ihr habt sicher bereits davon gehört: Am 22. Juni 2026 kündigte der britische Premierminister Keir Starmer seinen Rücktritt als Premierminister und Parteivorsitzender der Labour Party an. Diese britische Partei ist mit unserer SPÖ vergleichbar. Der gebürtige Londoner war seit Juli 2024 im Amt. Zuletzt litt Starmer unter schlechten Wahlergebnissen und parteiinternem Druck. Sein Rücktritt war also gefordert und nicht überraschend. Jetzt wird in den Reihen der Labour Party ein Nachfolger gesucht. Doch was wird sich innenpolitisch ändern? Und tritt das Vereinigte Königreich doch wieder in die EU ein? Wie schaut`s mit der Opposition aus?
Kein Mangel an möglichen Nachfolgern Starmers
Wer wird als mögliche/r neue/r Regierungschef/in Großbritanniens gehandelt? Aktuell werden vier Labour-Vertreter als mögliche Nachfolger betrachtet:
Starten wir mit Andy Burnham, dem Favoriten. Der aktuelle Bürgermeister von Greater Manchester ist stärker auf die Arbeiter- und Mittelschicht fokussiert. Investitionen in strukturschwache Regionen sind ihm sehr wichtig. Außerdem befürwortet er mehr Macht für Regionen außerhalb Londons.
Die zweite potenzielle Kandidatin heißt Angela Rayner. Sie wird eher dem linken Flügel ihrer Partei zugeschrieben und kritisiert die aktuelle Parteispitze häufiger als Burnham. Sie steht für einen stärkeren Fokus auf soziale Gerechtigkeit. Mehr Arbeitnehmerrechte. Und höhere staatliche Investitionen.
Auch Wes Streeting könnte künftig der Regierungschef Großbritanniens sein. Obwohl sein Name zunächst gehandelt wurde, gilt eine Kandidatur mittlerweile als unwahrscheinlich. Er ist politisch eher mittig einzuordnen. Seine Wirtschaftsfreundlichkeit hebt ihn von Burnham oder Rayner ab. Streeting setzt auf Reformen statt auf Ideologien.
Ein weiterer Name, der aktuell als möglicher neuer Premierminister Großbritanniens gehandelt wird, lautet Ed Miliband. Der ehemalige Labour-Chef (von 2010 bis 2015) und aktuelle Staatssekretär gilt als Außenseiter. Er steht für starke Klimapolitik. Mehr staatliche Eingriffe in die Wirtschaft. Und eine sozialdemokratische Ausrichtung.
Was bedeutet die Nachfolge für die rechtspopulistische Reform UK?
Die rechtspopulistische Partei Reform UK, derzeit unter der Führung Nigel Farages, hat in den vergangenen Jahren stark an Zustimmung gewonnen. Wie auch die FPÖ in Österreich, profitiert sie von Unzufriedenheit mit der Wirtschaft, hoher Migration und Frust über die etablierten Parteien. Wie auch viele andere gerade ziemlich populäre rechte Fraktionen Europas steht sie für einen sehr harten Migrationskurs.
Doch nicht nur die strengste Begrenzung der Einwanderung hat sie sich zum Ziel gesetzt. Nein. Sie vertritt die radikale Forderung, illegale Überfahrten über den Ärmelkanal kompromisslos zu stoppen. Weiters fordert die Partei populäre Steuersenkungen und Deregulierung. Gegenüber dem Klimawandel gilt sie als skeptisch. Sie möchte kostspielige Projekte wie beispielsweise „Net Zero“ so schnell wie möglich abbrechen. Auch nach dem Brexit macht sie sich für eine europakritische Außenpolitik stark.
Aber warum ist dieses Hintergrundwissen wichtig, um die aktuelle Lage zu verstehen? Nun ja. Der/die neue Labour-Chef/in wird sich entscheiden müssen, welchen Kurs er oder sie hinsichtlich den Reform UK-Positionen fahren will. Einerseits könnte die Partei unter neuer Führung auf einen härteren Kurs bei Migrations- und Sicherheitsthemen setzen. So önntenReform UK-Wähler*innen zurückkommen. Andererseits könnte die Labour-Party stärker soziale Probleme, wie zum Beispiel Wohnungen, Lebenshaltungskosten oder Gesundheitswesen, bekämpfen. Und somit der Reform UK ihren Nährboden entziehen. Der Favorit Burnham dürfte eher den zweiten Weg gehen.
Wird Großbritannien wieder EU-Mitglied?
Schauen wir uns zuletzt noch mögliche neue Positionen in der Außenpolitik gegenüber der EU an. Wahrscheinlich wird Starmers Nachfolger liberaler handeln als viele Brexit-Hardliner der letzten Jahre. Dabei könnte man wieder stärker mit der EU zusammenrücken. Vor allem eine bessere Zusammenarbeit in den Themen Handel, Forschung, Verteidigung und der Sicherheitspolitik gilt als so gut wie sicher.
Auch wenn wir uns mittlerweile wieder annähern und laut einer Statistik der Bertelsmann Stiftung vom Jahresanfang nur mehr etwa 30 bis 40 Prozent der Brit*innen den Brexit befürworten. Ein EU-Beitritt gilt als äußerst unwahrscheinlich. Der Brexit bleibt also bestehen. Und auch ein Wiedereintritt in den EU-Binnenmarkt wird nicht erwartet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Starmers Nachfolger*in nicht nur über die nächsten Wahlergebnisse der Labour-Party entscheiden wird. Er oder sie muss sowohl einen Kurs im Umgang mit der rechtspopulistischen Reform UK finden als auch eine Entscheidung fällen, wie stark Großbritannien in Zukunft wieder mit der EU zusammenarbeiten soll. Auch wenn Andy Burnham als Favorit gilt, könnten zahlreiche Kandidat*innen Antworten auf diese Fragen liefern. Und Großbritannien hoffentlich wieder in stabilere Zeiten führen. In denen man nicht mehr 7 Premierminister*innen innerhalb der kurzen Zeitspanne von 10 Jahren hat. Es bleibt abzuwarten, wer in Zukunft Großbritanniens Geschicke leiten wird. Und auch, welchen Kurs er oder sie einschlagen wird.
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