„Soziale Medien sind Affektmedien.“

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Volontärin · BRG Kufstein
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23.06.2026
3 Min.

„Ist doch nur Spaß“, „Lern, über Witze zu lachen“ oder „Das habe ich doch nicht ernst gemeint“: Aussagen wie diese haben die meisten von uns schon einmal gehört, sei es von Freunden, Familienmitgliedern oder sogar Vorgesetzten. Oft reagieren wir darauf nicht mit Widerspruch, sondern mit einem kurzen Lächeln oder einem tadelnden Kopfschütteln. Doch stellt sich die Frage: Handelt es sich dabei lediglich um Meinungen oder bereits um Hassrede?

Wo endet Meinung und wo beginnt Hassrede? (Foto: wal_172619, Pixabay)

Gerade in sozialen Medien verbreiten sich diskriminierende und beleidigende Inhalte besonders schnell. Der Kommunikationswissenschaftler Jörg Matthes beschreibt diesen Umstand mit den Worten: „Soziale Medien sind Affektmedien.“ Damit meint er, dass Inhalte auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder X häufig darauf ausgelegt sind, starke Emotionen wie Wut, Angst, Empörung oder Begeisterung auszulösen.

Informationen werden oft stark verkürzt dargestellt und emotional aufgeladen präsentiert, da solche Beiträge mehr Aufmerksamkeit und Reichweite erzielen. Für die Bildung einer eigenen, reflektierten Meinung benötigen Menschen jedoch vor allem sachliche, nüchterne und kontextreiche Informationen. Werden Themen hauptsächlich über Emotionen vermittelt, besteht die Gefahr, dass Vorurteile verstärkt, komplexe Zusammenhänge vereinfacht und Hassrede leichter verbreitet werden.

Rechtlich eindeutig geregelt

Unter Hassrede versteht man Äußerungen, die Hass gegen andere Menschen schüren, zu Ausgrenzung aufrufen oder bestimmte Gruppen diskriminieren, verletzen oder beleidigen. Diese Definition gilt sowohl für persönliche Gespräche als auch für Inhalte im Internet.

Rechtlich ist die Situation eindeutig geregelt. Häufig berufen sich Personen, die Hassrede verbreiten, auf das Recht der freien Meinungsäußerung. Allerdings haben sowohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte als auch der österreichische Gesetzgeber klare Grenzen gezogen. Der Verhetzungsparagraph (§ 283 StGB) stellt unter anderem Aufrufe zu körperlicher oder verbaler Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Sprache, Religion, Weltanschauung, Staatsangehörigkeit, Herkunft, ihres Geschlechts, Alters, einer Behinderung oder ihrer sexuellen Orientierung unter Strafe.

Hilfreiche Plattformen

Die rechtliche Grundlage ist somit klar. Doch wie sieht die Realität aus? Was können Jugendliche tun, wenn sie mit Hassrede konfrontiert werden? Eine erste Anlaufstelle bieten Plattformen wie Saferinternet.at oder ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit. Dort finden Betroffene und Interessierte Informationen, Unterstützung sowie praktische Handlungsempfehlungen im Umgang mit Hassrede.

Der wichtigste Schritt besteht jedoch darin, Hassrede nicht zu ignorieren. Werden diskriminierende Aussagen verharmlost, verschwiegen oder als harmloser Spaß abgetan, entsteht ein Umfeld, in dem sich Vorurteile und Hass ungehindert ausbreiten können. Hass wächst dort, wo niemand widerspricht. Natürlich sollte dabei stets die eigene Sicherheit an erster Stelle stehen. Dennoch trägt jede und jeder Einzelne eine gesellschaftliche Verantwortung, gegen Hassrede Stellung zu beziehen und Betroffene zu unterstützen.

Besonders häufig betroffen sind Minderheiten. Dazu zählen beispielsweise religiöse Gemeinschaften, LGBTQIA+-Personen, Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte oder andere gesellschaftliche Randgruppen. Hassrede trifft sie oft besonders hart, da sie zahlenmäßig kleiner sind und daher weniger Unterstützung erfahren. Je größer eine Gruppe ist, desto stärker fällt häufig der öffentliche Widerstand gegen Diskriminierung aus. Kleinere Gruppen hingegen werden leichter übersehen, ihre Erfahrungen häufiger infrage gestellt oder verharmlost.

Das geht uns alle an

Gerade Jugendliche, die einer Minderheit angehören, sind oft verstärkt betroffen. Durch den Zugang zu sozialen Medien und zahlreichen Online-Plattformen kommen sie regelmäßig mit Inhalten in Berührung, die nur unzureichend kontrolliert werden. Dadurch verbreiten sich Vorurteile, Beleidigungen und diskriminierende Aussagen oft schneller, als ihnen entgegengewirkt werden kann.

Meine zentrale Botschaft lautet daher: Hassrede geht uns alle etwas an. Sie kann nur dann wirksam bekämpft werden, wenn wir gemeinsam dagegen auftreten. Deshalb lohnt es sich, im eigenen Umfeld aufmerksam zu sein und nicht wegzusehen. Denn eines sollte immer gelten: Ein Witz ist nur dann wirklich lustig, wenn alle darüber lachen können.




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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.

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