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Sport nach Geschlecht: Muss das noch sein? Grüne halten getrennten Sportunterricht für überholt

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Volontärin · Piaristengymnasium Krems
24.08.2026
4 Min.

Die Jungs spielen Fußball, die Mädels turnen am Reck. Seit jeher wird der Sportunterricht in Österreich getrennt abgehalten. Nicht immer sind die Aktivitäten dabei ausgewogen. Ist dieses Modell heute noch zeitgemäß?

Sind zu wenige Schüler*innen eines Geschlechts in einer Klasse, dürfen sie auch gemeinsam turnen. Gut so! (Foto: Shutterstock)

Noch immer entscheidet im Sportunterricht das Geschlecht darüber, welchen Sport Mädchen und Burschen machen: „Hilflose Antwort auf patriarchale Strukturen und überholte Denkmuster”, nennt Zeliha Arslan, Politikerin der Grünen und Mitglied der Frauen- und Bildungsausschüsse des Tiroler Landtages, die Geschlechtertrennung im Sportunterricht.

Eine Befragung von Schülerinnen und Schülern bestätigt außerdem: Sexismus sowie längst veraltete Rollenbilder manifestieren sich an Schulen in Form geschlechterabhängig ausgeübter Sportarten und der Ansicht, Mädchen seien im Allgemeinen schwächer und sportlich unbegabter.

Patriarchale Muster auch heute noch tief verankert

Festgelegte Rollenbilder brechen auf, das Identitätsbild junger Menschen ist immer weniger vom Geschlecht geprägt. Im österreichischen Sportunterricht trainieren Jungs und Mädchen trotzdem noch getrennt. „Anstatt Leistungsunterschiede, Machtverhältnisse und stereotype Zuschreibungen aufzubrechen, erscheint die Trennung als einfache Lösung”, erklärt Zeliha Arslan. Auch laut dem Verein sprungbrett ist diese Regel problematisch, zumindest „wenn sie aus der Vorstellung passiert, Mädchen und Jungen seien grundsätzlich zwei voneinander abgrenzbare, homogene Gruppen mit unterschiedlichen sportlichen Fähigkeiten”. Diese Vorstellung unterstütze Stereotype wie „körperlich dominante Jungs” und „schwache Mädchen”.

Der geschlechtergetrennte Sportunterricht vermittelt somit Rollenbilder, die auch heute noch in unserer Gesellschaft vorherrschen. Deshalb wünscht sich Arslan, dass „Schule allen Schüler:innen - unabhängig von Geschlecht, körperlichen Voraussetzungen oder Leistungsniveau - dieselben Möglichkeiten eröffnen” würde. Die Trennung dürfe „nur eine Zwischenlösung” sein.

Besonders für trans, intergeschlechtliche oder nichtbinäre Jugendliche kann die Trennung eine schwierige Situation schaffen. Unabhängig davon, für welche Gruppe sie sich entscheiden: Die Einteilung kann ihre Identität einschränken.

Tanzen bei den Mädchen, Ballsport bei den Jungs

Die Schule trägt wesentlich zur Wertevermittlung an die jüngste Generation bei. Doch ausgerechnet hier geben Lehrerinnen und Lehrer stereotype Geschlechterzuschreibungen weiter, unter anderem durch Vorstellungen wie „Mädchen- und Jungensportarten”. Aufgrund biologischer Voraussetzungen schreiben Lehrerinnen und Lehrer dabei vor allem den Mädchen klare Grenzen vor.

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler erzählen von Entscheidungen darüber, welches Geschlecht welche Sportarten im Unterricht ausüben darf. Bei Mädchen handelt es sich dabei vorwiegend um beispielsweise Reck, Bodenturnen, Tanzen oder Volleyball, selbst wenn ihnen diese Tätigkeiten keine Freude bereiten. Währenddessen dürfen die Jungs etwa Fußball und Basketball spielen oder laufen gehen, was ebenfalls nicht jeden Jungen begeistert.

So spricht auch Annie, 17 Jahre, von einem aktuellen „Beef” an ihrer Schule. Es gäbe für vier Sportgruppen drei Turnhallen und einen Gymnastiksaal, wobei die Mädchengruppe stets in den Gymnastiksaal geschickt werde - unabhängig davon, welche Sportarten sie selbst lieber ausüben würden. Auch die 15-jährige Schülerin Lorna, die selbst im Heimverein Fußball spielt, berichtet entsetzt von ihrem Sportunterricht: „Es regt mich voll auf, dass die Mädchen immer Reck machen und die Jungs währenddessen Fußball spielen.” Mitbestimmung sei nur bei den wenigsten Lehrerinnen und Lehrern möglich.

Es gelte laut dem Frauenservice Wien, „Strukturen zu schaffen, damit alle jungen Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht gerne und gleichberechtigt Sport machen können.” Geschichten wie die von Annie und Lorna zeigen jedoch, dass sich Schülerinnen und Schüler nicht nur eine gleichberechtigte Teilnahme wünschen, sondern auch Gleichstellung bei den ausgeübten Sportarten.

„Jungs sind ein bisschen arg manchmal”

FPÖ-Abgeordnete Rosa Ecker hingegen hält die Geschlechtertrennung im Sportunterricht für „uneingeschränkt sinnvoll.” Kraft, Muskelmasse und Schnelligkeit würden sich bei Burschen und Mädchen unterschiedlich entwickeln. Ein getrennter Unterricht garantiere daher faire Rahmenbedingungen und minimiere gleichzeitig das Verletzungsrisiko, argumentiert sie.

Während Ecker körperliche Unterschiede nennt, argumentiert Katrin Auer von der SPÖ mit dem sozialen Aspekt. Der Fokus könne durch die Trennung stärker auf den individuellen Bedürfnissen liegen. „Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, und ich bin Jahrgang 1974, habe ich in Erinnerung, dass es auch unter Mädchen einen gewissen Druck des Vergleiches gab. Aber die Tatsache, dass wir unter uns Mädchen waren, hat den Zusammenhalt gestärkt und wir selbst konnten uns auf unsere Fähigkeiten konzentrieren”, erzählt sie.

Auch Annie sieht bis zu einem gewissen Alter einen Vorteil im getrennten Unterricht. „Ich kann mich erinnern, dass ich es mit elf, zwölf Jahren noch sehr angenehm fand.” Isabell (16) sieht es ähnlich. „Ich finde es grundsätzlich gut, weil Jungs sind ein bisschen arg manchmal“, lacht sie.

Seit wann, warum, wo nicht

Seit dem Jahr 1869 steht der Sportunterricht für Jugendliche auf dem Stundenplan. Genauso lange gibt es die Trennung zwischen Mädchen und Jungen bei den „Leibesübungen”, wie das Reichsvolksschulgesetz den Unterricht im 19. Jahrhundert noch nannte.

Heute steht in der Erledigung des Bildungsministeriums, dass der Unterricht von Mädchen und Jungen ab der fünften Schulstufe getrennt abzuhalten sei. Zusätzlich muss der Unterricht für Mädchen von einer Sportlehrerin, der von Jungen von einem männlichen Kollegen abgehalten werden. Nur in Ausnahmefällen, wie bei zu geringer Schüleranzahl eines Geschlechts oder aus Zweckmäßigkeit, beispielsweise bei Tätigkeiten wie Schwimmunterricht, ist es erlaubt, die Gruppen zusammenzulegen.

Sexistische Kategorisierungen nicht mehr erwünscht

Lorna wünscht sich, zukünftig auch in der Schule häufiger Fußball zu spielen. Genauso würde sich der ein oder andere Junge bestimmt freuen, öfter am Reck zu turnen. Stereotype Vorstellungen dominieren jedoch bisher über persönliche Vorlieben. „Statt Menschen also weiterhin in starre Kategorien zu pressen, müssen wir endlich die dahinterliegenden Ungleichheiten beseitigen,” bestätigen die Grünen.

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